Es ist eine Schule wie wenige andere in Bamberg. Mitten im Grünen, ohne lange Fluchtwege über mehrere Stockwerke: "Wenn wirklich etwas sein sollte, sind wir zack zack über die Wiese draußen", sagt stellvertretende Schulleiterin Cornelia Munk. Als wir am Mittwoch anriefen, herrschte abgesehen von den Corona-Auflagen normaler Schulbetrieb in Wildensorg: 72 Schülerinnen und Schüler werden hier von vier Lehrern in vier Klassen unterrichtet.

Cornelia Munk ist deshalb ein wenig verwundert über den Antrag, den die CSU zwei Tage zuvor an den Oberbürgermeister der Stadt Bamberg, Andreas Starke (SPD), gerichtet hat. Darin werden schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung erhoben. Sie soll es laut CSU-BA-Fraktion aus Kostengründen unterlassen, für den vorschriftsmäßigen Brandschutz in der Wildensorger Filiale der Domschule zu sorgen - eine, wie die CSU-BA-Fraktion glaubt, brandgefährliche Form der Haushaltssanierung. Hört man das Bündnis, müsste zwingend ein 30 Kubikmeter Löschwasser umfassender Tank in der unmittelbaren Nachbarschaft vorhanden sein, um den gesetzlichen Auflagen zu genügen. Den gibt es aber nicht, weshalb die Schule seit 1. November ohne die erforderliche Genehmigung dasteht und streng genommen geschlossen werden müsste, so die CSU.

Stadträtin Ursula Redler, die offenbar über konkrete Informationen aus erster Hand verfügt, wirft der Stadt vor, klare Vorschriften allzu großzügig zu ignorieren, um Geld für ein unvermeidliches Provisorium zu sparen. Dafür fehlt ihr das Verständnis: "Brandschutz ist nicht nur eine Haftungsfrage. Hier geht es um Menschenleben."

Tatsächlich ist Wildensorg ein Stadtteil, dessen Versorgung mit Löschwasser derzeit auf völlig neue Beine gestellt wird. Im Sommer haben die Stadtwerke damit begonnen, auf dem wenige Meter oberhalb von Wildensorg befindlichen Hochplateau des ehemaligen Rothofs einen großen neuen Hochbehälter zu bauen. Drei Millionen Euro kostet das aus landschaftlichen Gründen lange Zeit umstrittene Reservoir. Es soll nach Angaben der Stadtwerke bis Herbst 2022 fertig sein und die Löschwassersituation in Wildensorg künftig deutlich verbessern.

Die Pläne für den Rothof sind freilich nur der große Rahmen für die aktuellen Veränderungen rund um das Wildensorger Schulgebäude. Dort haben diese Woche die Arbeiten für die Erstellung eines Kindergartens begonnen. Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) weist die Vorwürfe der CSU-BA-Fraktion als "falsche Behauptung" zurück. Tatsache sei, dass im Rahmen der Planungen für den neuen Kindergarten Wildensorg eine Überprüfung der Brandschutzauflagen erfolgt sei. "In Abstimmung mit den Stadtwerken wurde bereits die Aufstellung eines Löschwasserbehälters mit einem Volumen von 50 000 Litern im Umfeld veranlasst. Der Behälter soll Mitte Dezember 2020 in Betrieb genommen werden", stellt Andreas Starke klar.

OB: Keine Personengefahr

Die Motive, die die CSU zu ihren Vorwürfen getrieben haben könnten, will der OB nicht weiter kommentieren. Auch die zeitliche Lücke zwischen dem 1. November und dem 15. Dezember spielt für das Stadtoberhaupt offenbar keine Rolle: "Unabhängig vom Bau eines Löschwasserbehälters ist der Brandschutz für eine mögliche Personenrettung in der Wildensorger Schule jederzeit gegeben."

War die Initiative der CSU also ein Schlag ins Löschwasser? Die Bamberger Union und die BA halten auch nach der Entgegnung an ihrem Vorwurf fest, dass die Stadt die unzweifelhaften Anforderungen an den Brandschutz in Wildensorg nicht erfüllen wollte. Wörtlich spricht Peter Neller von einer Sparorgie, für die auch der Brandschutz auf der Strecke bleiben sollte. Für diese Sicht sprechen laut dem CSU-Fraktionsvorsitzenden unmissverständliche Hilferufe aus gut informierten Kreisen und der für alle überraschende Beginn der Bauarbeiten. "Aus Wildensorg habe ich gehört, dass heute die Baustelle abgesteckt wurde. Hier wurde offensichtlich auf unseren Druck reagiert."