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Basketball

Brose Bamberg scheitert an Oldenburg

Das Team von Trainer Roel Moors ist im Viertelfinal-Rückspiel beim 75:89 gegen die EWE Baskets Oldenburg chancenlos und scheidet nach der zweiten Niederlage aus.
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Ratlose Bamberger Kreativabteilung nach dem Ausscheiden: Paris Lee (links) und Retin Obasohan Daniel Löb / POOL via Eibner-Pressefoto / Michael Memmler
Ratlose Bamberger Kreativabteilung nach dem Ausscheiden: Paris Lee (links) und Retin Obasohan Daniel Löb / POOL via Eibner-Pressefoto / Michael Memmler

Für den neunfachen deutschen Basketball-Meister Brose Bamberg ist die Bundesliga-Saison 2019/20 beendet. Das Team von Trainer Roel Moors musste sich im Viertelfinale des BBL-Finalturniers in München nach dem 81:86 im Hinspiel auch im Rückspiel den EWE Baskets Oldenburg klar geschlagen geben. Beim 75:89 (46:51) zeigten die Bamberger, die auf Kapitän Elias Harris (Rückenprobleme) verzichten mussten, einmal wieder eine sehr wechselhafte Leistung über 40 Minuten - insgesamt viel zu wenig, um zu den besten vier Teams der Liga zu gehören.

Die Enttäuschung im Bamberger Lager war natürlich groß. "Die erste Hälfte im ersten Spiel hat uns wehgetan. Wir haben zwar gute Energie gezeigt, waren aber teilweise unkonzentriert. Ian Hummer hat ein super Spiel gemacht, das hat uns wehgetan. Insgesamt schwer zu erklären", sagte Christian Sengfelder nach der Partie am Mikrofon von Magentasport.de. Der verletzte Kapitän Harris ergänzte eine halbe Stunde später im Hotel: "Wir haben gekämpft und versucht, alles herauszuholen, aber wir waren wie in der ganzen Saison nicht konstant genug."

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Die Norddeutschen zeigten die deutlich reifere Spielanlage und punkteten gegen die teils engagierte, aber oft kopflose Bamberger Verteidigung, wie im Hinspiel nach Belieben. Auf Bamberger Seite zeigte Topscorer Kameron Taylor (20 Punkte) eine starke individuelle Vorstellung und sorgte dafür, dass Brose bei einem Fünf-Punkte-Rückstand zur Halbzeit noch hoffen durfte. Doch in den ersten Minuten des dritten Viertels gelang Bamberg im Angriff fast gar nichts. Die Hypothek nach 30 Minuten (72:60) war letztlich zu groß, um den Norddeutschen noch einmal entscheidend zu gefährlich werden. Dafür war die Bamberger Wurfquote mit 35 Prozent zu schwach. 


Während die EWE Baskets nun  im ersten Halbfinale  am Montag auf den Gewinner der Paarung Alba Berlin gegen BG Göttingen (Hinspiel: 93:68) trifft,  wird der Brose-Tross am Sonntagmorgen Richtung Bamberg aus dem Hotel abreisen. 

Bundesliga

 

EWE Baskets Oldenburg - Brose Bamberg 89:75

(24:19, 27:27, 21:14, 17:15)

Brose-Coach Moors musste kurzfristig ausgerechnet auf  seinen Kapitän Harris (Blockade im Rücken) verzichten, der im Hinspiel mit 24 Punkten noch der überragende Bamberger Akteur war. Eine bessere Figur als zwei Tage zuvor gab Center Assem Marei ab, der zwar wieder einige leichte Bälle vergab, defensiv aber um jeden Ball kämpfte und im Eins-gegen-Eins gegen Rasid Mahalbasic gut dagegenhielt.  


Bamberg drückte von Anfang an gegen die Oldenburger Ü30-Fraktion um Rickey Paulding, Karsten Tadda und Braydon Hobbs richtigerweise aufs Tempo und ging angeführt von Jordan Crawford nach fünf Minuten mit 14:8 in Führung. Brose verteidigte zwar engagiert, erlaubte sich aber immer wieder kleine Fehler, sei es beim Ausboxen oder bei der Verteidigung von Cuts, die die Norddeutschen ausnutzten und die Partie Ende des ersten Viertels drehten (24:19).

 
Nach einem viertelübergreifenden 11:0-Lauf der EWE Baskets  (29:19) verzichtete Moors auf eine Auszeit  – der Spielverlauf gab ihm danach Recht. Kameron Taylor riss nach und nach das Bamberger Offensivspiel an sich –  Brose kam auf 32:36 heran (15.). Nach einer Timeout  von Mladen Drijencic schalteten die Oldenburger aber wieder einen Gang nach oben. Mahalbasic fand zwar an diesem Tag keinen Offensivrhythmus, zeichnete sich aber nun immer mehr als Spielgestalter mit dem Rücken zum Korb aus. Nach einem schönen Pass des Österreichers in die Zone zu Tadda kassierte der Bamberger Crawford ein Foul und wenige Sekunden danach nach einem Austausch mit den Unparteiischen sein zweites  in Form eines „Technischen“. Weit abseits seiner Teamkollegen nahm der gefrustete Ex-NBA-Spieler Platz auf der Bamberger Bank. 


Mit einem 11:2-Lauf gingen die EWE Baskets mit 13 Punkten (47:34, 17.) in Front. Dass die Vorentscheidung noch nicht in der ersten Hälfte gefallen war, lag vor allem an Kameron Taylor, der Brose mit sieben Zählern in Folge kurz vor der  Pause wieder auf fünf Punkte heranführte (46:51). Crawford brachte es nach 20 Minuten auf den Punkt: „Wir hatten Höhen und Tiefen in unserem Spiel, sind aber als Team zusammengeblieben. Das hat uns ermöglicht, ins Spiel zurückzukommen.“ 


Doch wer dachte, dass Bamberg über die Pause hinweg seinen Rhythmus halten kann, lag falsch. Es dauerte geschlagene 5:30 Minuten, bis Christian Sengfelder den ersten Feldkorb für die Oberfranken erzielte – Oldenburg war bereits auf 65:51 enteilt. Sengfelder und Marei ackerten zwar in der Zone, so dass Bamberg das Reboundduell sogar für sich entschied (44:41), doch fehlte beiden mehrmals die Ruhe und Selbstvertrauen beim Abschluss. Alleine Sengfelder wurde im dritten Viertel viermal von den Oldenburgern geblockt. 


Und ihre  physische Stärke und Spielintelligenz spielten Mahalbasic, Nathan Boothe und Ian Hummer auch in der Offensive eindrucksvoll aus. Letzterer tat Bamberg mit 21 Punkten überraschenderweise am meisten weh. Die Norddeutschen brannten offensiv kein Feuerwerk ab, nutzten aber die Bamberger Unzulänglichkeiten in der Defensive aber immer wieder eiskalt aus. Das Brose-Team suchte im dritten Viertel sein Heil aus der Distanz – ohne Erfolg (2/10 Dreier). Einmal mehr mangelte es nicht nur in dieser Phase an Führungsqualität. Point Guard Paris Lee enttäuschte mit keinem einzigen Punkt (0/5 aus dem Feld) in 19 Minuten Spielzeit.


Nach dem 60:72 sollte es zu Beginn des vierten Viertels der mit drei Fouls vorbelastete Crawford  mit der Brechstange richten, doch Routinier Tadda   hat dem US-Amerikaner innerhalb von 19 Sekunden die Fouls Nummer 4 und 5 angehängt. Ohne Crawford keimte nach einem Bamberger 5:0-Zwischenspurt (74:65) siebeneinhalb Minuten vor Spielende noch einmal Hoffnung auf, doch Marei  verpasste es im Anschluss, mit einem vergebenen Freiwurf, Korbleger und Ballverlust innerhalb kürzester Zeit, noch einmal für etwas Spannung zu sorgen. 


Mit einer 9:0-Serie ihrerseits (81:65, 35.) brachten die Oldenburger ihren Halbfinaleinzug in trockene Tücher. „Wenn man die 80 Minuten gesamt betrachtet, war Oldenburg das bessere Team“, gab Moors auf der Presekonferenz im Hotel fair zu. „Wir hatten unsere Chancen, haben diese aber nicht in der Form genutzt, wie wir das  hätten tun müssen. “

Die Statistik

Oldenburg Hummer (21 Punkte/3 Dreier), Boothe (16/2), Paulding (16/1), Larson (14), Tadda (7/1), Mahalbasic (7/1), Hobbs (6/2), Amaize (2), Hollatz, Keßen, Drijencic Bamberg K. Taylor (20/3), McLean (11/2), Crawford (11/1), Sengfelder (11/1), Obasohan (9/1), Marei (6), Seric (5/1), Heckel (2), Lee, Weidemann, Keppeler

SR Panther, Barth, Straube Gesamtwurfquote Oldenburg 42 Prozent (28 Treffer/66 Versuche), Bamberg 35 (25/71)

Dreierquote Oldenburg 39 Prozent (10/26), Bamberg 29 (9/31) Freiwurfquote Oldenburg 85 Prozent (23/27), Bamberg 80 Prozent (16/20) Rebounds Oldenburg 41 (31 defensiv/10 offensiv), Bamberg 44 (28/16) Ballgewinne/-verluste Oldenburg 9/8 , Bamberg 5/13

Assists Oldenburg 20 / Bamberg 11 Fouls Oldenburg 19 / Bamberg 22