Die vom Lärm geplagten Anlieger an den Autobahnen A73 und A70 dürfen sich rund um das Kreuz Bamberg immer berechtigtere Hoffnungen auf einen verbesserten Lärmschutz machen. Am Montag, 12, Juni, hat die Autobahndirektion Nordbayern in Memmelsdorf mögliche aktive Lärmschutzmaßnahmen vorgestellt, auf die zahlreiche Anwohner vor allem der Gemeinden Memmelsdorf, Gundelsheim sowie der Stadt Bamberg nach Berechnungen der Behörde Anspruch haben. Eine Umsetzung könnte für 2020 beziehungsweise 2021 realistisch sein, ließ der Bayreuther Dienststellenleiter Thomas Pfeifer durchblicken.

So soll entlang des Autobahnkreuzes Bamberg ein neuer Flüsterasphalt eine Verbesserung des Lärms um 3 dB(A) gegenüber dem derzeit bestehenden Belag bringen. Laut Planer Robert Perkams von der Direktion entspreche dieser Wert einer Halbierung des Verkehrsaufkommens. Weiterhin sollen Lärmschutzwände, die an manchen Stellen gut 14 Meter in die Höhe wachsen könnten, für mehr Ruhe sorgen.


Genug Anspruchsberechtigte

Dazu muss der Bund grünes Licht geben. Die Autobahndirektion will die Unterlagen in diesem Sommer einreichen. Nach der haushaltsrechtlichen Genehmigung könne das Planfeststellungsverfahren (voraussichtlich 2019) ins Rollen gebracht werden. "Wir unterhalten uns über ein Kostenvolumen von 20 Millionen Euro - das sind keine Peanuts", so Pfeifer.

Der Bund muss für eine Genehmigung die Berechnungen der Autobahndirektion bestätigen und den wirtschaftlichen Aufwand für eine Verbesserung anerkennen. Doch ist man bei der Behörde zuversichtlich: "Wir sind guter Hoffnung, bisher ist jedes Projekt dieser Art vom Bund aufgesetzt worden."

Die Anzahl der Anspruchsberechtigten ist laut der Erhebung der Direktion insgesamt groß genug, um einen aktiven Lärmschutz zu begründen: Im Memmelsdorfs Ortsteil Lichteneiche hat die Behörde an 64 Häusern entlang der A 73 eine Überschreitung der Grenzwerte festgestellt. In Gundelsheim sind es 43 Anwesen, im Bamberger Stadtteil Kramersfeld entlang der A70 sind es 38 Gebäude, am Borstig in Hallstadt sind es drei Anwesen, allerdings kommt für diese wohl nur passiver Lärmschutz, sprich Schallschutzfenster, in Frage.


Flugplatz ist Tabuzone

Die Lärmschutzwände bei Lichteneiche, Gundelsheim und Kramersfeld sollen jeweils rund zwei Kilometer lang werden. In Gundelsheim soll die Abschirmhöhe der Wände ab Fahrbahn zwischen vier und 7,15 Meter betragen. Bei Kramersfeld könnte die Abschirmhöhe auf bis zu 14 Meter anwachsen. Ebenso hoch könnten die Lärmschutzwände bei Lichteneiche werden und auf den letzten oberen vier Metern transparent gehalten werden, um die Sonneneinstrahlung zu gewährleisten. "Der Flugplatz ist Tabuzone, wo wir den Lärmschutz nicht nach oben wachsen lassen können", schränkt Ingenieur Perkams ein.

Der Lärm soll stark zurückgehen, zum Teil für die betroffenen Gebäude weit unter die Grenze von 59 dB(A) am Tag bzw. 49 dB(A) in der Nacht fallen.

Die Bürgermeister Gerd Schneider (Memmelsdorf), Jonas Merzbacher (Gundelsheim) und Thomas Söder (Hallstadt) sowie CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner begrüßten die gute Zusammenarbeit mit der Direktion. Durch den frühzeitigen Austausch könne Zeit und Geld gespart werden, so die einhellige Meinung. Natürlich seien noch Abstimmungen bei der Gestaltung nötig, doch sei man auf einem guten Weg.

Direktionschef Pfeifer kündigte an, dass mit dem Lärmschutz die Brücken am Autobahnkreuz Bamberg "in einem Paket" saniert werden sollen.


Lärmvorsorge - nicht voraussehbare Wirkung

Voraussetzung Zentral ist für den Rechtsanspruch auf nachträglichen Lärmschutz die "nicht voraussehbare Wirkung" der Deutschen Einheit. Diese hat ein Verkehrsaufkommen erzeugt, das in der damaligen Planfeststellung nicht absehbar war. Häuser müssen außerdem vor der Auslegung der Straßenplanung vorhanden gewesen sein, die damals gültigen Grenzwerte (Tag: 62/Nacht: 52 dB(A)) überschritten werden.

Alte Zahlen Als das Kreuz Bamberg, wo A70 und A73 zusammentreffen, genehmigt worden war (1985), waren auf der A73 bis zu 20.000 Fahrzeuge pro Tag und auf der A70 rund 12.500 Fahrzeuge pro Tag prognostiziert worden.

Neue Zahlen Bei einer Verkehrszählung 2015 wurden auf der A73 allein zwischen dem Kreuz Bamberg und der Anschlussstelle Memmelsdorf 57.000 Fahrzeuge pro Tag gemessen. Auf der A70 sind es zwischen der Anschlussstelle Bamberg und dem Autobahnkreuz über 43.000 Kraftfahrzeuge am Tag.