Sandkerwa 2017 in Bamberg ist endgültig abgesagt



Es war ein Paukenschlag in Bamberg: Der Bürgerverein hat die Sandkerwa 2017 abgesagt. Doch es gibt womöglich noch Hoffnung: Die Bamberger Stadtverwaltung hat uns so eben bestätigt, dass Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) alles tun will, um die 67. Sandkerwa in diesem Jahr doch noch zu retten.

Zu diesem Zweck soll ein Gespräch am Donnerstagabend um 18.30 Uhr mit dem Bürgerverein Sand im Rathaus stattfinden. Darin will der Oberbürgermeister ausloten, welche Hindernisse einer erneuten Durchführung im Wege stehen und welche Möglichkeiten es für die Stadt gibt, den Bürgerverein Sand als Veranstalter zu unterstützen. Laut Stadt beläuft sich die öffentliche Förderung der Kirchweih bisher auf 55.000 Euro im Jahr. Dazu kommen noch weitere Leistungen.

Freilich: Ob und welche Lösung es geben kann, ist derzeit völlig offen. Bis gestern Mittag hatten die Macher der Kerwa, Bürgervereinsvorsitzende Gisela Bosch und Geschäftsführerin Ulrike Heucken, auf das Gesprächsangebot nicht reagiert. Auch der Redaktion gelang es nicht, Kontakt zu den Verantwortlichen aufzunehmen. Am Vormittag hat die Sandkerwa Veranstaltungs GmbH auf ihrer Homepage die Absage der Veranstaltung noch einmal bestätigt. Der Bürgerverein habe beschlossen, die Sandkirchweih 2017 nicht durchzuführen. Wie berichtet, sind es vor allem die finanziellen Risiken und die gestiegenen Sicherheitsvorkehrungen, die die Veranstalter dazu bewogen haben, in diesem Jahr die Großveranstaltung mit schätzungsweise rund 300.000 Besuchern erstmals abzusagen.

Bereits im Jahr 2015 stand die Sandkerwa monatelang auf der Kippe, weil die Sicherheitsvorkehrungen die Veranstalter vor große Herausforderungen stellten. So musste eine neue Lautsprecheranlage gemietet werden, die im Krisenfall zum Einsatz kommen sollte.

Außerdem wurden die Besucherströme weiter entzerrt und es wurden keine Stände mehr an besonders frequentierten Punkte auf dem Festgelände wie etwa am Grünhundsbrunnen zugelassen.


Die Kosten für die Standbetreiber sind gestiegen

Auch die Kosten für die Standbetreiber stiegen in den vergangenen Jahren drastisch an, um den Aufwand für Rettungskräfte und Feuerwehr zu refinanzieren. Auch beim Bierpreis wurde an der Schraube gedreht, um keine zusätzlichen Massen anzulocken. So gehörten die beliebten Stände mit besonders preisgünstigem Bier schon 2016 der Vergangenheit an.

Trotzdem stand die Sandkerwa zuletzt finanziell auf wackeligen Beinen, ein Plus war kaum noch möglich, was die Veranstalter zusätzlich motiviert haben könnte, heuer erstmals auf das Event zu verzichten.

Ernst zu nehmen ist die Absage auf jeden Fall, verlautete gestern aus Kreisen, die den Festveranstaltern nahe stehen. Mit der Absage an die zahlreichen Standbetreiber und Schausteller tickt gewissermaßen die Uhr. Viel Zeit bleibt der Stadt nicht mehr, um die Veranstalter doch noch zum Weitermachen bewegen zu können.



Stadt stellt klar: Keine Vorab-Information

Am Vormittag hat sich die Stadt erstmals in einer Pressemitteilung zu der überraschenden Absage geäußert. Wie die Stadt darin mitteilt, erfolgte die Entscheidung des Bürgervereins zur Absage "leider ohne vorherige Information an die Stadt. Es habe sich um einen selbst gewählten und unabgesprochenen Weg des Veranstalters gehandelt.

Die Stadt bedauere diese Vorgehensweise und die negative Entscheidung zur Sandkerwa 2017 außerordentlich. Aufgrund der bisherigen Gespräche auf Arbeitsebene habe es keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass der Veranstalter die Sandkerwa nicht mehr durchführen wird.

Selbstverständlich sei allen bewusst, dass jeder Organisator von Großveranstaltungen vor enormen Herausforderungen stehe, weil der abstrakten Gefährdungslage mit geeigneten Sicherheitsmaßnahmen begegnet werden muss: Angesichts der Konsequenzen aus tragischen Unglücks- und Katastrophenfällen wie in Duisburg oder am Weihnachtsmarkt in Berlin seien die Sicherheitsbehörden bundesweit gehalten, gemeinsam mit allen Veranstaltern geeignete Vorkehrungen zu treffen, um die Besucher zu schützen.

Es sei die Aufgabe der Stadt Bamberg als Genehmigungsbehörde im wohlverstandenen Interesse der Besucher dafür zu sorgen, dass die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden.

Stimmen Sie ab: Soll die Stadt Bamberg die Sandkerwa mit Geld retten?

Kritik seitens von Bürgern, die Stadt habe mit den Auflagen überzogen, weist man im Bamberger Rathaus zurück. In den vergangenen Jahren sei es gemeinsam mit den Veranstaltern der Bamberger Sandkerwa immer gelungen, eine vernünftige Verständigung und einen Interessenausgleich herbeizuführen. Selbstverständlich sei die Stadt auch diesmal davon ausgegangen, dass Organisation und Durchführung der diesjährigen Sandkerwa gelingen würden, zumal für dieses Jahr keine erhöhten Sicherheitsauflagen im Vergleich zum Vorjahr geplant waren.

Auch heuer habe die Stadt wieder erhebliche öffentliche Mittel vorgesehen, um die Sicherheitsvorkehrungen zu finanzieren - rund 51.000 Euro.


Gefahr von terroristischer Bedrohung?

Wie am Mittag bekannt wurde, haben die Macher der Sandkirchweih gegen 17 Uhr den OB in einer kurzen Mail über die Absage informiert. Darin ist unter anderem von der Gefahr terroristischer Bedrohungen für Großveranstaltungen die Rede. Angesichts dieser Lage sei die Durchführung der Kerwa ehrenamtlich nicht mehr zu verantworten. Wörtlich heißt es: "Leider muss der Bürgerverein diesen Schritt gehen und seine 66-jährige Tradition beenden."