Karl-Heinrich Ertl (49) ist Bamberger - und Vollblutunternehmer. Als Mitgesellschafter der Ertl GdbR und Mitinhaber von 16 Textilgeschäften im Ertl-Zentrum in Hallstadt möchte er sich eines nicht vorwerfen lassen: einen Trend verschlafen zu haben.

Deshalb spielt in den Überlegungen der Unternehmerfamilie seit geraumer Zeit wieder ein Name eine Rolle, der mit dem in Hallstadt beheimateten Ertl-Zentrum auf den ersten Blick wenig zu tun hat. Bamberg.
Ertl bestätigt auf unsere Anfrage, dass sich das Unternehmen in Gesprächen mit der Stadt Bamberg befindet, weil es sich "neu aufstellen will" und einen Wechsel des Einkaufszentrums auch nach Bamberg nicht ausschließt. "Wir sind dabei alle Möglichkeiten auszuloten", sagt Ertl.

Was heißt das konkret? Nachdem der Plan der Zentrumsbetreiber sich vor vier Jahren zerschlagen hat, in Hallstadt die Nutzfläche von 22.000 auf 40.000 Quadratmeter zu verdoppeln, rückt Bamberg wieder in den Focus der Familie, die ihren Ursprung bekanntlich in der Bamberger Luitpoldstraße hatte. Die Konversion macht es möglich. 420 Hektar Stadtfläche suchen eine neue Nutzung.

Wobei Ertl klug genug ist, sich im Vorfeld nicht auf einen Stadtteil, ja nicht einmal auf Bamberg oder Hallstadt festzulegen. Wichtig ist: Das neue Ertl-Zentrum soll sich den Bedürfnissen einer Zeit anpassen, die von der wachsenden Dominanz des Internethandels und der Digitalisierung vieler Lebensbereiche geprägt ist. Das heißt nach Ertl auch, ein neues Einkaufszentrum muss kräftig wachsen, um Kunden im weiten Umkreis anzulocken. Ertl liebäugelt damit, auch solche Angebote anzusiedeln, die noch nicht in Hallstadt vertreten sind, also etwa Fachmärkte für Elektronikprodukte, Lebensmittel oder Drogeriewaren.

Was dabei herauskommt, könnte bestehende Einkaufszentren in der Region, von Erlangen bis Schweinfurt in den Schatten stellen. Selbst von 60 000 Quadratmetern Nutzfläche, also der dreifachen Größe des Ertl-Zentrums, war angesichts der Verkehrsanbindung zu Autobahn und Berliner Ring bereits die Rede. Damit entstünde in Bamberg ein neuer Handelsgigant mit weit überregionaler Bedeutung. Freilich steht das Projekt auch in Konkurrenz zum Atrium. Auch dort gibt es Pläne, die Handelsfläche zu vervielfachen.

Auch Hallstadt ist noch im Rennen

Noch ist weder das eine, noch das andere Vorhaben sehr konkret. Ertl legt Wert darauf, dass derzeit auch eine Vergrößerung am bestehenden Standort Hallstadt nicht ausgeschlossen ist, zumal hier mit dem Wechsel im Bürgermeisteramt möglicherweise auch ein Wandel in der politischen Denkweise eingetreten sei.

Der neue Hallstadter Bürgermeister Thomas Söder (CSU) jedenfalls hat in den vergangenen Wochen einiges dafür getan, dass der Handelsmagnet mit derzeit 500 Beschäftigten seinem jetzigen Standort treu bleibt. "Wir möchten ihn unbedingt halten, weil er ein wichtiger Frequenzbringer ist - nicht nur für den Laubanger auf Hallstadter Seite", sagt Söder. So will Hallstadt gemeindeeigene Grundstücke zur Verfügung stellen, die für eine Erweiterung notwendig wären. Der Gemeindechef bedauert auch, dass in den vergangenen sechs Jahren eine Politik betrieben worden sei, die den Expansionswünschen Ertls eher hinderlich gewesen sei. Vor allem die Arbeitsgemeinschaft der Städte Bamberg, Hallstadt Hirschaid sei neuen Handelsflächen am Laubanger ablehnend gegenüber gestanden.

Was die Sache für die Hallstadter nicht einfach macht: Ob ein neuer Handelsgigant mit großen innenstadtrelevanten Sortimenten am Stadtrand entstehen darf oder nicht, hängt vor allem vom Votum der Landesplanung ab, die bei Neuausweisungen auf der grünen Wiese zuletzt eher restriktiv war. Hier könnte sich Bamberg mit seiner Bedeutung als Oberzentrum leichter tun.

Dennoch verhält sich die Stadt in der Einschätzung der Pläne zurückhaltend, möglicherweise weil sich Konfliktpotential beim benötigten Grundstück mit dem Golfplatz abzeichnet und auch dem Innenstadthandel. Zwar betont Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar, dass Neuansiedlungen auf dem Konversionsgelände grundsätzlich begrüßt würden, da die Fläche sehr groß sei. Doch mehr als diese pauschale Formulierung gibt es nicht: Man wolle dem Konversionsprozess und vor allem dem dialogorientiertem Gutachterwettbewerb nicht vorgreifen. Im Herbst soll dem Stadtrat außerdem vorgeschlagen werden, ein neues Einzelhandelsgutachten zu erstellen, das das Konversionsgelände einschließt.

Die eventuellen Hindernisse, die einer Ansiedlung im Weg stehen, sieht Vorsitzende der Bamberger CSU-Fraktion, Helmut Müller, als überwindbar ein. "Für mich hat die Ansiedelung des Unternehmens Ertl höchste Priorität", sagt der Stadtrat mit Blick auf mögliche Zuwächse bei der Finanzkraft der Stadt und die Chancen zu mehr Zentralität. Nachdem viele Unternehmen aus Platzmangel notgedrungen aufs Land hatten hätten ziehen müssen, könnte sich die Konversion nun als Heilmittel für manche Altlast im Raum Bamberg erweisen, meint Müller. "Das Atrium halte ich dagegen für ziemlich überflüssig."

"Keine Konkurrenz zur City"

"Volle Unterstützung" sichert Klaus Stieringer von der SPD-Fraktion der Familie Ertl bei ihren Expansionsplänen auch zu. Es müsse gelingen, Ertl am Standort Bamberg zu halten. "Das Familienunternehmen ist mir lieber als ein internationaler Großkonzern, der sich hier ansiedeln will", sagt Stieringer, der als Stadtmarketingchef auch viele Händler vertritt. Eine Konkurrenz zum Innenstadthandel sieht er nicht. "Ertl wäre eine Ergänzung für die Innenstadt."