Kinder laufen in Sportklamotten und mit Masken auf den Gehwegen. Am Eingang steht ein Spender mit Desinfektionsmittel. Hinweisschilder hängen beinahe an jeder Ecke. An den Türen des Kabinentraktes ist auf neun Seiten das Hygienekonzept des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) angebracht. Nur beim Blick auf die Fußballplätze sieht alles aus wie immer. Auf den vier Feldern der DJK Don Bosco Bamberg tummeln sich zahlreiche Spieler, die Trainer geben lautstark Anweisungen, Eltern verfolgen vom Spielfeldrand das Training ihrer Kinder. Doch abseits des Platzes ist alles anders als normal.

Den Trainingsbetrieb in Corona-Zeiten zu organisieren, ist für alle Vereine mit enormen Mehraufwand verbunden - und nun wartet am Wochenende die nächste Herausforderung: Der Spielbetrieb beginnt. Die Spiele müssen zeitlich entzerrt werden, die Mannschaften brauchen mehr Platz. Gerade den großen Klubs bereitet das Kopfzerbrechen. Die DJK Don Bosco Bamberg ist einer der größten Fußballvereine in Oberfranken. 29 Mannschaften hat der Klub im Spielbetrieb gemeldet, alleine 24 im Jugendbereich. Die DJK betreibt ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ), ist DFB-Stützpunkt. Täglich sind die Plätze von 16 bis 21 Uhr belegt. Mehrere Hundert Spieler gehen ihrem Sport nach.

Die strengen Regeln einzuhalten gleicht bei einem großen Verein wie der DJK einer Mammutaufgabe. "Wir versuchen, alles so gut es geht umzusetzen", sagt Matthias Römer, Sportlicher Leiter des NLZ. Römer sagt auch: "Es ist aber beispielsweise nicht immer möglich, den Abstand einzuhalten." Daher gilt überall, außer auf den Plätzen, eine Maskenpflicht. Der Mund-Nasen-Schutz muss bis zum Betreten und beim Verlassen des Platzes getragen werden - manchmal mit Nachdruck. "Denk' an deinen Mundschutz", erinnert ein Trainer einen seiner Spieler. Sitzt die Maske, kann der Heimweg angetreten werden.

Weil die Umkleiden bislang noch geschlossen sind, hat die DJK Pavillons aufgestellt, in denen sich die Spieler umziehen. Wenn am Wochenende der Spielbetrieb wieder beginnt, möchte die DJK die Kabinen öffnen. Im Kabinentrakt sind acht Umkleiden und vier Duschräume mit je sechs Duschköpfen untergebracht. "In normalen Zeiten geht es in der Kabine schon eng zu. Jetzt müssen wir das Ganze aber entzerren", sagt Holger Denzler, Sportlicher Leiter der DJK. Eine Mannschaft brauche statt einer künftig mindestens eine weitere Kabine. "Duschen dürfen nur zwei Personen gleichzeitig, außer man bringt Trennwände aus Plexiglas zwischen den Duschen an", erklärt Denzler.

Bei der DJK sind an jeder zweiten Dusche die Armaturen mit Panzertape abgeklebt und gesperrt. Das Duschen wird so nach dem Spiel zum Marathon. "In normalen Zeiten haben wir an einem Wochenende bis zu 16 Heimspiele ausgetragen. Das ist aktuell natürlich nicht möglich."

Frauen und Gäste zuerst

Für den Re-Start am Wochenende sind bei der DJK sieben Heimspiele und ein Turnier der G-Junioren angesetzt. "Das ist aber alles unter Vorbehalt und kann sich noch ändern", sagt Denzler, der möglichst vielen Mannschaften die Möglichkeit geben möchte, sich umziehen und duschen zu können. "Die Frauen brauchen definitiv Kabinen, auch die älteren Jugendlichen sollten eine bekommen. Bei den Kleinsten kann man vorerst am ehesten darauf verzichten." Auch die Herkunft des Gegners soll berücksichtigt werden. "Wir müssen unterscheiden, wer welchen Anfahrts- und Heimweg hat. Gegner, die etwa 80 Kilometer heimfahren müssen, sollten sich nach dem Spiel duschen können."

Bei Mannschaften mit einem kurzen Heimweg soll das anders aussehen. Bei der Wetterlage der vergangenen Tage sei das noch vertretbar. Aber was ist in drei, vier Wochen? Mit dem nahenden Winter verschärfen sich die Probleme. "Ich weiß nicht, wie das werden soll", ist Denzler ehrlich.

Haben die Mannschaften die Kabinen verlassen, steht die nächste zeitintensive Aufgabe an: Die Umkleiden müssen gelüftet und gereinigt, alle wesentlichen Kontaktflächen desinfiziert werden. Bei acht Kabinen wie sie Don Bosco Bamberg hat ein immenser Aufwand - der ehrenamtlich gestemmt werden muss. "Eine externe Putzfirma kann sich wohl kein Verein leisten", weiß Denzler, dass auf die Helfer noch mehr Arbeit zukommen wird. Denzler hofft aber auf eine rege Beteiligung: "Es geht nur gemeinsam."

Dass die Vereine vor dem Wiederbeginn des Spielbetriebs vor großen Herausforderungen stehen, sei dem BFV bewusst, sagt Manfred Neumeister, Kreisspielleiter im Kreis Bamberg/Bayreuth/Kulmbach. Es sei zwar Sache der Behörden, wie mit der Thematik Umkleidekabinen umzugehen sei, aber der BFV habe den Klubs Empfehlungen gegeben.

"Es sollten nicht alle zwei, sondern alle vier Stunden gespielt werden. Die Gastmannschaften sollten Vorrang beim Duschen genießen und im Vorfeld sollten sich beide Mannschaft abgesprochen haben, wie der Spieltag organisiert wird", sagt Neumeister.

Jeder Klub steht vor Problemen

Vor Schwierigkeiten, sagt Neumeister, stünde jeder Verein - egal ob großer oder kleiner Klub. "Es sind spezifische Probleme. Kleinere Vereine mit beispielsweise nur einem Duschraum müssen sich überlegen, wie sie das lösen."

Klar ist: Die Vereine sind zeitlich und organisatorisch gefordert. Neumeister rechnet vor: "Für Duschen und anschließendes Lüften und Reinigen gehen bestimmt zwei Stunden drauf und erst danach kann die nächste Mannschaft in die Kabine." Und dann kommen noch die Kosten hinzu. Der Kreisspielleiter zählt auf: Desinfektionsmittel, Heiz- und Wasserkosten sorgen für höhere Ausgaben. Für Neumeister stehen vor allem die Vereine, die eine gute Nachwuchsarbeit machen und viele Mannschaften stellen, vor enormen Problemen. Klubs auf dem Land seien hingegen im Vorteil "In ländlichen Gebieten ist es einfacher. Dort gibt es häufig Jugendfördergemeinschaften, die mehrere Stammvereine haben und sich aufteilen können", sagt Neumeister.

Obwohl der Re-Start die Klubs vor Herausforderungen stellt, drängen die Spieler auf den Saisonstart. "Ich bin froh, dass ich wieder Fußball spielen kann", sagt Hannes Weber aus der U16 der DJK Don Bosco Bamberg. Mit einem Heimspiel gegen die JFG Rödental Coburger Land starten Weber und Co. in das erste Ligaspiel seit dem Lockdown. Daran gedacht, auf Fußball aus Vorsicht zu verzichten, habe Weber nicht. "Natürlich ist man auch zwiegespalten, aber die Vorfreude überwiegt."