Es ist, als ob der Künstler auch in seinem Äußeren seine Kunst visualisieren möchte. Schlicht in Schwarz und Weiß gekleidet, mit unauffälligem Haarschnitt, steht Robert Stark im Kunstraum Kesselhaus. Er erinnert dabei an Auftreten und Outfit der Musiker von "Kraftwerk". Nein, überbordende oder expressive Emotionalität ist die Sache des 1974 in Augsburg geborenen Künstlers nicht.

Deshalb ist der Kunstvereins-Vorsitzenden Barbara Kahle auch zuzustimmen, wenn sie den Kontrast von "Material und Masse" zur Jahresausstellung ihres Vereins "implicit touch" in der Villa Dessauer herausarbeitet: "Ein größerer Gegensatz ist kaum denkbar." Die Sockel-skulpturen Starks - auch der Name ist kurioserweise schlicht und unspektakulär - sind geprägt von Rationalität, formalistisch in ihrer blütenweißen Unschuld. Sie sind entstanden aus architektonischen Studien des Künstlers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hat und zum Stipendiatenjahrgang 2009/10 des Künstlerhauses Villa Concordia zählte. Ideal ist deshalb der Kunstraum als Standort für die Raumkunst Starks, das Rohe, Derangierte, zum Teil Demolierte als Gegensatz zu den klaren Formen der Skulpturen.

Man assoziiert dabei Monumentalbauten der dreißiger Jahre, neoklassizistische Architektur des italienischen und deutschen Faschismus, aber auch des russischen Stalinismus. Eingehend beschäftigte sich Stark mit dieser Stilistik und auch mit der Neuen Sachlichkeit der Zwanziger, mit Bauhaus, mit einer gewissen rationalen "Kälte" als Antipode zu einer als gefährlich empfundenen Emotionalität - was angesichts des "Höllensturzes" (Ian Kershaw) der Epoche nicht allzu weit hergeholt ist. Dennoch reklamiert auch der Laudator Stephen Craig eine Distanz zu allen Kunstrichtungen, auch zur Minimal Art. Es entsteht eine Ästhetik der Abstraktion, der Präzision auch, indem Stark seine Skulpturen mit filigranen Tragwerken und Schlitzen ausstattet. Besonders reizvoll ist die Korrespondenz dieser Formen mit den schrundigen Wänden des Kesselhauses. Nicht von ungefähr hängen einige der Werke Starks weit über Kopfhöhe oder stehen im Souterrain, Distanz als Effekt.

Das ganz Andere wiederum bietet ein düsterer Kabuff, ein Appendix des Kunstraums. In hölzernen Rahmen sind Fotografien zu sehen. Das heißt, es sind nicht einfach Fotografien. Stark hat norwegische Industriebauten in verschiedenen Stadien des Zerfalls fotografiert und die Bilder mit einem minderwertigen Fotokopiergerät vervielfältigt. Entstanden sind verpixelte, fremd und irgendwie "falsch" außerirdisch aussehende Schemen, die nur mit einiger Fantasie noch Architekturen erkennen lassen. Man könnte auch an Wüsten- oder Ruinenlandschaften denken.

So stellt sich auch hier wieder der Zusammenhang mit dem Interesse des Künstlers an architektonischen Gebilden in Korrespondenz mit dem Ambiente ein.

Wie meist bei moderner Kunst erschließen sich diese Interpretationen nicht automatisch. Das Gespräch zwischen der Architektin Ursula Sowa und Robert Stark am 18. August dürfte daher sehr aufschlussreich sein.

"Robert Stark - Material und Masse" ist zu sehen im Kunstraum Kesselhaus, Eingang Leinritt, Fr. 15-18 Uhr, Sa./So. 11-18 Uhr, und nach Vereinbarung info@kunstverein-bamberg.de. Künstlergespräch mit Ursula Sowa Fr., 18. August, 18 Uhr