"Einen großen Peak hat es vor zwei Jahren bei uns gegeben, als die Missbrauchsfälle bekannt wurden", sagt Ulrike Siebenhaar von der Pressestelle der Stadt Bamberg. Sie spricht von den Kirchenaustritten, die nun wieder Thema geworden sind, nachdem der Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz van-Elst im Oktober bekannt geworden war.

Auch dieser Skandal hat sich auf die Zahlen in Bamberg ausgewirkt. Im Oktober sind dreimal so viele Gläubige aus der katholischen Kirche ausgetreten wie noch im September. Das belegen die Zahlen des Bamberger Standesamtes. Waren es im September nur 14 Gläubige, die aus der katholischen Kirche im Stadtgebiet ausgetreten sind, waren es im Oktober 45.

Nicht nur die katholische Kirche

Ein Grund: "Die Berichterstattung über Limburg hat im Oktober sehr zugenommen", sagt Harry Luck, Sprecher des Erzbistums Bamberg und ergänzt: "Viele, die schon länger mit dem Gedanken gespielt haben, auszutreten, haben den Schritt dann gewagt." Freude kommt im Erzbistum Bamberg darüber natürlich nicht auf. Auch wenn die Zahl der im Oktober ausgetretenen Gläubigen angesichts von über 38 000 katholischen Einwohnern keine Bedrohung bedeutet: Die Zahlen stabilisieren sich auf einem höheren Niveau.

Haben 2003 noch 271 Stadtbewohner aller Glaubensrichtungen den Weg in die Konfessionslosigkeit gewählt, waren es im November 2013 340. Die größte Zahl davon sind - oder waren - katholischen Glaubens. Dennoch ist nicht nur die katholische Kirche von den Austritten betroffen.

Ein Limburg-Effekt?

Das Erstaunliche: Es sind im Oktober auch mehr evangelische Gläubige aus der Kirche ausgetreten als gewöhnlich. Ein Limburg-Effekt?

Otfried Sperl, evangelischer Dekan in Bamberg, könnte sich das vorstellen: "Ich würde schon sagen, dass ein großer Teil derjenigen, die aus der Kirche austreten, sich innerlich schon so weit davon entfernt haben, dass sie keinen Unterschied mehr machen zwischen katholisch und evangelisch." Solch einen Effekt kenne er aber schon länger. "Das war schon die letzten Jahrzehnte zu beobachten", sagt Sperl. Es seien schon immer evangelische Gläubige ausgetreten, weil sie sich über den Papst aufgeregt hatten.

Meist wagten Leute diesen Schritt auch, wenn sie aus einer fremden Gemeinde hierher ziehen würden. "Sie vollziehen den Schritt erst in der Anonymität." Die Kirche sei dann in doppelter Weise zu spät dran: Die Leute hätten sich schon längst entschieden, dass sie austreten wollten - und dann kenne der Pfarrer, der in einem persönlichen Gespräch die Gründe der Menschen zu diesem Schritt erfahren wolle, die Leute meist schlichtweg nicht. Im Oktober sind 19 Gläubige aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Das klingt nicht nach vielen Abtrünnigen angesichts von über 13 000 evangelischen Bambergern. Doch: "Jeder Austritt ist einer zu viel", sagt Sperl.

Die Gründe bleiben oft unbekannt

Sein katholischer Kollege Gerhard Förch könnte sich vorstellen, dass die Geschehnisse in Limburg das "i-Tüpfelchen" waren für den einen oder anderen, der Kirche den Rücken zu kehren. Für die Dompfarrei könne er diesen Trend aber nicht bestätigen. "Hier haben wir erst acht Austritte in diesem Jahr", sagt der Pfarrer. Auswirkungen des Limburger Skandals kann er unmittelbar für die Pfarrei also nicht bestätigen. Tritt jemand aus, versucht auch der katholische Pfarrer telefonisch oder per Brief mit demjenigen Kontakt aufzunehmen, aber das habe laut Förch meist kaum Erfolg. Entweder stünden die Leute nicht im Telefonbuch oder sie antworteten nicht auf das Schreiben der Pfarrei. Die Gründe für einen Austritt bleiben also meist für die Kirchen unbekannt.

Bistumssprecher Harry Luck bestätigt, dass die Rückmeldungen eher spärlich sind. Er vermutet, dass die gesteigerten Austrittszahlen mit Limburg zu tun haben könnten. Die Zahlen von Mai bis September seien jedenfalls stabil gewesen. "Da stelle ich keine Veränderung gegenüber dem Vorjahr fest." Eine Veränderung gab es allerdings schon - und das ist zumindest ein kleiner Trost für die Kirche: Im September 2013 sind in Bamberg weniger Gläubige aus der katholischen Kirche ausgetreten als noch im September des Vorjahres. Da waren es doppelt so viele.

Gläubige

Aktuell sind laut den Zahlen des Standesamtes 13 729 evangelische und 38 901 katholische Einwohner mit Hauptsitz in Bamberg gemeldet.

Überblick über die Austritte aller Glaubensrichtungen in Bamberg nach Jahr

2003
sind 271 Personen aus den Kirchen ausgetreten.
2004 waren es 236
2005 204
2006 209
2007 222
2008 275
2009 321
2010 493
2011 304
2012 303
2013 340 (Stand: 7.11.2013)

Austritte katholische/evangelische Kirche in Bamberg im September und Oktober

September 2012 Oktober 2012
katholische Kirche 28 16
evangelische Kirche 14 5
September 2013 Oktober 2013
katholische Kirche 14 45
evangelische Kirche 9 15