• Schlachthof Bamberg wieder "wirtschaftlich stabil" - Stadt plant "umfassendes Konzept"
  • Zusammenarbeit mit Großkunden für Weiterbetrieb essenziell - doch dieser birgt Risiken
  • Schließung des angeschlagenen Schlachthofs? Forderungen wurden immer lauter
  • Stadtrat trifft Entscheidung: So geht es in der Lichtenhaidestraße weiter

Der Schlachthof Bamberg habe seine "wirtschaftliche Stabilität" wiedererlangt. Das betonte die Stadt Bamberg vergangene Woche ganz deutlich nach einer Pressekonferenz. Schon im Oktober 2022 hatte die Stadt mitgeteilt, dass sich die ökonomische Situation des Schlachthofs im Vergleich zu den Corona-Jahren "signifikant verbessert und deutlich stabilisiert" habe. Anfang 2023 äußerten einige Stadtratsfraktionen dann den Willen, das 5,5 Hektar große Areal anderweitig zu nutzen. In der Stadtratssitzung am Mittwoch (25. Januar 2023) fiel dann eine Entscheidung zur Zukunft des Schlachthofs - mit großer Mehrheit.

Update vom 27.01.2023: Bamberger Schlachthof wird vorerst nicht geschlossen - Stadtrat erteilt Gnadenfrist 

Der Bamberger Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 25. Januar 2023 einem Vorschlag der Stadtverwaltung zur Zukunft des Schlachthofs zugestimmt. Eine große Mehrheit sprach sich dafür aus, dem angeschlagenen und teils umstrittenen Betrieb eine Gnadenfrist zu erteilen. Diese läuft bis zum Ende des Jahres 2023. In diesem Zuge stimmte der Stadtrat auch mehreren Voraussetzungen zu, die von der städtischen Schlachthof GmbH als entscheidend für eine Weiterführung angesehen wurden. 

So soll es eine "befristete Niederschlagung der aktuell offenen Fleischhygienegebühren und Verwaltungs­kostenbeiträge bis zum 01.04.2024" geben, wie es in der Sitzungsvorlage heißt, die dem Gremium zur Abstimmung vorgelegt wurde. Außerdem wird die Rückzahlungsfrist der "Kontenkompensationskredite" zum selben Datum verlängert. Auch werden die Zinsen aller laufenden Darlehen und Kredite gegenüber der Stadt Bamberg bis auf Weiteres auf 0,5 Prozent pro Jahr gesenkt

Die Geschäftsführung der Schlachthof Bamberg GmbH wird gleichzeitig beauftragt, zusammen mit der Verwaltung ein "striktes und laufendes Controlling der wirtschaftlichen und finanziellen Situation der Gesellschaft zu implementieren und dem Aufsichtsrat und im Anschluß daran auch dem Stadtrat regelmäßig zu berichten", heißt es. Auch soll konkreter werden, welche Investitionen notwendig sind, um den Schlachthof längerfristig zu erhalten. Im Gespräch ist auch ein Einstieg des Landkreises Bamberg in die GmbH. Auch der von der Stadt angekündigten Machbarkeitsstudie wurde zugestimmt. Im Dezember 2023 sollen Stadt und der Schlachthof dann in einem Fazit zu den Entwicklungen berichten.

Erstmeldung vom 21.01.2023: Wie geht es mit dem Schlachthof Bamberg weiter? Entscheidung mit "teils gravierenden Auswirkungen"

Angesicht der Frage nach "nachhaltigem Weiterbetrieb" oder Schließung, sagt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD): "Dabei handelt es sich um eine verantwortungsvolle Entscheidung mit langfristigen, teils gravierenden Auswirkungen in vielerlei Hinsicht. Wir dürfen deshalb keine übereilte oder gar leichtfertige Entscheidung treffen, wenn noch nicht alle Informationen dazu auf dem Tisch liegen. Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit."

Gleichzeitig soll eine Machbarkeitsstudie zu einer alternativen Nutzung angefertigt werden. Denkmalschutzrechtliche, planungsrechtliche, eigentumsrechtliche, technische und finanzielle Herausforderungen seien dabei zu beachten. Wirtschaftlich betreiben lasse sich ein Schlachthof ohne Zusammenarbeit mit den Großkunden wie Tönnies oder Vion aktuell nicht mehr, so der Schlachthof Bamberg GmbH, Julian Schulz. Zudem seien159 Menschen an oder für den Standort tätig: 118 Arbeitsplätze gebe es direkt bei der GmbH, 41 seien es bei der Stadt.

Wirtschaftsreferent Stefan Goller und Julian Schulz betonen auch die regionale Bedeutung des Schlachthofs: Nur 20 Prozent der Schweine und 29 Prozent der Rinder kämen aus einer größeren Entfernung als 150 Kilometer von Bamberg. Rund 5000 Mastbetriebe und Erzeuger arbeiteten mit dem Schlachthof zusammen, im fleischverarbeitenden Bereich seien allein in der Stadt Bamberg 16 und im Landkreis Bamberg 44 Betriebe ansässig. "Die Regionalität trägt maßgeblich zum Tierwohl bei, denn kurze Transportwege ersparen den Tieren unnötigen Stress", heißt es weiter.

Schlachthof Bamberg zuletzt in wirtschaftlicher Schieflage - nur zweimal Jahresgewinn in acht Jahren

In den vergangenen zwei Jahren sei die Einrichtung in eine wirtschaftliche Schieflage im Wesentlichen durch externe Faktoren geraten, schreibt die Stadt. "Sowohl die Corona-Pandemie, der Angriffskrieg seitens Russlands in der Ukraine, die Afrikanische Schweinepest und die Inflation hatten unvorhersehbare, deutliche und für einige Marktakteure existenzbedrohliche Auswirkungen", erklärte Schulz die Einflüsse, die sich stark auf die gesamte Branche ausgewirkt hätten.

Aufgrund der historischen, teilweise denkmalgeschützten Gebäuden aus dem Jahr 1904 seien immer wieder Investitionen notwendig, um den Betrieb aufrecht zu halten. In den vergangenen zehn Jahren sei hier viel passiert, doch es bestehe mittelfristig weiterer Investitionsbedarf von 4,1 Millionen Euro

Die Umwandlung des Schlachthofs von einem städtischen Regiebetrieb zu einer kommunalen GmbH im Jahr 2020 sei dabei kein Grund für die schwierige Entwicklung. "Wir mussten damals unter anderem auf das neue 'Arbeitsschutzprogramm für die Fleischwirtschaft' der Bundesregierung reagieren, das Leiharbeit und Werkverträge in Schlachthöfen ab dem Jahr 2021 verboten hat", so Starke. Auch davor sei die wirtschaftliche Lage angespannt gewesen. So erinnert Julian Schulz daran, dass "in den vergangenen acht Jahren nur zweimal ein Jahresgewinn ausgewiesen werden konnte".

Großkunden beteuern "hohe Interesse am Erhalt des Standorts"

Wie sich das Jahr 2021 gestaltet habe, fasst Goller wie folgt zusammen: "Die coronabedingten Schlachtausfalltage führten zu Mindereinnahmen in Höhe von rund 650.000 Euro. Hinzu kamen zusätzliche Aufwendungen, zum Beispiel für Corona-Hygiene-Maßnahmen, krankheitsbedingte Personalausfälle und in der Folge zusätzlich notwendiges externes Personal. In Summe verzeichnete die Gesellschaft im Jahr 2021 einen Verlust von rund 970.000 Euro, der nahezu vollständig durch Corona verursacht war." Bei der Liquidität seien so Engpässe entstanden, die nur durch kurzfristige Kredite seitens der Stadt ausgeglichen werden konnten.

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Bei einer Sondersitzung des Aufsichtsrats im Mai 2022 seien Wirtschaftsreferent und Geschäftsführer beauftragt worden, möglichst schnell mit den beiden Großkunden - aber auch mit den lokalen Akteuren - zu verhandeln und auf dieser Basis unterschiedliche Szenarien zum weiteren Vorgehen zu erarbeiten.

Mit der Fleischerinnung, der IG Schlachthof und Anwohner*innen habe sich laut Goller ein "laufender und konstruktiver Dialog" entwickelt, und bei den Großkunden sei schnell das "hohe Interesse am Erhalt des Standorts" zu spüren gewesen. So seien noch im Juni 2022 erste Anpassungen der Konditionen vereinbart worden, berichtet die Stadt weiter. "In der Folge hat sich ab Juli/August auch die wirtschaftliche Lage der GmbH wieder stabilisiert. Die Gesellschaft arbeitet seit diesem Zeitpunkt im laufenden Betrieb wieder kostendeckend, weiterer Zuschussbedarf bestand nicht mehr", erklärt Goller.

Schlachthof Bamberg: Laufender Betrieb 2023 kostendeckend möglich

Nach weiteren intensiven Gesprächen mit nochmaligen Verbesserungen der Konditionen für das Jahr 2023 lägen nun konkrete Rahmenbedingungen für das Wirtschaftsjahr 2023 vor. "Nach unserem Wirtschaftsplanentwurf scheint ein kostendeckender laufender Betrieb im Jahr 2023 unter durchaus realistischen Bedingungen möglich", stellt Goller fest.

Im Gegensatz zu den beiden Vorjahren sei mit einem leichten Plus bei der Liquidität von rund 190.000 Euro zu rechnen, sodass die im Jahr 2023 nötigen Investitionen in Höhe von 80.000 Euro aus eigenen Mitteln zu realisieren wären.

Weitere Darlehen oder Zuschüsse seitens der Stadt seien nicht vorgesehen. Die gewonnene Zeit könne jetzt genutzt werden, um vor allem den über 2023 hinaus notwendigen Investitionsbedarf am Schlachthof Bamberg zu konkretisieren, die künftige Marktentwicklung besser abschätzen zu können und auf dieser Basis weiter mit den Großkunden zu verhandeln. Und das mit dem Ziel einer längerfristigen und wirtschaftlich tragfähigen Vereinbarung, so die Stadt Bamberg. 

"Unternehmerisches Risiko" bleibt - Öffentlichkeit soll weiterhin informiert bleiben

Goller verweist allerdings auf ein verbleibendes unternehmerisches Risiko aufgrund vielerlei Unwägbarkeiten (zum Beispiel Corona, Lohnentwicklung, Folgen des Ukraine-Kriegs et cetera). Ihm solle durch ein "konsequentes und laufendes Monitoring begegnet werden, um im Bedarfsfall möglichst schnell reagieren zu können". Eine Voraussetzung für eine befristete Fortführung des Betriebs wäre zudem die Klärung der in der Corona-Zeit angefallenen "Altlasten", das heißt der Umgang mit den offenen kurzfristigen Forderungen der Stadt Bamberg.

"Aktuell ist die Gesellschaft nicht in der Lage, diese Schulden zurückzuzahlen", macht Goller deutlich. Für einen Weiterbetrieb müssten diese zumindest für einen befristeten Zeitraum ausgesetzt und ein moderater Zinssatz festgelegt werden. Dabei handelt es sich um folgende offene Beträge: Kontenkompensationskredite von 2,4 Millionen Euro, Fleischhygienegebühren von rund 1,3 Millionen Euro und Verwaltungskostenbeiträge von rund 243.000 Euro.

"Unter diesen Voraussetzungen ist eine befristete Fortführung des Betriebes zunächst für ein weiteres Jahr wirtschaftlich vertretbar und sinnvoll", sind sich Starke, Goller und Schulz einig. Oberbürgermeister Andreas Starke verspricht laut Pressemitteilung, dass er in den kommenden Monaten auch weiterhin das Personal, aber auch die Öffentlichkeit mitnehmen und informieren werde. "Der Dialog mit allen Akteuren ist uns wichtig", erklärt Starke. "Wir werden auch auf den Landkreis zugehen und ihm eine Partnerschaft in diesem Bereich vorschlagen, denn die Tiere vieler dort ansässiger Landwirte werden bei uns geschlachtet. Der Landkreis Bamberg hat also selbst ein vitales Interesse am Erhalt des Schlachthofs."

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