Bamberg — Eine Großbaustelle vor ihrer Haustüre in der Magazinstraße: Da konnte Gertrud Fuchs nicht widerstehen. Sie musste die Bauleitung um Erlaubnis bitten, das ehemalige Schaeffler-Gelände betreten zu dürfen. Mit Bauhelm, festem Schuhwerk und auf eigene Verantwortung darf sie hinter dem Bauzaun arbeiten.

Seit Mai war sie an vielen Tagen dort und hat Teilabriss und Umbau auf ihre Art dokumentiert. Geborstene Glasscheiben, einstürzende Mauern, Bagger mit gefräßigen Schaufeln, Männer in Körben, die von Kranen in die Höhe gehievt werden, Schlauchleitungen für Beton, Bauschutt, Personen die mit Plänen in der Hand herumstehen: Nichts, was auf der Baustelle passiert ist, war vor ihrem Zeichenstift sicher.
"Baustellen haben mich schon als Kind interessiert", sagt Gertrud Fuchs.

Inzwischen macht die 70 Jahre alte Bambergerin, die in München die Akademie der Künste und in Frankfurt die Städelschule besucht hat, die mit einem Designer und Künstler verheiratet war und deren Kinder Daniel, Ekkehard und Irene ausnahmslos künstlerische Berufe ergriffen haben, eine Winterpause auf der Schaeffler-Baustelle. Die Zusage, dass eine Auswahl ihrer Bilder - die Serie umfasst unzählige Blätter - zur Eröffnung ausgestellt werden, hat sie schon.
Die Zeichnungen tragen keine Titel. Das Bild unten links zeigt Gertrud Fuchs mit einer Skizze auf der Baustelle. gg