Wegen Corona fällt das größte Bamberger Volksfest nach 2017 erneut ins Wasser - die 70. Sandkerwa (20. bis 24. August) wird heuer nur im Kleinen gefeiert. Bürgervereinschefin Barbara Kropf (41), und Jürgen Wirth (52), Geschäftsführer für den Verein in der Sandkerwa GmbH, blicken besorgt auf 2021: "Noch ein Jahr können wir uns das nicht erlauben."

Erneut muss die Sandkerwa ausfallen - kommen da Erinnerungen an die Absage vor drei Jahren wieder hoch?

Barbara Kropf: Klar kommen die Erinnerungen hoch. Andererseits war es damals eine bewusste Absage des Bürgervereins. Jetzt ist es eine Absage, die gefällt werden musste, ohne bewusste Entscheidung des Vereins. Das ist ein bisschen schmerzhafter...

Was vermissen Sie persönlich?

Kropf: Natürlich die langsame Steigerung mit Aufbau, Lichterketten und Wimpel aufhängen, die Eröffnungsrede fertig schreiben. Und dann natürlich auch dieses besondere Feeling, das wir als Veranstalter haben. Wir sind ja fünf Tage im Dauereinsatz. Was ich definitiv nicht vermissen werde, ist das routinemäßige Krankwerden nach der Sandkerwa... (lacht)

Jürgen Wirth: Ich vermisse auch die Arbeit, hört sich zwar blöd an, aber das wäre jetzt meine 20. Sandkerwa als Geschäftsführer gewesen. Man hat jetzt viel Zeit, sag ich mal. Wir mussten alle unseren Urlaub nehmen, die Arbeitgeber wollen ja Planungssicherheit. Wir werden jetzt im Rahmen des Erlaubten unsere Kirchweih feiern.

Das heißt, die Kirchweih fällt gar nicht aus?

Wirth: Die Kirchweih, wie man sie kennt, fällt aus. Aber der Bürgerverein feiert die Weihe der Elisabethenkirche trotzdem. Das haben wir vor drei Jahren auch gemacht. Das eine ist das große Fest mit allen Problemen und Schönheiten. Aber natürlich ist es trotzdem eine Kirchweih.

Finanziell bedeutet das für den Bürgerverein Einbußen...

Kropf: Absolut ja. Wie für jeden Bürgerverein ist das unsere Einnahmequelle schlechthin. Von den Mitgliederbeiträgen können wir mit unserer Größe kaum leben. Das ist schon heftig, was da ohne Sandkerwa fehlt. Wir müssen schauen, wo wir finanzielle Unterstützung herbekommen.

Wie groß ist das finanzielle Loch?

Wirth: Es fehlen dem Bürgerverein komplett die Einnahmen aus der Vermarktung der Rechte des Festabzeichenverkaufs. Heuer gibt es keine Kirchweih, also gibt es auch keinen finanziellen Ausgleich von der GmbH. Vor drei Jahren konnte sich der Bürgerverein die Absage noch leisten. Dieses Jahr mussten wir absagen, aber eigentlich hätten wir es uns nicht leisten können. Deshalb haben wir verschiedene Aktionen gemacht, etwa 1000 Festabzeichen der abgesagten Kerwa aufgelegt. Es ist eine reine Unterstützung des Bürgervereins, das hat heuer nichts mit der GmbH zu tun. Außerdem haben wir Zuschüsse beantragt. Die Sparkasse hat einen Spendentopf aufgemacht für Vereine, da haben wir unter anderem etwas bekommen.

Das kann nicht alles ausgleichen?

Kropf: Das kann es nicht, aber wir können uns damit ganz gut über Wasser halten. Noch ein Jahr können wir uns das aber nicht erlauben.

Wirth: Wenn nächstes Jahr wieder keine Kerwa wäre, dann hätte der Verein massive Probleme.

Was würde das bedeuten?

Wirth: Es gäbe verschiedene Szenarien. Der Bürgerverein ist klein und hat nicht viel Eigentum. Wir haben unser Vereinsheim, das eventuell dann verkauft werden müsste, oder aber unsere Anteile an der Sandkerwa. Doch das wollen wir auf keinen Fall.

Wenn es also noch mal zu einer Absage kommen würde, müsste man erneut über die Sandkerwa und die Beteiligung des Vereins reden?

Wirth: Dann müsste man sich wieder mit den Verantwortlichen der Stadt zusammensetzen und darüber reden, wie man die Kuh vom Eis bekommt. Erneut Kredite aufzunehmen, ist keine Option. Und es wird kaum mehr möglich sein, Gelder irgendwo herzubekommen oder Festabzeichen zu verkaufen.

Der Festabzeichenverkauf läuft?

Wirth: Der ist schon durch. Die Stückzahl war limitiert auf 1000. Es gibt viele Sammler und Unterstützer, die ein Abzeichen kaufen.

Heuer wird es also nur den Gottesdienst geben?

Wirth: Es wird im Freien auf dem Elisabethenplatz, wenn das Wetter mitspielt, Gottesdienst gefeiert. Wir werden absperren und die Stühle auf 1,50 Meter Abstand stellen. Danach gibt es gemütliches Beisammensein im Festgebiet. Wir haben sehr viel Gastronomie vor Ort, das ist ein großer Vorteil. Man kann sich also zusammensetzen und jeder seine Sandkerwa für sich ein wenig feiern. Wir machen auch für unsere Vereinsmitglieder ein bisschen was.

Fürchten Sie, dass manche wieder eine wilde Kerwa feiern?

Wirth: Wir sind da vollkommen raus, das ist Sache der Ordnungsbehörden. Wir haben ja kein Programm. Die Schausteller wollten gerne wie in der Wunderburg oder am Greifenklau eine Sondergenehmigung haben, das wurde aber abgelehnt von den Behörden.

Dafür wird es dann im September was für Kinder geben?

Wirth: Das läuft nicht über uns, aber die Stadt hat den Schaustellern angeboten, dass zwei Wochen später die fünf Tage für die Kinder am Kranen und Markusplatz stattfinden können.

Wie planen Sie die Kerwa 2021?

Wirth: Man weiß nicht, was kommt. Teilweise wackeln ja schon die Weihnachtsmärkte. Wir haben aber etwas vorgesorgt, 80 Prozent der Stände sind schon für 2021 vergeben. Allerdings müssen wir natürlich reagieren, wenn andere Auflagen kommen, wenn zum Bespiel nur noch die Hälfte der Stände erlaubt wäre oder nur noch 5000 Besucher kommen dürften. Dann müssten wir abwägen, ob es Sinn macht, die Sandkerwa überhaupt zu machen. Man hat ja bei Canalissimo gesehen, was eine Regulierung bedeutet. Das Fest wäre dann auch tot. Das will keiner. Das wird aber eine relativ kurzfristige Entscheidung. Wir werden im Dezember/Januar unsere Vorbereitungen machen. Die Behörden müssen sich dann auch früher als in diesem Jahr festlegen. Und wenn es verschärfte Auflagen gibt, muss man abwägen, ob sich zum Beispiel eine Sandkerwa mit Absperrung lohnt. Dann könnte man zwar Eintritt verlangen, doch das wären gerade mal zwei oder drei Euro. Das würde wahrscheinlich nicht mal die Kosten der Security abdecken.

Die Frage wird auch sein, ob das umsetzbar ist...

Wirth: Wir haben hier viel Gastronomie. Ich kann nur schwer jemanden zwingen, Eintritt zu zahlen, der einfach nur ein Bier im Schlenkerla trinken und nicht auf die Kerwa will.

Was zur Kirchweih trotzdem stattfindet:

Mittwoch, 19. August, 19 Uhr, Gottesdienst am Elisabethenplatz; gemütl. Beisammensein.

Samstag, 22. August, 12 und 15 Uhr, Orgelkonzert im Dom

Sonntag, 23. August, 9.30 Uhr, Gottesdienst am Elisabethenplatz; Frühschoppen.

Donnerstag, 3. September, bis Montag, 7. September, (geplant): "Kerwa to go" am Kranen und Markusplatz u.a. mit Kinderkarussell und Süßwaren.