Oben am Berg fuchtelt der Mann mit der Sichel - wir schauen uns irritiert an. Doch Entwarnung: Der ältere Herr steht an seinem Gartenzaun und lächelt: "Wissda, wo da noo müssd?"
Wir grinsen zurück, "ja, danke. Sehr nett!" Überhaupt sind alle nett, die wir auf unserer Mountainbiketour treffen. Wir, das sind Sebastian, 29, seines Zeichens sportlicher Mountainbiker. Seinen Sommerurlaub hat er unter anderem in den Dolomiten verbracht, die er sechs Tage lang mit dem Fahrrad erstrampelt hat.

Ich selbst bin eigentlich Läuferin, Freizeitradlerin, gelegentlich auch Moutainbikerin. Wobei ich bei den Steigungen auf unserer Tour festgestellt habe, dass das "gelegentlich" doch schon ein paar Jahre zurück liegt.
Während Sebastian die Tour lässig durch radelt und mir von den Höhenmetern in den Dolomiten erzählt, geht mir am ein oder anderen Berg die Puste aus. Und ja, ich muss auch mal schieben. "Das gehört auch dazu", meint Basti. Zum Glück muss ich nur dort absteigen, wo's keiner sieht: Im Wald, auf einem steilen, unbefestigten "Trail" (englisch für "Pfad"). Als es bei einer steilen Steigung im Dorf noch mal kritisch wird, werde ich tatsächlich von Anwohnern vom Gartentisch aus angefeuert.

Auf die können Sie sich wirklich freuen, sollten Sie auch einmal die "Route 3 - Matzenstein" im Nordosten Heiligenstadts fahren. 33 Kilometer, 559 Höhenmeter und mindestens drei nette Menschen, die grüßen oder fragen, ob Sie wissen, wo Sie hinfahren müssen.
Wobei Letzteres im Grunde gar nicht nötig ist. Die etwas mehr als postkartengroßen weißen Schildchen mit dem grünen Mountainbiker daruf sind an allen wichtigen Kreuzungen aufgestellt.

Auf Abzweigungen achten

Allerdings müssen wir manchmal ordentlich bremsen, wenn plötzlich eine kleine Abzweigung vom Schotterweg abgeht. Oder ein kaum sichtbarer unbefestigter Pfad , der eben noch am Wiesenrand entlang führte, unerwartet vor einer Hecke nach links abknickt.
Aber genau deswegen fahren wir ja Moutainbike. Wiesen, Wälder, Natur, nie so recht wissen, wo einen der Weg hin führt.

Schotterwege und Wirtschaftswege lassen sich auf der MTB 3 (Abkürzung für die Route 3 auf den Schildern) nicht ganz vermeiden, ebenso wie gelegentliches Fahren auf der Straße.
Egal, welcher Streckenabschnitt, stets geht es bergauf, bergab, schließlich sind wir in der Fränkischen Schweiz. Das heißt auch: Felsen und Felsbrocken, nicht nur neben dem Pfad: Hinter Volkmannsreuth warnt uns ein Schild am Eingang zu einer längeren Trail-Passage, "Achtung Geröllabfahrt".

Die ist nicht ohne, zu schnell sollte man trotz griffiger Mountainbikereifen nicht durch die losen Gesteinsbrocken rumpeln. Zu langsam aber auch nicht, sonst verliert man das Gleichgewicht und kippt um. Diesen gefährlichsten Abschnitt der Tour sollte nur fahren, wer sicher im Gelände ist.
Das Resümee von Sport-Biker Sebastian: "Etwas verblockt, aber fahrbar. Könnte bei Nässe hart werden." Mein Resümee als Freizeitradlerin: Ich steige lieber ab und taste mich die 30 Meter am steilsten Stück vor.
Danach wird der Trail umso schöner, ein "single trail" (einspuriger Pfad) windet sich bergab durch den Wald und ein gelegentlicher kleiner Hüpfer über Steine macht Spaß.

Unten, in Veilbronn angekommen, stellt sich die Frage: Wie kommen wir zum "Naturfreundehaus" auf dem Felsen? In der Routenbeschreibung wird uns ein herrlicher Ausblick angekündigt, außerdem haben wir nach etwa der Hälfte der Strecke Hunger.
Wir fragen bei wiederum sehr netten Anwohnern nach, die gerade ihre Motorräder aufladen. "Kann man da auch mit dem Fahrrad hoch?" Kann man. Allerdings ist die kurvenreiche und steile Asphaltstraße nach Leidingshof nicht wirklich ein Spaß zum Fahren - für mich. Sebastian wartet oben. Wir stellen fest: Statt vorschnell die Route 3 zu verlassen, hätten wir wohl auch einfach auf ihr bleiben können - und vermutlich einen schöneren Weg zum Naturfreundehaus erwischt. Selbst schuld.


Mittagessen mit Talblick

Dafür entlohnt uns die Aussicht ins Tal, die in der Tat wunderbar ist - wie das Essen. Nach "Gröstl" und "eigschnittna Klöß" radeln wir aus dem Wald heraus und stehen plötzlich am Rand einer satt-grünen Wiese. Wir queren die Aufseß und geben auf einem gut fahrbaren Wiesen-Trail entlang des Tales Gas, bis es wieder bergauf in den Laubwald hinein geht.

Der Pfad führt aus dem Wald hinaus an Feldern entlang, schlängelt sich wieder an den Waldrand und mündet schließlich das letzte Stück in den nomalen Radweg.
Am Ende kommen wir wieder am Parkplatz in Heiligenstadt an. Der liegt aus Richtung Bamberg kommend direkt rechts nach dem Ortsschild. Wir wären fast vorbei gedüst.

Welche Bilanz zieht Sebastian? "Die Landschaft ist schön. Für mich als Moutainbiker hat die Route aber zu viel Schotter und Asphalt." Die seien eigentlich nur nötiges Mittel, um auf einen schönen Trail zu gelangen.
Für einen Ausflug sei die Strecke aber insgesamt gut geeignet. Das finde ich auch. Um zehn Uhr sind wir gestartet, um halb vier zurück. Eingerechnet sind Pausen zum Landschaft-Bestaunen, Fotografieren, Wanderern den Weg erklären - ja, auch wir konnten helfen. Und auch das blieb nicht aus: Eine herausgesprungene Kette, die sich dermaßen im Hinterrad meines Mountainbikes verklemmt hatte, dass es komplett heraus operiert werden musste. Diagnose von Sebastian: "fataler Schaltfehler." Noch mal ist mir das nicht passiert.

Zum Abschluss des Tages wollen wir ein Eis essen. Also fragen wir wieder - und kriegen wieder eine nette Antwort: "Da vorne in der Bäckerei. Da gibt's a selbstgemachtes."

Die drei Mountainbikestrecken in Heiligenstadt


Touren Alle drei Touren sind für sportlich ambitionierte Mountainbiker konzipiert. Im Routenverlauf sind teilweise anspruchsvollere Teilstrecken integriert. Einstiegs- und Verbindungsrouten verknüpfen das Routennetz untereinander und mit der Stadt Bamberg sowie Bahnhöfen im Regnitztal.

Route 3 Die Route "Matzenstein" im Moutainbikezentrum Heiligenstadt ist 33 Kilometer lang. Die Höhendifferenz beträgt 559 Meter.
Beschaffenheit
Die Route 3 führt über Wiesen- und Waldpfade, Wirtschafts-, Feld- und Schotterwege sowie Asphalt abschnitte.

Einkehr Es bieten sich verschiedene Einkehrmöglichkeiten an. Auf unserer Tour haben wir im Naturfreundehaus in Veilbronn Station gemacht und dort zu Mittag gegessen. Das Restaurant hat bis 30. September ab 12 Uhr geöffnet, sonn- und feiertags ganztägig. Ab Oktober ändern sich die Zeiten.