"Herzlichen Dank! Es ist ein Wahnsinn in dieser verrückten Zeit, dass hier der Mut für solche Veranstaltungen aufgebracht wird. Da muss man den Hut ziehen, an solche Abende wird man sich noch lange erinnern", wirkte selbst ein Bühnen-Profi wie Wolfgang Krebs emotional sehr ergriffen und authentisch. Es waren beileibe nicht die üblichen Dankes-Floskeln; der Allgäuer - mit familiären Wurzeln im Landkreis Bamberg - attestierte dem Veranstaltungsservice, dem Stadtmarketing samt Sponsoren sowie der Gastgeberfamilie Böhmer, "alles richtig gemacht zu haben" und zeigte sich vom "tollen Zusammenhalt" angetan, nachdem er ein knapp zweistündiges, flammendes Plädoyer für den Kampf gegen die bayerische Landflucht ("Geh zu, bleib da!") gehalten hatte und dabei nicht nur Schorsch Scheberl zu Wort kommen ließ, sondern neben drei Ministerpräsidenten auch Wirtschaftsminister Aiwanger und in weitere Kostüme (Merkel/Herrmann/Ludwig II) schlüpfte.

"Ich habe früher nie Open Air gespielt, ich hätte natürlich auch eine Corona-Pause machen können. Aber es hängt so vieles dran, Veranstalter, Agenturen und Techniker, das darf man nicht vergessen. Da dreht man sonst durch, wenn man nichts versucht. Mir fehlte natürlich das Publikum, du triffst niemanden. Ich freue mich über den Mut jedes Einzelnen, der kommt. Und man sieht auch, welcher Veranstalter in der Krise zu einem hält", erzählte der "Superbayer" des Bayerischen Rundfunks hinter der Bühne der Böhmerwiese. Kein Wort des Jammers kam über die Lippen des Verwandlungskünstlers: "Solo-Künstler haben es da etwas einfacher als Gruppen. Ich habe zudem in den letzten Jahren vorgesorgt. Ärgerlich ist natürlich, dass ein Teil meiner Altersversorgung nun draufgeht. Bei mir überwiegt die Dankbarkeit, dass solche Abende mit passendem Hygienekonzept wieder erlaubt sind!"

"Opfelsoft"-Oberpfälzer

Wer mit solchem Gedankengut auf die "grüne Wiesen"-Bühne geht, der entwickelt schnell einen "Hot Spot" der guten Laune, auch wenn das Landleben noch so trist erscheint ("schwierig eine Frau zu finden", "kein Café to go", "kein Notarzt"). Nachdem die Umziehpausen mit pointenreichen "Werbeeinblendungen" genutzt wurden, geben sich die "Ministerpräsidenten" die Klinke in die Hand.

Beim immer "fitten" Horst Seehofer dominieren Ehewitze und als Bundesinnenminister "megaangesagte" Virologen, bei seinem Nachfolger Edmund Stoiber die unnachahmlichen Wortverdreher mit dem Dauerbrenner "wenn in zehn Minuten ...". Übertroffen werden diese aber vom aktuellen Tandem Markus Söder und dessen "Vize" Hubert Aiwanger, dessen Appell fürs Landleben eine Bauernregel nach der anderen beinhaltet. Der "Opfelsoft"-Oberpfälzer fühlte sich auf der Wiese besonders wohl und lästerte über "Müsli-Fraktion" und "Salatvertilger".

"Super-Krisenmanager"

Über allen thronte natürlich der "Super-Krisenmanager" und "beste Kanzler-Kandidat" Markus Söder. "Die Welt braucht nur noch mich!" Er denke auch über ein bayerisches Einreise-Verbot für Laschet-Wähler nach und er werde den Kontrahenten an der "kurzen Leine" halten.

Letztlich war es die Kombination aus politischen Seitenhieben und dem Titel-Thema mit Immobilien, Internet und Verkehr sowie der permanente Kontakt zum Publikum sowie den lokalen Pointen, die diesen Abend prägten. Das Publikum spürte deutlich die Wertschätzung des dankbaren Kabarettisten, der heute seinen 54. Geburtstag feiern kann.