Die mittelalterliche Atmosphäre des Schlosses, die von der Familie Spindler vermittelte Wärme und nicht zuletzt die Werkstatt auf dem Schlossgelände, die sich momentan allerdings noch in ihrer Entstehungsphase befindet: Schloss Wernsdorf scheint genau der richtige Ort für ein soziales Projekt mit Kindern zu sein.

1993 kam das Schloss in den Besitz der Capella Antiqua Bambergensis. Das Rückgrat des Ensembles bildet die Musikerfamilie Spindler, genauer gesagt Prof. Wolfgang Spindler, seine Söhne Andreas und Thomas sowie Schwiegertochter Anke. Seit 2002 sind die Spindlers auch im sozialen Bereich tätig. Damals wurden sie gebeten, eine Harfenbetreuung zu übernehmen. "Über die Elterninitiative hat sich das dann herum gesprochen", erinnert sich Anke Spindler.
So entwickelte sich das Projekt "Zauberharfenbau für krebskranke Kinder".

Im letzten Jahr entstand gemeinsam mit Thorsten Langer, Kinderonkologe am Universitätsklinikum Erlangen, schließlich die konkrete Idee, mit der über die Jahre bewährte Musiktherapie auch zur Nachversorgung beizutragen. So entstand ein Pilotprojekt - das erste Projekt, in dessen Rahmen dauerhaft mit (ehemals) krebskranken Kindern in der Werkstatt Instrumente gebaut werden wird.

Bauen steht nicht im Vordergrund

Diese "Nachversorgung" soll nicht etwa irgendwo in Krankenhausnähe stattfinden, sondern direkt auf Schloss Wernsdorf. Dort soll ein fester Anlaufpunkt für die Kinder und Jugendlichen geschaffen werden, die nach der Chemotherapie erneut Vertrauen in das Leben fassen müssen. Im Park hinter dem Schloss soll zu diesem Zweck ein Workshop- und Werkstattzentrum entstehen.

Durch die Krankheit der Kinder sind die Familien finanziell oft eher schlecht gestellt. Aus diesem Grund werden Fördermittel dafür genutzt, ihnen den Instrumentenbaukurs dennoch zu ermöglichen - das fertige Instrument dürfen sie im Anschluss behalten. Instrumentenbauer Andreas Spindler bereitet die Harfen vor, sodass sie in drei bis vier Stunden fertig gebaut werden können. In der neuen Werkstatt können die Kinder und Jugendlichen je nach Krankengeschichte dann auch einen größeren Teil des Bauprozesses übernehmen. Bei den Kursen werden die Kinder stets begleitet, entweder von einem Geschwisterkind oder einem Elternteil.

"Der Weg ist eigentlich das Ziel", gibt Andreas Spindler zu bedenken, bei den Kursen steht nicht nur das Bauen sondern vor allem auch das Miteinander im Vordergrund. Die Krankheit der Kinder ist schließlich für die ganze Familie eine große Belastung. Von der sterilen Umgebung des Krankenhauses sollen sie nun in die lebendige Holzwerkstatt im Park des Schlosses Wernsdorf kommen.

Planungen und Genehmigungsverfahren für das neue Workshop- und Werkstattzentrum nahmen etwa ein Jahr in Anspruch. Mittlerweile schreitet der Bau sichtlich voran, die Fertigstellung ist für den Mai nächsten Jahres geplant. Die Kosten für den Neubau werden sich voraussichtlich auf 250 000 Euro belaufen, "Im schlimmsten Fall auf 280 000 Euro", wirft Andreas Spindler ein, schließlich können immer wieder außerplanmäßigen Kosten auftauchen. Zwei Drittel übernimmt die Familie Spindler aus eigener Tasche, für das fehlende Drittel konnten Sternstunden e.V. und die Bayerische Landesstiftung gewonnen werden. In der neuen Werkstatt auf dem Gelände des Schloss Wernsdorf können neben Harfen auch weitere Musikinstrumente gebaut werden.