Im Januar 2013 wird Peter Kees Vater. Als der gebürtige Franke seine Tochter zum ersten Mal sehen darf, ist sie bereits fünf Wochen alt. Die Mutter verließ Kees vor der Geburt des Mädchens, bis heute sind die Besuchszeiten selten. Kees greift damals zur Kamera und begleitet sich drei Jahre lang selbst. Daraus ist der Dokumentarfilm "Vaterlandschaften" entstanden.

Herr Kees, wussten Sie 2012 schon, dass Sie das Filmmaterial veröffentlichen werden?
Kees: Nein. Ich habe damals angefangen, mich filmisch zu begleiten, um etwas Abstand zu dieser hochemotionalen Situation zu bekommen. Ich habe das also zunächst für mich selbst gemacht. Irgendwann wusste ich: Da ist etwas entstanden, das auch wichtig für meine Tochter werden könnte. Ein Film, den sie irgendwann anschauen kann, um etwas mehr über mich zu erfahren.

Warum dann jetzt auch ein Film für die Öffentlichkeit?
Mir ist bewusst geworden, dass dies ein gesellschaftlich relevantes Thema ist und viele Menschen betrifft. Ich habe zuletzt sehr viele E-Mails von Männern erhalten, die Ähnliches erlebt haben.

Im Rückblick hätten Sie auf den Film aber trotzdem sicherlich gerne verzichtet.
Den Film würde es nicht geben, wenn es meine Geschichte nicht gegeben hätte. Und ich wünsche mir natürlich, dass die Geschichte anders ausgegangen wäre.

Sie durften Ihre Tochter seit der Geburt nur selten sehen, sind deshalb vor Gericht gezogen. Gab es auch kritische Stimmen, die gesagt haben, dass Sie mit dem Film weiter Öl ins Feuer gießen?
Die gab es, aber verhältnismäßig wenige. Klar habe ich mich auch gefragt, was der Film privat verändern wird. Mir war aber wichtig, mit meiner Sprache einen Beitrag in den gesellschaftlichen Diskurs zu bringen.

Wie bewerten Sie rückblickend die vergangenen drei Jahre?
Man fühlt sich ohnmächtig. Es ist in so einer Situation schwer zu erkennen, welcher der richtige Weg ist. Diese Frage begleitet mich bis heute. Ich bin ja auch vor ein Familiengericht gezogen. Heute weiß ich, dass ich das nicht mehr wiederholen werde. Jedes Mal über Anwälte um eine zusätzliche halbe Stunde mit meiner Tochter zu streiten, bringt nichts.

Warum?
Das Wohl des Kindes steht über allem. Mit gerichtlichen Streitereien werden wir sicherlich nicht mehr auf einen grünen Zweig kommen. Ich hoffe jetzt darauf, dass wir uns irgendwie doch noch annähern können und eine gemeinsame Lösung finden. Ich würde meine Tochter natürlich lieber viel häufiger sehen. Aber man kann das nicht erzwingen. Und wie gesagt: Eine private Lösung ist der gerichtlichen immer vorzuziehen.

Haben Sie einen Tipp für betroffene Väter?
Das ist gar nicht so einfach. Ist es richtig, sich kurz nach der Trennung etwas zurückziehen? Oder sollte man sofort um das Kind kämpfen - eventuell mit juristischen Konsequenzen? Das Wohl des Kindes sollte auf jeden Fall über allem stehen. Ich glaube aber auch, dass es für ein Kind wichtig ist, dass es beide Elternteile regelmäßig sehen kann.

Was muss sich aus Ihrer Sicht gesellschaftlich ändern?
Meiner Meinung nach muss sich die rechtliche Situation den gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen. Ein Richter muss nicht nur juristische Kompetenz vorweisen, sondern auch menschliche. Letztlich kann der Staat ja ohnehin nur Hilfestellungen geben. Das Gespräch führte Christian Pack.


Filmvorführung am 29. Mai in Bamberg

Kurz vor der Geburt des gemeinsamen Kindes bricht die Ex-Partnerin von Peter Kees Ende 2012 den Kontakt ab. Der Vater dokumentiert mit seiner Kamera drei Jahre lang seinen Alltag - eine Art Langzeitdokumentation und Selbstbeobachtung. In dem Film wird die ohnmächtige Situation eines Vaters gezeigt, der ausgeklammert wird. Kees ist dabei Regisseur, Kameramann und Erzähler in Personalunion.

Der Film "Vaterlandschaften" wird am kommenden Sonntag, 29. Mai, um 19 Uhr im "Lichtspiel" in Bamberg gezeigt. Kees, von dem auch Arbeiten beim Bamberger Kontakt-Kulturfestival (ab Donnerstag) in der Lagarde-Kaserne ausgestellt werden, wird im Kino anwesend sein.

Peter Kees wurde 1965 in Bayreuth geboren. Der Künstler und Publizist befasst sich in seinen Arbeiten mit Sehnsüchten, Idealen und Visionen. Seit der Biennale von Havanna 2006 setzt er sich mit Arkadien auseinander und hat mehrfach einzelne Quadratmeter in europäischen Ländern annektiert und zu arkadischem Staatsgebiet erklärt.