Nach Bekanntwerden der Vergewaltigung einer 43-Jährigen durch einen 17-jährigen Asylbewerber in der Nacht zum Sonntag sitzt der Schock in Strullendorf tief. Das wird im Gespräch mit Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) deutlich. Desel war am Tag nach der schrecklichen Tat in der Asylunterkunft, in der der Tatverdächtige wohnte und festgenommen wurde. "Wir haben uns ein Stimmungsbild eingeholt. Die Bewohner waren recht ruhig und zurückhaltend."

Ein Geständnis des 17-Jährigen liegt der Staatsanwaltschaft Bamberg bisher nicht vor, sagte Oberstaatsanwalt Matthias Bachmann am Mittwoch auf Nachfrage. Doch stellt die Ermittlungsbehörde den möglichen Ablauf der Tat nicht infrage: "Es gibt nach dem jetzigen Sachstand keinen Zweifel an den Schilderungen des Opfers."

Demnach soll die 43-Jährige am Samstagabend gegen 23 Uhr bereits in der Asylunterkunft, in der sie Bekannte besuchte, von dem Jugendlichen sexuell massiv bedrängt worden sein. Als die Frau, bei der es sich nicht um eine ehrenamtliche Helferin handelt, die Unterkunft später verließ, soll der 17-Jährige ihr gefolgt sein.
Schließlich habe er sie in der Bahnunterführung ins Gesicht geschlagen und mit dem Tode bedroht, sollte sie sich wehren. Im Anschluss ist es laut Staatsanwaltschaft zu der Vergewaltigung gekommen.

Als der Täter von der Frau abließ, floh diese laut der Ermittlungsbehörde zurück in die Unterkunft und bat ihre Bekannten um Hilfe. Polizeibeamte der Inspektion Bamberg-Land nahmen den 17-Jährigen noch in der Nacht in der Einrichtung fest. Der junge Asylbewerber sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen dauern weiterhin an.


Nicht bei der Gemeinde erfasst

Opfer und Täter kannten sich vor der Tat laut Staatsanwaltschaft nicht. Überhaupt muss der Tatverdächtige ein Einzelgänger gewesen sein. "Es war wohl nicht so, dass man ihn kannte", sagt Bürgermeister Desel. Datentechnisch sei er bei der Gemeinde nicht erfasst gewesen. Laut Auskunft des Landratsamtes war der 17-Jährige erst seit Februar in Strullendorf untergebracht.

Der Bürgermeister hat das Landratsamt um einen Termin gebeten, um Details über die Unterbringung des 17-Jährigen in der Strullendorfer Unterkunft zu klären. "Mein Kenntnisstand ist, dass er alleine ist." Was aber hat ein Jugendlicher ohne Anhang in einer Unterkunft zu suchen, in der sonst nur Familien und Erwachsene leben?
In speziellen Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, wie in Amlingstadt, werden Jugendliche intensiver betreut. Dort gibt es laut Desel überhaupt keine Probleme. Wäre es womöglich anders gewesen, wenn der Jugendliche in einer anderen Unterkunft untergebracht gewesen wäre?


Jugendlicher zusätzlich betreut

Auf Nachfrage bestätigt das Landratsamt, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Regel in eigens für sie geschaffenen Wohngruppen untergebracht würden. Teilweise sei jedoch erforderlich, dass die Jugendlichen in regulären dezentralen Unterkünften wohnen. "Auch dort wird ihnen eine umfassende erzieherische Unterstützung gewährleistet und sie werden neben ihrem gesetzlichen Vormund zusätzlich noch von einem Erziehungsbeistand begleitet." Auf dieser Grundlage sei auch der Minderjährige in der dezentralen Unterkunft in Strullendorf untergebracht gewesen.

Dort leben derzeit rund 80 Bewohner. "Die Unterkunft ist im Grunde in Ordnung", sagt Bürgermeister Desel. Ein Helferkreis aus Ehrenamtlichen würde sich neben der Betreuung durch den Betreiber um sie kümmern. Die Flüchtlinge seien auch im Mehrgenerationenhaus anzutreffen oder kämen beim Kennenlern-Café mit Strullendorfer Bürgern in Kontakt. Eine ehrenamtliche Helferin macht deutlich, dass die Menschen in der Unterkunft sehr herzlich und gastfreundlich seien.