Da sitzt einer und spielt an sich rum. Das darf er. Aber nicht dort, wo es jemand sehen könnte, der es nicht sehen will. So weit so klar. Wie verhält es sich mit dem Auto als Ort solcher Handlungen? Im Straßenverkehr?

Auf unserer Facebook-Seite ist am Dienstag eine Meldung durch die Decke gegangen: Eine Radfahrerin hatte an der Kreuzung Obere Königstraße /Luitpoldstraße beim Halt an der Ampel einen Mann im Auto bei einer sehr eindeutigen Beschäftigung beobachtet und die Polizei informiert. Der 35-Jährige muss sich nun wegen exhibitionistischer Handlungen und Erregung öffentlichen Ärgernisses verantworten.

"So einen Fall hatten wir meines Wissens noch nicht in Bamberg", überlegt Polizei-Pressesprecherin Silke Gahn, von der wir wissen wollten, wo die Grenze zwischen Exhibitionismus und Erregung öffentlichen Ärgernisses verläuft.

"Unter Erregung öffentlichen Ärgernisses fallen sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit. Wegen exhibitionistischer Handlungen können eigentlich nur Männer belangt werden ... Moment ich schaue mal nach."


Bestraft werden nur Männer

Geschlechtsteile vorzuzeigen haben Frauen - aufgrund der anatomischen Gegebenheiten - eigentlich nicht. Tatsächlich heißt es in Paragraph 183, Absatz 1, des Strafgesetzbuchs: "Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."

Mit dem gleichen Strafmaß ist übrigens auch die Erregung öffentlichen Ärgernisse bedroht (hier können sich Männer und Frauen strafbar machen).

Weiter im Absatz 2: "Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält."

Für die Strafbarkeit ist entscheidend, dass sich eine andere Person durch die exhibitionistische Handlung konkret belästigt fühlt. Und die Präsentation des Geschlechtsteils muss absichtlich erfolgt sein.


Hat er vielleicht schon mal?

Wie lässt sich das feststellen bei der Vernehmung? Darüber kann Polizeisprecherin Silke Gahn im Hinblick darauf, dass der Fall noch läuft, keine Auskunft geben. "Es wird aber immer geschaut, ob derjenige schon mal einschlägig in Erscheinung getreten ist."
Auch wenn sich mancher in seinem Auto wie zu Hause fühlt: Ein Ampelstopp ist eben kein Halt auf einem abgelegen Parkplatz. Das Wageninnere ist für andere Verkehrsteilnehmer mehr oder weniger gut einsehbar.
Dazu kommt, dass die Aufmerksamkeit des Hand-an-sich-Legers hinter dem Steuer sich kaum ausschließlich auf die Straße gerichtet haben dürfte.

Wie oft ist es in Bamberg schon vorgekommen, dass Polizeibeamte bei Unfallaufnahmen Personen mit offener Hose vorgefunden haben? Silke Gahn: "Im Stadtverkehr nicht. Das wären Fälle, die in Erinnerung bleiben würden."