Mal fehlen ihm wichtige Informationen, mal kommt ein angeforderter Rettungswagen nicht - für den Rettungssanitäter Rainer K. (Name geändert) knirscht es manchmal bei der Zusammenarbeit mit der Integrierten Leitstelle (ILS) Bamberg-Forchheim. Zwar werde der überwiegende Teil der Einsätze von der Leitstelle Bamberg professionell und routiniert bearbeitet. Es gebe aber auch "immer wieder Kommunikationsprobleme und Einsätze, die besser hätten laufen können".

K. nennt ein Beispiel: Wenn etwa Feuerwehrkräfte, die bei einem Verkehrsunfall vor dem Rettungsdienst an der Einsatzstelle sind, über den Feuerwehrkanal erste Informationen zum Zustand der Patienten an die Leitstelle übermitteln, bleibe die Besatzung des Rettungswagens zunächst uninformiert.

ILS-Geschäftsführerin Christine Feldbauer erklärt dazu, dass die Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst an verschiedenen Tischen bearbeitet werden. Die Disponenten stünden dabei zwar in ständigem Austausch. Gleichzeitig müssten aber mehrere Kommunikationsstränge per Funk und Telefon bedient werden. "Es kann in der Hektik schon mal vorkommen, dass dabei Details auf der Strecke bleiben", sagt Feldbauer. Auch die bayernweit vorgegebene Technik mache es nicht möglich, dass ständig alle in Echtzeit auf dem gleichen Stand sind.

Notarzt oder nicht?

Der Rettungssanitäter K. beklagt außerdem, dass "zu Einsätzen, wo Rettungswagen und Notarzt sonst gemeinsam anfahren, nur der Rettungswagen alarmiert wird, obwohl beim Anruf bereits erkennbar gewesen wäre, dass der alleine nicht ausreichend ist". So dürfe im Regelfall nur ein Notarzt Medikamente verabreichen. Für Feldbauer ist "keineswegs immer beim Anruf schon erkennbar, dass ein Notarzt erforderlich ist". Ihre Disponenten werteten die Informationen der Anrufer aus, zögen dabei den Notarzt-Indikationskatalog zu Rate und entschieden dann. "Die Kapazitäten in der Notfallversorgung sind nicht so großzügig bemessen, dass man immer alles einsetzen kann. Vielleicht war also gerade kein Notarzt verfügbar", vermutet Feldbauer.

Laut K. sei auch ein anschließendes Gespräch mit den Mitarbeitern der ILS nicht möglich. Diese hätten keine Zeit und fühlten sich gleich angegriffen. Das stellt für die ILS-Geschäftsführerin einen Ausnahmefall dar: "Ich habe oft beobachtet, dass meine Disponenten mit den Kollegen vom Rettungsdienst Einzelgespräche in der Leitstelle oder am Telefon führen."

Der Rettungssanitäter bemängelt zudem, dass wenn die Polizeieinsatzzentrale einen Einsatz erstellt und an die Rettungsleitstelle weitergibt, diese kaum die Möglichkeit habe, weitere Informationen zu gewinnen. "Stimmt so nicht", erwidert Feldbauer. "Wenn die Polizeieinsatzzentrale einen Einsatz aufnimmt, verbindet sie das Gespräch in der Regel an die ILS weiter und bittet den Anrufer, in der Leitung zu bleiben." Dann könne die Person, die den Anruf entgegennimmt, Fragen stellen und die nötigen Informationen für die Einsatzlenkung einholen. Das klappe nur ausnahmsweise nicht. "Ein häufiger Grund mag sein, dass der Anrufer lieber helfen will und auflegt."

Polizeikommissar Alexander Krapp von der Polizeiinspektion Bamberg-Land beschreibt es so: "Die ILS kann uns Einsätze direkt aufs Tablett schicken und umgekehrt auch. Daneben stehen wir in telefonischem Kontakt, die Leitstelle kann nachfragen und macht auch davon Gebrauch." Krapp weist auf halbjährliche Treffen mit Vertretern von Rettungsdiensten, Feuerwehren und ILS hin, bei denen auch Einsätze nachbesprochen und mögliche Missverständnisse aufgeklärt werden sollen. "Freilich kann es immer mal sein, dass etwas nicht optimal läuft oder eine Situation vielleicht nicht gleich richtig eingeschätzt wird. Aber eine grundsätzliche Problematik sehe ich nicht. Das könnten wir uns auch gar nicht leisten."

K. verweist jedoch auf einen Fall aus dem Vorjahr. Seine Kollegen wurden mit der Meldung alarmiert: Verkehrsunfall, eine Patientin nicht ansprechbar. Entsprechend wurde der Notarzt und auch nur ein Rettungswagen zum Unfallort geschickt. Dort stellte sich die Situation aber viel dramatischer dar: Zwei komplett zerstörte Fahrzeuge, in einem befand sich die völlig hysterische Fahrerin, um die sich die Besatzung des Rettungswagens kümmerte. Im zweiten Pkw saß eine Frau mit drei kleinen Kindern. "Auch wenn keine äußeren Verletzungen zu erkennen waren, mussten die Kollegen aufgrund des Gesamtbildes am Unfallort davon ausgehen, dass auch die vier Personen im zweiten Fahrzeug schwerverletzt sind." Entsprechend sei ein weiterer Rettungswagen, alternativ zwei Krankenwagen, zum Unfallort nachgefordert worden. Geschickt habe die Rettungsleitstelle aber lediglich einen Krankenwagen. In dem konnte nur die Mutter mit zwei Kindern transportiert werden. Das dritte Kind fuhr im Privat-Pkw des Vaters, der mittlerweile an der Unfallstelle eingetroffen war, dem Rettungswagen und dem Krankenwagen hinterher.

Für Christine Feldbauer ist es schwierig, auf diesen Fall einzugehen, dessen konkrete Hintergründe sie nicht kenne. "Wie war das Lagebild in der ILS? War ein zweiter Rettungswagen überhaupt verfügbar?" Wenn gerade mehrere Einsätze parallel laufen, müssten ihre Kollegen improvisieren und gelegentlich auf das zurückgreifen, was eben da ist. "In aller Regel reicht das aus. Wo das nicht der Fall ist, kommt Druck auf. Das ist schon klar." Ein Notarzt, der den von K. beschriebenen Fall kennt, sagt: "Das lief ein bisschen ungünstig. Da war zu dem Zeitpunkt wohl kein anderes Auto greifbar und das ist dann auch nicht kommuniziert worden." Ansonsten sei er aber nicht unzufrieden mit der Kommunikation mit der ILS. "Wie überall, wo Menschen arbeiten, passieren auch Fehler. Aber man kann nicht sagen, dass das ständig der Fall ist und sich wie ein roter Faden durchzieht", sagt der Notarzt.

Auch K. wisse, wie schwer es die Mitarbeiter der Leitstelle haben: "Da ruft ständig jemand an, vom Igel auf der Straße bis zur lebensbedrohlichen Situation. Und viele Anrufer können nicht gut formulieren, wie ernst die Lage wirklich ist." Er sieht dennoch Handlungsbedarf: "Wenn es in den Abläufen manchmal knirscht, müssen wir gemeinsam darüber sprechen können und Dinge verändern."

So sieht es auch die ILS-Geschäftsführerin: "Wenn er das Gefühl hat, dass er mit einzelnen Disponenten nicht sprechen kann, kann er sich immer noch an seine Führungsetage wenden, die sich dann mit der Leitstellenleitung oder mir zusammensetzen wird." Treffen mit den Leitern Rettungsdienst der Hilfsorganisationen gebe es ja bereits. Dabei könnten durchaus auch Einzelfälle aufgegriffen werden, man arbeite zusammen an Verbesserungen.

Auch wenn es gelegentlich mal knirsche, könne sie daraus aber kein systematisches Problem ableiten. Ihre Leute wüssten genau, dass sie mit ihrer Arbeit Patienten vor gesundheitlichen Schäden oder Schlimmerem bewahren. "Und sie machen ihren Job in aller Regel sehr gut. Wenn es im Einzelfall mal menschelt oder einfach besser gemacht werden kann, dann bin ich dabei. Und meine Kollegen auch."