Bamberg
Brand

Müllheizkraftwerk Bamberg: Vierter Großbrand in 20 Jahren

Vermutlich durch Selbstentzündung kam es zu einem Großbrand im Bunker des Müllheizkraftwerks. Um das Feuer daran zu hindern, sich durch die dicht gepackten Müllberge zu fressen, waren zeitweise 65 Feuerwehrmänner im Einsatz. Am frühen Nachmittag war der Brand gelöscht.
Kein Job für empfindsame Gemüter: Um einen Brand im Müllbunker zu löschen, mussten sich Bamberger Feuerwehrmänner durch Berge von Müll kämpfen.   Fotos: Ronald Rinklef
Kein Job für empfindsame Gemüter: Um einen Brand im Müllbunker zu löschen, mussten sich Bamberger Feuerwehrmänner durch Berge von Müll kämpfen. Fotos: Ronald Rinklef
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Teile von Bischberg, Gaustadt und des Bamberger Nordens waren am Dienstagfrüh in übelriechende Nebelschwaden gehüllt. Nach dem Verursacher musste nicht lange gesucht werden, nachdem sich gegen 8.30 Uhr mehrere Feuerwehrwagen auf den Weg in die Rheinstraße machten.

Dort kämpften die Mitarbeiter des Zweckverbands Müllheizkraftwerk Stadt und Landkreis Bamberg bereits mit dichtem Rauch und mit Flammen, die sich in der Tiefe des riesigen Müllbunkers aus einem Schwelbrand entzündet hatten.

Es ist nicht das erste Mal, dass der im Kraftwerk lagernde Müll Feuer fing. Bereits 1995, 2005 und 2010 kam es zu Bränden in den Anlagen des Bamberger Müllheizkraftwerks.

Gegen die Feueranfälligkeit des gepressten Mülls kann man offenbar wenig tun. Stadtbrandrat Matthias Moyano und die Polizei gingen wie bereits bei früheren Bränden von Selbstentzündung aus. Dazu kann es kommen, wenn durch den bakteriellen Abbau von organischen Substanzen Hitze entsteht - nicht anders als in einem Komposthaufen. Es können aber auch heiße oder glühende Stoffe wie Asche sein, die unerkannt über die Mülltonne in den Bunker wandern und dort eine Glut entfachen.

Die Ständige Wache und fünf Löschgruppen der Bamberger Feuerwehr waren in den Vormittagsstunden zeitweise mit 65 Mann vor Ort, um die Flammen zu ersticken. Unterstützt wurden sie von der Bosch-Werksfeuerwehr. Wegen der Lage des Brandherds im Totwinkel von Tor 5 und wegen der Dimensionen der Anlage mit einer Tiefe von über zehn Metern dauerte es rund sechs Stunden, bis der Brand gelöscht war.

Dazu trugen auch die enormen Müllmassen bei, die sich vor allem auf der linken Seite des Gebäudes 17 Meter hoch türmten. "Wir mussten Teile des Mülls herausnehmen und vor dem Müllbunker ablegen, andere auf die nicht brennnende Seite des Müllbunkers verlagern und wieder andere sofort verfeuern", schildert Stadtbrandrat Matthias Moyano die besonderen Herausforderungen des Einsatzes. Dabei ging es auch darum, die Löschwassermengen so dosiert einzusetzen, dass der Feuerungsprozess in den drei Öfen nicht unnötig aufgehalten wurde.

Auch wenn der technische Betriebsleiter Arnd Externbrink im ersten Moment geschockt war über das Feuer und die Folgen, scheint man im Zweckverband doch mit dem Schrecken davon gekommen zu sein. Die am Dienstag sofort gestoppten Müllanlieferungen können zumindest für Stadt und Landkreis Bamberg am Mittwoch wieder aufgenommen werden, sagt der kaufmännische Leiter Jochen Frank. Kleinanlieferer und Gewerbetreibende müssen wohl sich dagegen noch eine Weile gedulden, bis der Betrieb wieder wie gewohnt läuft.

Für den Hausmüll, der aus Erlangen, Erlangen-Höchstadt, Wunsiedel und Forchheim in Bamberg verbrannt wird, gelang es laut Frank kurzfristig Lösungen zu finden, sei es in der Deponie Gosberg bei Forchheim oder im Partner-Müllheizkraftwerk Coburg, so dass nirgends der Müllnotstand ausgerufen werden musste.

Selbstverständlich ist das offenbar nicht. In Deutschland herrscht wegen des allgemeinen Wirtschaftsbooms eine Müllschwemme wie lange nicht mehr. Verbrennungskapazitäten sind kaum noch irgendwo zu haben. Auch die in den letzten zehn Jahren mit einem Volumen von 70 Millionen Euro modernisierte Bamberger Anlage hat bei einer Kapazität von 134 000 Tonnen im Jahr kaum noch Luft für zusätzliche Anlieferungen. Daran dürfte sich, angesichts des Bevölkerungswachstum in der nächsten Zeit wenig ändern, schätzt Frank.

Ein Brand im Müllbunker hat im November vor genau zehn Jahren schon einmal für Schlagzeilen gesorgt: Damals chien der Brand so gut wie gelöscht, als es noch einmal zu einem Ausbruch von Flammen kam. Grund waren Glutnester, die sich unter hohen Müllschichten verborgen hatten. Einen Millionenschaden richtete ein Brand im Jahr 1995 an. Er war der Anlass für umfangreiche Nachrüstungen am Gebäude und an der Brandschutztechnik.