• Mega-Projekt in Bamberg: Neues Stadtviertel "Lagarde" auf altem US-Army-Gelände
  • Über 2000 Menschen sollen hier wohnen: Projektentwickler versprechen bezahlbaren Wohnraum 
  • Zwei Kitas, vier Parkhäuser und Geschäfte: "Lebenswerter Ort mit Zukunft"
  • Stadtviertel soll eigenes Kraftwerk bekommen: Untergrund dient als Energiespeicher 

In Bamberg entsteht komplett neues Stadtviertel auf altem Army-Gelände - erste Bewohnende sollen schon im Herbst 2022 einziehen: Der Bamberger "Lagarde-Campus" ist laut Stadtwerke eines der "größten innerstädtischen Infrastrukturprojekte Deutschlands". Zwischen Weißenburgstraße, Zollnerstraße und Berliner Ring entstehen Miet- und Eigentumswohnungen für über 2000 Menschen, auch Bauplätze für Hausprojekte sind vorhanden. inFranken.de stellt das Mega-Projekt vor - und verrät, wie Interessierte sich als künftige Bewohnende bewerben können. 

Neues Stadtviertel in Bamberg: So viel kosten die Mieten auf "Lagarde"

Das neue Viertel besteht aus verschiedenen Wohnanlagen, die von unterschiedlichen Investoren gebaut und verkauft beziehungsweise vermietet werden. Die meisten Wohnungen befinden sich im Westteil des insgesamt 20 Hektar großen Geländes. Auf 45.000 Quadratmetern entstehen nördlich des Bereitschaftspolizeireviers die "Lagarde-Höfe", die von der Volksbau Bamberg gebaut werden. "Wir planen und bauen bezahlbaren Wohnraum, denn wir haben die Zeichen der Zeit erkannt und bieten mit unserer Idee 'Wohnen für Alle' ein zukunftsorientiertes Gesamtkonzept", beschreibt die Immobilienagentur ihre Version. 

Die Volksbau Bamberg baut dort insgesamt 330 Wohnungen. 85 davon sind geförderte Mietwohnungen mit Wohnberechtigungsschein für Menschen mit niedrigem Einkommen, wie Projektmanager Andreas Hirt gegenüber inFranken.de  erklärt. 80 Wohnungen seien "preisgedämpft". Hier bewege sich der Mietpreis im Rahmen von 10,50 Euro kalt pro Quadratmeter. Außerdem ständen drei Grundstücke für Baugemeinschaften mit Flächen von über 1200 Quadratmetern zum Verkauf. "Die Bewerber reichen ein Konzept ein, das bestimmte Bedingungen erfüllen muss", so Hirt. Dazu zählt unter anderem eine Solaranlage. Die Bewerbung über die Internetseite beginnt am 09.07.2021, auch Mietanfragen können hier gestellt werden. 

Die ersten Mieter*innen sollen bereits Ende Herbst 2022 in die "Lagarde-Höfe" einziehen, so Hirt. Im Norden des Geländes baut der Immobilienentwickler Instone derweil 237 Wohnungen, 47 Wohnungen davon gefördert. "190 Wohnungen sind für den freien Markt geplant. Wie sich diese 190 Wohnungen in Mietwohnungen bzw. Eigentumswohnungen aufteilen, steht noch nicht fest", so Sprecher Jens Herrmann. Auch zu den Mieten könne man noch keine Aussage treffen. Der Ersteinzug sei für Anfang 2025 geplant. Entlang der Zollnerstraße will die P&P-Gruppe die dortigen Altbauten modernisieren und - so die Stadt Bamberg - zu Stadthäusern und Mikroapartments umwandeln. Noch laufen allerdings Investorengespräche. 

Zwei Kitas, Supermarkt und Gastronomie: Das ist in Bambergs neuem Stadtviertel geplant

Auf dem Lagarde-Campus sollen auch zwei neue Kinderbetreuungseinrichtungen entstehen. In der Weißenburgstraße plant die Stadt die Eröffnung eines Montessori-Kindergartens mit 24 Krippen- und 50 Kindergartenplätzen. Eine weitere Kita soll auf dem Gelände der "Lagarde-Höfe" entstehen, wie Projektmanager Andreas Hirt erklärt. Die Kita soll Anfang 2023 eröffnen, genauere Informationen zur Anzahl der Plätze und zum Betreuungskonzept kann Hirt noch nicht nennen. Allgemein sollen die "Lagarde-Höfe" sich auch von den Grundrissen der Wohnungen her an den "Bedürfnissen von jungen Familien" orientieren, heißt es in der Projektbeschreibung. 

Gleichzeitig plant die Immobilienagentur einen "großzügig angelegten Quartiersplatz mit kulturellen Angeboten, Gemeinschaftsräumen und Gästewohnungen". Ein Teil des Geländes sei auch für Gewerbeflächen vorgesehen. "Dort kommen Büros, Einzelhandel, Ateliers und Werkstätten hinein", sagt Hirt. Und verrät: "Ein Supermarkt ist nicht angedacht, dafür aber ein Backshop." Auf dem Teil des Geländes, dass der Investor Instone bebaut, wird hingegen "vom Nahversorger über Cafés, Bistros, Büros und kleinere Läden alles für den täglichen Bedarf vorhanden" sein, so die Stadt in einem Lagebericht von 2020. Welche Händler und Gastronomen hier einziehen sollen, ist laut Instone-Sprecher Herrmann aber noch nicht klar. 

Sicher ist hingegen, dass Bamberg an der Ecke Berliner Ring/Zollnerstraße neben einem neuen Start-up-Zentrum, das Gründer*innen berät, auch sein eigenes "Medical Valley" bekommt. Hier ziehen sowohl ein Ausbildungszentrum der Bamberger Sozialstiftung ein als auch Fraunhofer und eine Beratungsfirma für digitale Medizin. Den größten Bereich stellt aber ein neues Demenz-Zentrum dar, das spätestens Anfang 2025 eröffnet werden soll. Hier sollen 120 "hochmoderne, stationäre Pflegeplätze" entstehen, an denen auch Robotersysteme der Forschenden eingesetzt werden, wie aus einer Vorlage der Bamberger Verwaltung hervorgeht. 

Neues Bamberger Stadtviertel "Lagarde": Vier Parkhäuser, aber weniger Autos 

Auch die Stadtwerke Bamberg haben große Pläne mit dem neuen Stadtviertel. Insgesamt wollen sie drei von vier Parkhäusern in dem neuen Viertel bauen. Allerdings sollen nur noch maximal 80 Prozent der Bewohnenden ein eigenes Auto nutzen, wie Sprecher Jan Giersberg gegenüber inFranken.de sagt. "Im Durchschnitt wird es viel weniger Parkplätze geben als in normalen Quartieren." Wer auf "Lagarde" auf einen Stellplatz verzichtet, erhält für 20 Jahre eine ÖPNV-Karte für das gesamte Bamberger Stadtgebiet. "Es gibt außerdem genügend Bike- und Carsharing-Angebote vor Ort, damit Sie immer das Fahrzeug haben, dass sie gerade benötigen", so Giersberg. "Das Auto steht nicht mehr vor der Tür, kostet und nimmt Platz weg. Dafür gibt es Grünflächen."

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Grün soll auch die Energieversorgung im neuen Bamberger Stadtviertel sein. Deshalb verlegen die Stadtwerke auf einem Großteil des Geländes sogenannte Kollektoren in der Erde, erklärt der Sprecher. Diese sammeln die Wärme, die dann über Pumpen in den Gebäuden das Wasser für Heizungen und Wasserleitungen der Bewohner erhitzen. Der Strom hierfür wird - so der Plan - über zahlreiche Solaranlagen auf den Dächern der "Lagarde"-Gebäude erzeugt. "Wir bauen eine Energiezentrale auf dem Gelände, in der Batterien überschüssigen Strom sparen." Auch ein Teil des Mieterstroms werde über Solar erzeugt. "Lagarde ist aber ganz normal an unser Stromnetz angeschlossen, also kann zu 100 Prozent Ökostrom bezogen werden", so Giersberg. 

Direkt neben der Energiezentrale: Das neue "Kulturquartier" im Stadtviertel. Erst im April wurde entschieden, dass die alte Posthalle auf dem Gelände komplett saniert und Kreativschaffenden zur Verfügung gestellt werden soll. Picknickplätze, Sportgeräte und ein Kulturcafé sorgen laut Plan für "eine kulturell bespielte, aktive und attraktive Quartiersmitte". Aktuell laufen Diskussionen, wie das Ganze letztendlich genutzt werden soll. Auch im Osten des Geländes, wo die Generalstaatsanwaltschaft seit 2015 gegen Internet-Kriminelle ermittelt, will die Stadt einen Investor für neue Wohnungen in Bamberg-Lagarde anwerben. Dort läuft laut einem Verwaltungspapier von Anfang Mai gerade das Vergabeverfahren. 

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