Besonders geschwitzt haben die Schüler der sechsten Klasse am verregneten Donnerstag nicht. Das war auch gut so. Denn nach dem Rundlauf durch den Pausenhof wäre das Waschen unter der Brause nicht möglich gewesen. Im Dientzenhofer Gymnasium herrscht seit 3. Juli striktes Duschverbot.

Grund ist ein stark erhöhter Befall des Trinkwassers mit so genannten Legionellen. Diese krankheitserregenden Stäbchenbakterien wurden in "stark erhöhter Konzentration" in der Trinkwasserzufuhr der drei Sporthallen festgestellt.

Nach Angaben der Stadt Bamberg "besteht kein Grund zur Besorgnis". Das ist alles ganz normal, sagt Christian Wonka. Leiter des Immobilienmanagements. Tatsächlich scheint es sich bei den Problemen in der zweitgrößten Bamberger Schule um die direkte Folge einer Baumaßnahme zu handeln. Sie soll unter anderem dazu führen soll, dass gerade Legionellen keine Chance zur Vermehrung haben.


Drastisch über dem Grenzwert

Wie Wonka erklärt, wurde in den vergangenen Wochen in der Schule eine neue Warmwasseranlage für die Turnhallen eingebaut.Die Folge des Eingriffs: Im Wasser, das in den Leitungen nicht mehr bewegt wurde, bildeten sich Legionellen in einer weit über dem zulässigen Grenzwert liegenden Zahl von 34.000 Kolonie bildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 100 KBE.

Wenn die Diagnose der Stadtverwaltung stimmt, dann müsste das Legionellenproblem des DG schon in wenigen Wochen wieder der Vergangenheit angehören, was auch die zahlreichen Vereine freuen dürfte, die die DG-Schulturnhallen am Nachmittag nutzen.

Laut Immobilienmanagement hat die Stadt zwischenzeitlich alles getan, um den Bakterien im Leitungsnetz den Garaus zu machen. Das geht durch die chemische Keule in Form einer Druckspülung mit Chlordioxid; aber auch thermisch kann man den Keimen zu Leibe rücken. "In 14 Tagen wird wieder eine Probe gezogen, dann geben wir die Dusche frei", lautet die Prognose von Wonka. Sicher ist heute schon: Der Vorgang am Dientzenhofer Gymnasium wird kein Einzelfall bleiben. Das liegt weniger an der gewachsenen Vermehrungskraft der Legionellen, als viel mehr an der neuen Trinkwasserverordnung und der häufigeren Beprobung. Das seit Dezember 2012 gültige Gesetz schreibt nicht nur den Betreibern von Schulen, Kindergärten, Hotels oder Pflegeheimen regelmäßige Kontrollen vor, sondern auch Besitzern von Mehrfamilienhäusern und damit Vermietern sowie Wohnungsbaugesellschaften und Hausverwaltungen.

Dass Legionellen im Bamberger Trinkwasser tatsächlich in reichlicher Zahl vorkommen, wissen die Bamberger Stadtwerke, seit sie in den vergangenen Monaten Hunderte von Leitungsnetzen im Auftrag der Eigentümer untersucht haben. Das Ergebnis: Zwar wiesen 84 Prozent der geprüften Anlagen unbedenkliche Werte auf. Doch in 15 Prozent der Fälle kam es tatsächlich zu leichten und in einem Prozent zu schweren Überschreitungen des Grenzwertes.

Tritt ein solcher Schadensfall ein, greift das Räderwerk des Gesetzes. Das Gesundheitsamt muss informiert werden, eine Gefährdungsanalyse wird fällig und natürlich steht das Leitungsnetz vor einer Sanierung. Großzügig über die Legionellengefahr hinwegzusehen - dazu kann zumindest Jan Giersberg von den Stadtwerken Bamberg nicht raten - trotz des möglicherweise hohen Aufwands für die Erneuerung der Systeme. "Sollte die Gesundheit eines Mieters durch eine Kontamination beeinträchtigt werden, dann ist das gewiss kein Spaß."

Dennoch - das Risiko, sich mit Legionellen zu infizieren ist nicht so hoch, wie die seit 2013 anrollende Beprobungswelle möglicherweise annehmen lässt. "Wir haben im Raum Bamberg in den vergangenen Jahren nur ganz wenige Fälle von Legionellenpneumonie", sagt Winfried Strauch, der Leiter des Gesundheitsamts. Zu einer solchen Lungenentzündung kommt es durch die Infektion mit so genannten Aerosolen, also durch das Einatmen von Legionellen im Dampf des Duschbads. "Trinken kann man das Wasser mit Legionellen, ohne zu erkranken", weiß der Mediziner. Die Erfahrung habe außerdem gezeigt, dass große Legionelloseausbrüche durch kontaminierte Trinkwasserleitungen nicht zu befürchten seien. Die Gefahr gehe eher von Klimaanlagen und Rückkältewerken aus.

Und selbst wenn sich eine Sanierung des Leitungsnetzes als erforderlich herausstellt, so ist dies nicht immer mit Neubaumaßnahmen verbunden. Es könne schon reichen, die Vor- und Rücklauftemperatur des Boilers zu erhöhen oder die Umwälzleistung der Pumpe zu erhöhen, sagt Strauch.


Bislang keine Krankmeldungen

Im Dientzenhofer Gymnasium hat man nach Bekanntwerden des Legionellenbefunds umgehend alle Maßnahmen ergriffen, um die Schüler zu schützen. Die betroffenen Duschen sind seither nicht mehr zu betreten, die Freigabe steht noch aus. Eine positive Nachricht: Krankmeldungen hat es bislang noch nicht gegeben, wie Schulleiterin Brigitte Cleary sagt.

Die derzeit vorliegenden Erkenntnisse deuten laut Stadt nicht darauf hin, dass die drastische Vermehrung von Legionellen im Leitungsnetz der Turnhallen der sichtlich in die Jahre gekommen technischen Ausstattung zuzuschreiben ist. Die Bildungseinrichtung, die bald 50 Jahre auf dem Buckel hat, leidet bekanntlich unter einem massiven Sanierungsstau - vergleichbar dem im Kaiser-Heinrich-Gymnasium. Wie Susanne Lohneiß sagt, weiß die Schulleitung manchmal gar nicht mehr, welche Löcher sie zuerst stopfen soll. Mal sind es die Fenster, die streiken, mal ist es das Flachdach, das dem Regen nicht trotzen kann, oder es sind die durchgerosteten Stahlstützen einer Remise, die ausgetauscht werden müssen. Das Problem ist erkannt, auch wenn es bis zu seiner Beseitigung wohl noch viele Jahre dauern dürfte. Immerhin: Während in den nächsten Jahren das Clavius-Gymnasium runderneuert wird, will Bürgermeister Christian Lange (CSU) einen Schulentwicklungsplan für alle Bamberger Schulen auf den Weg bringen. Schon heute steht freilich fest, dass die Sanierung der beiden großen Gymnasien viele Millionen Euro binden und lange Debatten auslösen wird. Der Ärger mit den Legionellen ist dagegen eine Kleinigkeit.