Bamberg
Im Gespräch

Schonungslose "Wortfront" gegen die Banalität

Mit Roger Stein betritt Sandra Kreisler am 11.11. erstmals die Bamberger Bühne. Statt die Tradition zu besingen, holt das Duo den Chanson mit schonungslosen Texten und Hip-Hop-Metrik ins 21. Jahrhundert.
Foto: PR
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Die weiße Fahne zu schwenken, ist nicht ihr Stil. "Wortfront" gehen in die Offensive. Sie singen gegen Klischees an, brechen Tabus und treffen dabei meist ins Schwarze: Ist Sandra Kreislers Ton Provokation? "So heißt's immer wieder. Aber darüber sind wir selbst am erstauntesten", sagt die Tochter von Georg Kreisler und Topsy Küppers, die am 11.11. erstmals in die Tiefen des Kaulbergs steigt, um sich dem Bamberger Publikum zu widmen.

"An der vordersten Front der Sprache" geben sich Kreisler und Roger Stein kämpferisch. Zumal die Diseuse mit dem Schweizer Liedermacher jeden Song seit sieben Jahren "erstreitet", wie das Duo auf seiner Web-Site berichtet. "Schwanz ersatz" entsprang als erstes gemeinsames Werk der binationalen Songschmiede, gefolgt von "Lieder eines postmodernen Arschlochs". Derbe Worte.
Dementsprechend schieden sich die Geister an dem Debüt, das mit dem "Preis der deutschen Schallplattenkritik" gewürdigt wurde.

"Ich denke, die Schmerzgrenze differiert von Region zu Region", meint Sandra Kreisler. "Je nördlicher - desto pikierter die Reaktionen." In Franken sei das Publikum (wie die Sängerin uns bescheinigte) wesentlich offener als in Nordrhein-Westfalen oder noch weiter Richtung Küste. Entschärfen wollten Konzertveranstalter anfangs gar den Titel "Lieder eines postmodernen Arschlochs". Was die "Wortfront" nicht beirrte, die zum Fest der Liebe "Penetrant besinnlich" servierte: Mit einem betrunkenen Weihnachtsmann inmitten leerer Bierflaschen warb das Duo auf Plakaten für sein Programm.


"Häuten" und durchstarten

So stehen Kreisler & Stein, die sich 1999 fanden, zu ihrer Mission. "Häuten", ja, "neu erfinden" wollten sich beide nach der Jahrtausendwende. Die "Wortfront". entstand. Das literarische Chanson aus der Kabarett-Ecke zu ziehen und als moderne Kunstform des 21. Jahrhunderts zu profilieren, ist das gemeinsame Anliegen. "Viele singen Titel in der Form der 50er, 60er, 70er und 80er Jahre. Wir dagegen verbinden Anlehnungen an das literarische Chanson mit Elementen der klassischen Kammermusik, Pop, Rock und Hip-Hop-Metrik."

Eine Melange, deren Sahnehäubchen schonungslose Texte sind, wie man sie auch von Georg Kreisler kannte. Wie seine Tochter wehrte sich der Komponist, Sänger und Dichter gegen den Stempel "Kabarettist": jener Warnbake, mit der man das Publikum vor der ungefilterten Wahrheit schützt.

Wurde das Erbe des Vaters für Sandra Kreisler je zur Last? "Türen werden schneller geöffnet, aber durchzugehen wird einem irrsinnig schwer gemacht", sagt die Sängerin, die sich zuvor als Schauspielerin auszeichnete und mit namhaften Regisseuren arbeitete. Irgendwann aber besann sie sich dennoch auf "das, was mich brennen lässt". Und damit meint die von den väterlichen Genen geprägte Diseuse eben auch den Hang, Klartext zu singen. "Nur ist man intensive Texte mit Aussage im deutschsprachigen Raum nicht mehr gewöhnt. Die Leute klappen die Ohren zu."

Das sollte Sandra Kreisler im Club Kaulberg erspart bleiben, wo Arnd Rühlmanns "Leichen im Keller" schlummern. Um 20 Uhr geht die "Wortfront" in die Offensive. Ihr erster Stopp übrigens an der Regnitz. "Durchgefahren sind wir aber schon vorher: So denke ich, Bamberg wird für mich zur Sehnsuchtsstadt."