Vor Kurzem wurde im Stadtrat ein Konzept der Joseph-Stiftung vorgestellt und ausgesprochen positiv bewertet.
Es sieht Wohnraum verschiedenster Art für etwa 400 Menschen - geförderten Wohnungsbau, Einfamilienhäuser, Generationen übergreifendes Wohnen - sowie Einkaufsmöglichkeiten vor.

Vorerst handelt es sich nur um einen Entwurf für die etwa 3,5 Hektar unbebauter Flächen, die von der Kapellenstraße im Norden, der Bahnlinie und Theresienstraße im Osten, der Hedwigstraße im Süden und der Erlichstraße im Westen umgeben sind. Würde er 2013/2014 in einen Bebauungsplan einfließen, könnte das kirchliche Wohnungsbauunternehmen aus Bamberg theoretisch noch Ende 2014 mit ersten Erschließungsmaßnahmen beginnen.

Eine Bauzeit von fünf bis sechs Jahren veranschlagt Reinhard Zingler, Architekt und Vorstandsmitglied der Stiftung, im Gespräch mit dem FT für das Vorhaben. Die Investitionssumme liegt nach seinen Worten zwischen 65 und 70 Millionen Euro.


Die einzige Bewerberin
Noch ist das Vorhaben nicht in trockenen Tüchern. Weil sich die Joseph-Stiftung aber als einziges Unternehmen überhaupt an einem europaweit ausgelobten Teilnahmewettbewerb der Stadt Bamberg für das Glaskontor-Gelände beteiligt hat, spricht sehr viel dafür, dass sie es sein wird, die das Areal zusammen mit der Stadt in naher Zukunft entwickeln wird.

Matthias Alt, Stadtrat (FB) und als Inhaber einer Metzgerei in der Erlichstraße ganz nah dran am Glaskontor-Areal, wäre froh, wenn er künftig beim morgendlichen Blick aus dem Schlafzimmer auf ein neues Wohngebiet schauen würde. Die Wunderburg brauche Zuzug, sagt er, damit ihre noch intakte Infrastruktur erhalten bleibe. Die Läden, Arztpraxen und Kindergärten würden nur funktionieren, wenn Leute da sind, die sie nützen.

Im großen und ganzen könnte sich der Wunderburger mit dem ersten Entwurf der Joseph-Stiftung anfreunden, der zum Beispiel eine Bebauung des neuen Quartiers entlang der Hedwigstraße vorsieht. Über Details wie die Frage Tiefgaragen oder Carports werde noch zu reden sein, findet Alt. Hauptsache sei, dass das Vorhaben "'mal angestoßen wird".


Entwurf erinnert an Mayersche Gärtnerei
Auf dem Papier erinnert der Entwurf für das Glaskontor-Gelände an die Mayersche Gärtnerei, die ebenfalls die Handschrift der Joseph-Stiftung trägt. Auch dort wuchs auf ehemaligem Gärtnerland ein großes Neubaugebiet mit Geschossbauten und Eigenheimen, wie es nun auch südlich der Bahnlinie entstehen könnte.

Bezahlbare Häuser für junge Familien sollen der Schwerpunkt werden, sagt Zingler. Die Erschließung ist in Ost-West-Richtung geplant, der Hauptzugang von der Ecke Erlichstraße/Jägerstraße aus, wo noch die leeren Glaskontor-Gebäude stehen.

Das ehemalige Firmengebäude an der Ecke zur Kapellenstraße würde saniert und zu einem Einkaufsmarkt umgewidmet. Auch wenn man es dem Bauwerk von außen nicht ansieht: Es handelt sich um eine ehemalige Reithalle, ein Bauwerk des 19. Jahrhunderts, das noch typische Ausstattungsmerkmale enthalten soll.


Stadt muss Flächen erwerben
Das potenzielle Baugelände umfasst Flächen, die der Stadt gehören, sowie private Grundstücke und Gärtnerland, die die Stadt erwerben will. Laut Baureferent Michael Ilk und Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) fanden mehrere Gespräche mit den Eigentümern statt.

Zur Sache, nämlich ums Geld, sei es aber noch nicht gegangen, hört man von denen, die verkaufen sollen. Hans-Jürgen Eichfelder ist einer von ihnen. Der Erwerbsgärtner bewirtschaftet nach eigenen Angaben noch etwa 1500 Quadratmeter an der Hedwigstraße und hat ein Gewächs- und Kühlhaus auf seinem Land stehen. "Ich stelle mich nicht quer", sagt er zu den Plänen, die die Stadt unter anderem mit seinen Feldern hat. Aber "für ein Butterbrot" wolle er das Grundstück nicht hergeben.

Vor drei Jahren seien einmal 70 Euro pro Quadratmeter im Gespräch gewesen, was aus seiner Sicht viel zu niedrig ist. Einen angemessenen Preis und Ersatzflächen vorausgesetzt zeigt sich Eichfelder aber durchaus verkaufsbereit: "Ich will keinen ausschmieren, aber ich will auch nicht ausgeschmiert werden."

Konkrete Verkaufsverhandlungen mit den Wunderburgern, deren Gärten teils zig Meter tief in das künftige Baugebiet ragen, stehen nach Informationen aus dem Baureferat an. Parallel findet ein Umlegungsverfahren zur Bodenordnung statt.


Grundstückstausch als Ziel
Dessen Ziel ist nach dem Baugesetzbuch ein gesetzlich geregelter Grundstückstausch, von dem beide Seiten profitieren sollen. Für Verkäufer von Land könnten zum Beispiel private Baurechte herausspringen. Für die Joseph-Stiftung wäre die Entwicklung des Glaskontor-Geländes wieder einmal eine reizvolle Herausforderung am Unternehmenssitz, gibt Zingler zu verstehen. Seit mehreren Jahren konzentrieren sich ihre Aktivitäten auf den Großraum Nürnberg/Erlangen und Regensburg. Das letzte Bamberger Bauvorhaben liegt fast fünf Jahre zurück.

Und wie erklärt sich Reinhard Zingler, dass kein anderes Unternehmen Interesse daran zu haben scheint, als Partner der Stadt Bamberg das Glaskontor-Areal zu entwickeln? Potenzielle Mitbewerber könnten von der Fülle der Anforderungen abgeschreckt worden sein, meint das Mitglied im Stiftungs-Vorstand.

Neben umfangreichen Referenzen verlangte die Kommune beispielsweise auch den Nachweis der finanziellen Leistungsfähigkeit. Außerdem gibt es laut Zingler nicht mehr viele Mitbewerber, die in der Lage sind, öffentlich geförderten Wohnungsbau zu betreiben. Die Stiftung könne es sich leisten, weil ihre Gewinne aus dem Bauträgergeschäft satzungsgemäß eins zu eins in den geförderten Wohnungsbau fließen würden.