Wer sich mit dem Thema Friedhof befasst, bewegt sich auf einem Terrain, das mit Emotionen behaftet ist. Der Umgang mit allem, was die letzte Ruhestätte von Verwandten und Freunden betrifft, erfordert viel Fingerspitzengefühl. Und trotzdem ist schnell ein Nerv getroffen. Das erfährt dieser Tage erst wieder die Verwaltung der Stadt. Konkreter Anlass: Ein neuer Standort für die zweite Grüngutmulde ist angedacht und soll demnächst realisiert werden. Das Thema beschäftigt Hallstadt.

Bis vor wenigen Jahren gab es nur eine einzige Mulde für die Entsorgung des Grünguts von den Grabstätten. Die befindet sich im Nordwesten des Gottesackers, so Pressesprecherin Kerstin Bönisch. Gerade für die älteren oder gehbehinderten Besucher mit Grabstätten in einem entlegeneren Friedhofsbereich war es entsprechend umständlich und beschwerlich, diese zu nutzen.
Deswegen sann die Stadt gemeinsam mit dem städtischen Bauhof auf Abhilfe: Ergebnis: Ziemlich zentral und damit genau neben der Grabstätte, in der Hallstadts Ehrenbürger Hans Schüller seine letzte Ruhe gefunden hatte, befand die sich eine befestigte Fläche, die einzige so die Verwaltung, die sich damit als Standort für eine zweite Mulde (im südöstlichen Friedhofsbereich) anbot.

Eine Hecke sollte die Mulde optisch unsichtbar machen. Doch wie sich im Laufe der Zeit gezeigt hat, war es gerade der Schattenwurf der Mulde, der das Wachstum der Hecke beeinträchtigte. Zudem, so Pressesprecherin Bönisch weiter, ist diese Mulde nur von einer Seite aus zugänglich. Keine optimale Lösung also. So machte sich der städtische Bauhof erneut auf die Suche nach einem wirklich optimalen Standort für die zweite Mulde, um an der Mauer im Süden fündig zu werden. Dafür wurde Untergrund befestigt. Zur Optimierung gegenüber dem derzeitigen Standpunkt wäre sie dann von drei Seiten aus zugänglich. Damit sie optisch dezent wirkt, soll eine Hecke die Mulde sozusagen unsichtbar machen.

Zudem befindet sich ein Baum gleich in der Nähe. Wie Pressesprecherin Bönisch dazu weiter erklärt, sei dies nach intensiver Untersuchung der einzige Standort, der sich dafür eignen würde. Es handele sich um eine öffentliche Freifläche, danach komme ein nicht genutztes, und erst nach diesem ein genutztes Grab. Die Pietät bliebe nach Ansicht der Stadtverwaltung gewahrt.

Die Geister scheiden sich

Doch der neue Standort wird nicht von allen begrüßt. Im Gegenteil, er scheidet die Geister, und zwar so sehr, dass die Verlegung auch im Stadtrat thematisiert wurde. Ingeborg Eichelsdörfer (BB) sei selbst während des Champions-League-Spiel der Bayern fünf Mal angerufen worden - wegen der Mulden-Angelegenheit, ließ sie ihre Stadtratskollegen wissen. Umgehend stellte sie denn Antrag, dass die strittige Mulde am bisherigen Standort bleibt und dort eine neue Hecke hinkommt. Den angedachten neuen Standort fände sie "unmöglich". Von der Aussegnungshalle falle der Blick genau hierhin.

"Das Thema ist in vielen Mündern", gestand Bürgermeister Markus Zirkel (SPD) zu. Zugleich befand er, es sei im Bauhof wohl am besten aufgehoben. Fakt sei dennoch, dass man nicht umhin komme, auch für die älteren Friedhofsbesucher etwas tun müsse, damit sie nicht den "ganz weiten Weg nach hinten" (zur ersten Mulde) haben. Auch für Thomas Söder (CSU) ist die Mulde ein Thema. Er vertrat die Auffassung, es hätte mehr sinn gemacht, den Bauausschuss schon frühzeitig einzubinden. "Dann wären viele Dinge nicht eskaliert."

Auf dem Friedhof selbst wird die Angelegenheit unterschiedlich diskutiert. Helmut Gunreben, langjähriger und früherer Stadtrat ist der Einzige, der sich hierzu namentlich zitieren lässt. Er werde immer wieder von den Leute auf das Thema Mulde angesprochen. Selbst hat er eine Grabstätte, die zwischen dem Ehrengrab und dem neuen Muldenplatz liegt. Für ihn selbst bräuchte es überhaupt gar keine zweite Mulde. Ganz im Gegensatz zu einer anderen Dame, die absolut von deren Notwendigkeit überzeugt ist, ebenso wie von der Sinnhaftigkeit des Platzes beim Schüller-Grab. Lob hat sie übrigens auch für die zahlreichen Wasser-Entnahmestellen und die Gießkannenständer, die für Ordnung sorgen.

Derer bedarf es auch. Denn Hallstadt mit seinen knapp 9000 Einwohnern verfügt in seinem an der Königshofstraße gelegenen Friedhof über insgesamt 1468 Grabstellen. 1130, so wurde in der vor kurzem durchgeführten Sicherheitsüberprüfung dokumentiert, verfügen über Grabsteine. Außerdem finden sich im Friedhof 64 Urnennischen. Den schwarzen Peter bei der Mulden-Thematik hat jetzt jedenfalls erst einmal der Bauausschuss.

KOMMENTAR: Diese Mulde!

von Anette Schreiber

Also, wenn ich ehrlich bin, ins Auge gestochen ist sie mir nun eben nicht gerade, diese Mulde des Anstoßes. Wohl auch, weil sie sich mit ihrem frisch-grünen Anstrich nahtlos in die frühlingshafte Umgebung einfügt. Erst in unmittelbarer Nähe sticht einem dann allerdings der jämmerliche Zustand des an die Mulde angrenzenden, heckenartigen Gebildes ins Auge. Da besteht sicherlich optisch kreativer Handlungsbedarf.

Die Muldenfüllung wiederum zeigt, das Angebot der zweiten Mulde trifft auf offenbar die Nachfrage. So wird Ehrenbürger Hans-Schüllers letzte irdische Ruhestätte zu einem vielbesuchten Ort im Friedhof. Wobei den Besuchen meist wohl eher profane als kontemplative Zielsetzungen unterstellt werden dürften.
Aber vielleicht verschwendet der eine oder andere ja doch einen Gedanken an den großen Hallstadter...

Für den bestehenden Muldenplatz gibt es sicher gute Argumente, ebenso wie für die Alternative. Um die schwierige Entscheidungsfindung ist der Hallstadter Bauausschuss nun ganz sicher nicht zu beneiden, zumal die Angelegenheit zwischenzeitlich zum echten Politikum mutiert ist...

Da hilft nur eines: eine völlig nüchterne, rein sachorientierte Abwägung der jeweiligen Vor- und Nachteile am bestehenden und am alternativen Standort. Und daraus resultierend eine Entscheidung in größtmöglicher Geschlossenheit. Nur sowird sich Hallstadt an den dann permanenten Standort gewöhnen und das Thema seine hoffentlich ewige Ruhe finden.