Wir lesen nchit Bcuhtsbae für Bcuhtsbae eniz len, snodren Wröetr als Gnaezs. Wenn der erste und der letzte Buchstabe in einem Wort am richtigen Paltz sind, ist es egal, in wlehcer Rienhnelfoge die rsetlcihen Bcuhtsbaen sethen. Das Gehirn ergänzt und korrigiert auch großen Bölsdinn zu einem Sinn.

Deshalb werden auch Tippfehler leicht überlesen. In unsere Überschrift und den ersten Absatz haben wir bewusst 15 Fehler eingebaut. Besonders schwierig ist es, Fehler in eigenen Texten zu finden, denn das Gehirn registriert nicht unbedingt das, was da wirklich steht. Sondern das, was wir glauben, geschrieben zu haben. Wir haben eine Autokorrektur im Kopf. Damit in dieser Zeitung möglichst wenig Fehler landen, muss sie gelesen werden, bevor sie gedruckt wird.



Um 15 Uhr fangen bei dieser Zeitung die ersten Korrekturleser an. Im Lauf des Abends werden die meisten Texte in den Redaktionen von den Rechtschreib-Experten gelesen, mit Korrekturen versehen und an die Redakteure zurückgegeben, damit die Fehler vor dem Druck ausgebessert werden.

Trotzdem rutschen immer wieder Fehler durch. Oft landen Artikel gar nicht auf dem Korrektorentisch, weil sie sehr aktuell erstellt werden. Weil sich die Stadtratssitzung zum Beispiel sehr in die Länge gezogen hat. Oder weil etwas so spät und so weit weg passiert ist, wie das Selbstmordattentat am Dienstag in Istanbul. Als um kurz vor Mitternacht ein Artikel dazu fertig war, hatten die Korrekturleser schon lange Feierabend.


Die Obsession der Mutter

Sebastian Bischof ist einer dieser Korrekturleser unserer Zeitung. Für den 28-Jährigen ist Rechtschreibung eine persönliche Sache. Familiär bedingt. Er erzählt, wie seine Mutter einen vor Fehlern strotzenden Kassenzettel beim Metzger bekam. "Sie ist obsessiv, was so was angeht - aber es waren auch sieben oder acht Fehler!" Die Mutter brachte dem Metzger den korrigierten Bon und überzeugte ihn, die Schreibweisen in seinem Kassensystem anzupassen.

Mit der Rechtschreibreform vor 20 Jahren hatte Bischof nie ein Problem. "Ich hab's ja nur so gelernt", sagt der 28-Jährige, der gerade seinen Abschluss in Psychologie gemacht hat. Während des Studiums hatte er begonnen, als Korrekturleser für diese Zeitung zu arbeiten.

Mit zwei Kollegen sitzt er in der Zentralredaktion in der Bamberger Gutenbergstraße, wo die meisten Seiten fertig produziert werden. Gerhard Langer und Martin Dippold sind heute mit von der Partie. Die Texte kommen aus unterschiedlichen Quellen: von eigenen Reportern aus den Redaktionen vor Ort, von freien Mitarbeitern, Nachrichtenagenturen, Institutionen und Pressestellen. In der Zentralredaktion arbeiten Journalisten, die als "Blattmacher" das Material auswählen, Texte bearbeiten, kürzen und ergänzen. Fertige Seiten drucken sie aus und bringen sie an den Tisch der Korrektoren.

Die Arbeitsabläufe haben sich in allen Medienhäusern in den vergangenen Jahrzehnten komplett verändert, und in Folge der Digitalisierung fielen auch die ursprünglichen Korrektorats-Abteilungen weg. Computertechnik beschleunigte vieles und die Rechtschreibreform verunsicherte Schreiber und Leser gleichermaßen. Alles zusammen führte zu einem teils gefühlten, teils tatsächlichen Anstieg der Fehlerquote.


Mit Lineal und Kuli

Die Zeitung unternimmt viel, um dies in den Griff zu bekommen, beispielsweise gibt es ein redaktionseigenes Regelwerk, das den Duden dort ergänzt, wo die Rechtschreibreform Zweifelsfälle produziert hat. Am Wichtigsten sind aber die Korrekturleser.

Martin Dippold hat 2010 damit begonnen, als in Bamberg diese neue Form des Korrektorats eingeführt wurde. Der 45-Jährige hat slawische Sprache und Literatur studiert, an der Uni gearbeitet, auch in einem Verlag Publikationen bearbeitet. Das Faible für Rechtschreibung hat bei jedem Korrekturleser einen anderen Ursprung. Und jeder liest anders. Dippold rutscht sein Lineal Zeile für Zeile über das Papier, Bischof hält locker einen Kuli an die Stelle, die er gerade liest. Alle schweigen konzentriert. Sie finden täglich falsche oder fehlende Kommata, Buchstabendreher oder Trennungsfehler, die das Computerprogramm am Ende einer Zeile produziert.