Söder will Mini-Atomkraftwerk in Bayern - Idee als "absurd" kritisiert

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Söder will Mini-Atomkraftwerk in Bayern - Idee als "absurd" kritisiert
Markus Söder: Keine «Moralprediger am Spielfeldrand». (Archivbild)
Söder will Mini-Atomkraftwerk in Bayern - Idee als "absurd" kritisiert
Kay Nietfeld/dpa

Markus Söder möchte in Bayern Energiegewinnung durch Atomenergie verfolgen. Der Vorstoß löst Empörung bei anderen Parteien aus.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bringt sein Bundesland für ein Pilotprojekt mit einem sogenannten Mini-Atomkraftwerk ins Spiel. "Bayern ist bereit für ein Pilotprojekt", erklärte der CSU-Chef gegenüber der Bild am Sonntag. Söder unterstrich erneut seine bereits länger vertretene Meinung, dass Deutschland wieder auf Kernenergie setzen sollte. "Kernenergie 2.0 bedeutet kein Zurück zu alter Technik, sondern ein neues Kapitel ohne die früheren Gefahren. Dazu zählen neuartige modulare Kleinreaktoren und die Kernfusion."

Als Brennstoff möchte Söder Atommüll nutzen. Deutschland hatte seinen Atomausstieg im Jahr 2000 eingeleitet und nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 beschleunigt. 2023 ging der letzte Reaktor vom Netz. In der Bundesregierung aus Union und SPD ist das Thema Atomkraft umstritten.

Mini-Atomkraftwerke in Bayern? Beispiele aus anderen Ländern ernüchternd

Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Nina Scheer betont in den sozialen Medien die "mangelnde Kontrollierbarkeit" der Atomenergie und verweist auf die Katastrophe von Fukushima 2011. "Klar ist: Atomenergie ist die teuerste Form der Energiegewinnung, der Bau neuer Kraftwerke dauert oft Jahrzehnte und die Mehrheit aller UNO-Staaten kommt ohne Atomenergie aus - so auch Deutschland", lautet ihr Standpunkt. Gegenüber der Rheinischen Post bezeichnete sie Söders Vorstoß als "absurd".

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Julia Verlinden, betont ebenfalls die Kostspieligkeit und riskante Technologie und verweist auf erneuerbare Energien als "Antwort für Energiesouveränität, Verlässlichkeit, Wertschöpfung vor Ort und günstige Strompreise". Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte kürzlich, die Abkehr von der Atomkraft sei ein strategischer Fehler gewesen. Zugleich vertrat er die Auffassung, dieser Beschluss sei irreversibel.

RTL verweist in einem Bericht auf die Internationale Energieagentur, nach der derzeit zwei kleine Kernkraftwerke in Russland und China in Betrieb seien. Die verfügbaren Informationen zeigten jedoch, dass diese bisher weder zuverlässig noch wirtschaftlich arbeiteten. Auch in den USA und Argentinien gebe es Pläne für solche Reaktoren. Wie in vielen anderen Ländern werde dort schon seit Jahrzehnten an ähnlichen Konzepten geforscht - bislang jedoch ohne entscheidende Fortschritte.

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