Schwere Gewitter mit Starkregen bescherten dem nördlichen Landkreis in der Nacht zum Samstag zahlreiche vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen: Betroffen war neben Kemmern vor allem Memmelsdorf. Im Ortsteil Merkendorf kämpfte die Feuerwehr gegen die Wassermassen, die gegen zwei Uhr die Straße fluteten.
"Das Problem war die Kürze, in der das passierte, und die Geschwindigkeit des Wassers", erklärte am Sonntag Einsatzleiter und erster Kommandant der Feuerwehr Memmelsdorf, Udo Winkler, der wie die rund 110 Einsatzkräfte aller Ortsfeuerwehren in dieser Nacht keinen Schlaf mehr fand. Erst gegen 9.30 Uhr sei der komplette Einsatz beendet gewesen.

Laut Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann habe sich das Unwetter in der Nacht auf einem schmalen Band vom Frankenwald her auf den Landkreis erstreckt. In Kemmern, Breitengüßbach, Teilen von Baunach, Straßgiech und Peulendorf sowie Drosendorf und Merkendorf mussten die Feuerwehren aktiv werden. Ziegmann sprach von 57 gezählten Einsätzen mit rund 280 Einsatzkräften in der Nacht: "Rund 51 Keller sind über Notruf 112 gemeldet worden, die im Kreis ausgepumpt werden mussten." Sicherlich habe es noch mehr vollgelaufene Keller gegeben, die ohne Hilfe der Feuerwehren vom Wasser befreit werden konnten.


80 Liter Regen pro Quadratmeter

Wie schmal der Starkregen-Streifen war, zeigen auch die Erkenntnisse von Udo Winkler: So gingen laut dem Kommandanten in der Nacht zum Samstag in Merkendorf 80 Liter Regen pro Quadratmeter nieder, nur ein paar Kilometer weiter im Kernort Memmelsdorf waren es 50 Liter, die am Bauhof gemessen wurden. "Das war der Unterschied", erklärt Winkler.

Denn diese Differenz führte dazu, dass innerhalb einer Stunde Merkendorf unter Wasser stand. Erst war der Bach, dann die Kanalisation überlastet: Das Wasser sei so schnell über die Felder in den Ort geschossen, dass die Feuerwehr mit Sicherungsmaßnahmen nicht mehr nachkam, schildert Winkler das Problem. In der Senke vor der Dorfkirche sei das Wasser bis auf Kniehöhe "etwa 50 Zentimeter hoch" gestanden. Die Ortsfeuerwehren waren in der Folge an 15 Einsatzstellen in Merkendorf hauptsächlich mit dem Auspumpen von vollgelaufenen Kellern beschäftigt. In Merkendorf und in Drosendorf wurden rund 2000 Sandsäcke benötigt. In Drosendorf drückte das Grundwasser in wenige Häuser. Dort konnte die Feuerwehr mit Sandsäcken Schlimmeres verhindern. Dort kam das Wasser später an. Die Straßen zwischen Drosendorf und Merkendorf, sowie zwischen Memmelsdorf und Weichendorf mussten gesperrt werden.


Sofortmaßnahmen beschlossen

Erinnerungen an das Hochwasser im Juni 2016 wurden in Memmelsdorf wach: Dort war damals zwar die Gesamtgemeinde betroffen, was dieses Mal nicht der Fall war. Doch war Merkendorf vor einem Jahr noch etwas glimpflicher davongekommen: "Es waren damals nicht so viele Keller betroffen", sagt Winkler. Denn die Situation habe sich 2016 langsamer entwickelt, die Feuerwehren hatten somit mehr Zeit zu reagieren.

Seit dem Hochwasser 2016 hatte die Gemeinde ein Monitoring angeschoben, im Rahmen dessen die Situation in allen Gemeindeteilen untersucht werden soll. Merkendorf wäre in der Reihenfolge erst später von einem Ingenieurbüro unter die Lupe genommen worden, doch, wie Bürgermeister Gerd Schneider am Sonntag sagte, werde die Prioritätenliste nun aufgrund des aktuellen Ereignisses geändert: "Neben Schmerldorf und Kremmeldorf wollen wir nun als nächstes auch Merkendorf und Laubend betrachten lassen."

Schneider hatte sich am Samstagmorgen bei der Lagebesprechung ein Bild von den Überschwemmungen gemacht. Er zeigte sich noch am Sonntag dankbar über die Arbeit der Feuerwehr und die "riesengroße Mannschaft", die in der Memmelsdorfer Gemeinde in solchen Katastrophenfällen zur Verfügung stehe.

Bei der Besprechung seien auch Sofortmaßnahmen beschlossen worden: " Wir wollen mehr Pumpen anschaffen und dafür Gelder in den Haushalt einstellen." Außerdem sollen die Sandsäcke ab jetzt dezentral in den Orten vorgehalten werden, um schneller auf diese zurückgreifen zu können. Bisher wurden diese zentral in Memmelsdorf gelagert.
So schnell wie das Wasser in der Nacht zum Samstag kam, verschwand es wieder: "Die Lage hat sich gegen 5 Uhr beruhigt und relativ entspannt", erklärt Kommandant Winkler. Die Straßen waren noch länger gesperrt, die Feuerwehr noch bis 8 Uhr mit Aufräumarbeiten beschäftigt, um angeschwemmtes Holz, Gras und Schlamm zu beseitigen. Die Schadenshöhe war gestern noch nicht absehbar.