Weder der leichte Schneefall, noch die Kälte konnte die Bosch-Arbeiter am Montagvormittag davon abhalten, mit einem ersten Warnstreik den Arbeitgebern den Kampf anzusagen. Rund 1000 Mitarbeiter der Frühschicht kamen gegen 9.30 Uhr im Bamberger Hauptwerk ans Tor, um mit Transparenten, Fahnen und Trillerpfeifen lautstark um 5,5 Prozent Lohnerhöhung zu fordern. Zeitgleich legten auch in den anderen Bosch-Werken die Mitarbeiter die Arbeit nieder. Auch die Spät- und Nachtschichten streikten eine Stunde lang. Sodass am Ende rund 6000 Mitarbeiter in den Warnstreik traten.

Der erste "Donnerhall"

Dies sei allerdings nur der erste "Donnerhall", betonte Matthias Gebhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Bamberg. "Von hier aus geht heute die Botschaft an die Arbeitgeber: Werden Sie vernünftig und verhandeln Sie konstruktiv!", forderte Gebhardt. Schließlich gehe es der Autoindustrie hervorragend und an den guten Gewinnen wollten nun auch die Arbeiter beteiligt werden. In einer Umfrage hätten 80 bis 85 Prozent aller befragter Betriebe in der Metall- und Elektroindustrie angegeben, dass die Auftragslage gut bis stabil sei. Lediglich 10 bis 15 Prozent würden kränkeln. "Für die wenigen Betriebe mit Problemen haben wir noch immer vor Ort eine Lösung gefunden. Aber für alle anderen Betriebe gilt: Wir wollen 5,5 Prozent mehr Entgelt und Ausbildungsvergütung", so der IG-Metall Bevollmächtigte.

Dies seien, so Gebhardt weiter, keine überzogenen Forderungen. Zumal die wirtschaftlichen Kennzahlen der Metall- und Elektroindustrie überaus gut wären. Die Unternehmen hätten in Sachen Produktivität um 1,7 Prozent zugelegt, auch die Produktion sei um drei Prozent gestiegen und die Umsatzrendite sogar um 3,6 Prozent - damit habe die Metall- und Elektrobranche einen der besten Werte der letzten Jahre hingelegt. Und daher sei auch die von den Arbeitgebern angebotene Lohnerhöhung von 2,2 Prozent nicht verhandelbar. Zudem sei die Altersteilzeit eine Provokation für die Beschäftigten.

Jugendvertreter: Forderung nach mehr Lohn ist gerechtfertigt

Unter dem Slogan "Wir für euch und ihr für uns" sei auch die Jugend bereit, sich am Arbeitskampf zu beteiligen. Dies betonte der Vorsitzende der Bosch-Jugendvertretung, Michael Schulz. "Der Gewinn der Unternehmer boomt und wir möchten auch ein Stück des großen Kuchens abbekommen. Denn wir sind tagtäglich die Mitarbeiter, die an den Maschinen ihr Bestes geben, damit am Ende die Stückzahlen und der Gewinn passen", unterstrich der Jugendvertreter. Die Forderung nach mehr Lohn sei mehr als gerechtfertigt.

Erschreckend sei für ihn auch die Tatsache, dass im Freistaat noch immer Menschen kündigen müssten, um eine Chance auf Weiterbildung zu erlangen. Andere wiederum könnten es sich gar nicht erst leisten. "Wer dann ständig jammert, es würden Fachkräfte fehlen, braucht sich nicht wundern, wenn diejenigen gleichzeitig am Verhandlungstisch erklären, Weiterbildung sei Privatsache", klagte Schulz. Unverständlich für ihn ist auch die Altersteilzeitregelung. So suche die junge Generation nach Arbeitsplätzen und fände keine, weil im Gegenzug die ältere Generation immer länger eingespannt werde. "Soll es noch soweit kommen, dass unsere älteren Arbeiter mit Rollatoren an den Arbeitsplatz fahren müssen?"

Auch der Betriebsratsvorsitzende von Bosch Bamberg, Hans Wolff, warnte: Die Arbeiter wollten keinen Streik, würden sich aber auch nicht scheuen, zu streiken, wenn es in der nächsten Verhandlungsrunde am 9. Februar zu keiner Einigung komme.