• Italienisches Restaurant "Roma Stuben Sambach" in Pommersfelden geschlossen
  • Nicht genügend passendes Personal während Pandemie
  • Fehlendes Kurzarbeitergeld schafft finanzielle Engpässe
  • Betreiber Corrado Orsini setzt Hoffnung auf Straßenverkauf

Seit 1982 wird das Restaurant Roma Stuben Sambach von Familie Orsini geführt. Jetzt setzt ihr die Corona-Pandemie nach vielen nervenaufreibenden Monaten heftig zu. Einige Mitarbeiter*innen im Service wollen nicht mehr

Roma Stuben Sambach: Lokal muss vorerst schließen - "extrem schwierig"

Am Dienstagabend (11. November 2021) fällte Familie Orsini kurzfristig eine traurige Entscheidung: "Liebe Gäste, aufgrund akutem Personalmangel sind wir gezwungen, unser Lokal bis auf Weiteres zu schließen. Ab Mittwoch, den 10.11.2021, können wir nur noch Straßenverkauf anbieten. Wir bitten um euer Verständnis. Bis bald und bleibt gesund!" Wie viele andere kleine Betriebe kämpft auch die Sambacher Gaststätte damit, Personal zu finden und langfristig zu halten. "Die Situation ist leider so eskaliert, dass wir jetzt dastehen und nur Straßenverkauf machen", erzählt Betreiber Corrado Orsini gegenüber inFranken.de.

Besonders bitter: Erst dieses Jahr hat die Familie über mehrere Monate den Gastraum aufwendig renoviert, zum Beispiel den Boden und die Theke erneuert. Jetzt sind sie auf die Einnahmen des Straßenverkaufs angewiesen. Orsini hofft, dass es ausreichen wird. Zwar seien sie Eigentümer des Gebäudes, doch im Jahr kämen einige Ausgaben und Vorauszahlungen zusammen. "Eine Renovierung zahlt man nicht einfach aus der Tasche", meint er. Letztes Jahr sei okay gelaufen. Der Unterschied zur jetzigen Situation sei aber, dass er kein Kurzarbeitergeld mehr anmelden könne. 

Eine Mitarbeiterin im Service falle krankheitsbedingt länger aus, eine andere habe gekündigt und eine weitere orientiere sich anderweitig. Die Familie hatte versucht, über das Arbeitsamt Personal zu finden. Doch dies sei erfolglos gewesen. "Als wir dann bei den Arbeitssuchenden anriefen, antworteten sie oft: 'Die Zeit möchte ich nicht, oder da muss ich mich um meine Kinder kümmern.' Es ist echt extrem schwierig. Ich kann auch nicht einfach die Preise der Speisen erhöhen, um die Gehälter attraktiver zu machen, denn dann wollen die Gäste nicht mehr zahlen. Es ist wirklich ein Rattenschwanz, der zurzeit entsteht", bedauert Orsini.

Verantwortung in der Corona-Pandemie zehrt an den Nerven - "Man ist mehr Polizist"

Neben dem nicht besonders hohen Gehalt und den späten Arbeitszeiten in der Gastronomie sei der Beruf durch das Maskentragen und Kontrollieren der Nachweise immer weniger ansprechend. "Momentan ist man ja eigentlich mehr Polizist, um zu kontrollieren und ist der Aufpasser, dass alles gerade läuft", ärgert er sich. Die Anspannung, dass die Gäste die Regeln einhalten, sei belastend. "Man ist immer unter Druck und dann jeden Tag die Diskussionen mit den Gästen über die Masken. Wir sind dafür eigentlich gar nicht ausgebildet, die Gültigkeit der Impfzertifikate zu erkennen."

Ein Gast habe ihn, als er ging, sogar schon auf die Fälschung seines Impfnachweises hingewiesen, mit den Worten: "Ich habe es gefälscht, weil ich sonst nirgendwo mit einem Test hinkomme, aber ist halt so." Orsini habe täglich das Gefühl, es nicht richtig machen zu können. "Es ist wirklich eine schwere, komische Zeit.

Einige Facebook-Fans der Roma Stuben nahmen Anteil an der Situation der Orsinis. Manche, deren Reservierung abgesagt werden musste, kamen zum Straßenverkauf und sicherten dem Team ihre Unterstützung zu. Darüber ist der Betreiber dankbar. Er plant, den Straßenverkauf mit vollem Angebot bis mindestens Ende des Jahres aufrechtzuerhalten. "So lange alle jetzt noch fit bleiben und wir auch hoffentlich nie einen Corona-Fall im Betrieb haben werden." Die übrig gebliebenen Mitarbeiter*innen testen sich gegenseitig zusätzlich zur Impfung, um sicherzugehen. "Weil, wenn wir komplett schließen müssen, ist gar keine Einnahme mehr da. Das wäre wirklich miserabel." Orsini wünscht sich für die Zukunft seiner Roma Stuben Sambach, "dass die Politik irgendwann mal eine Linie findet, wo man als Arbeitgeber und Arbeitnehmer hundertprozentig Bescheid weiß, wie es weitergeht."

Viele Branchen leiden gerade unter Personalmangel. Der einzige Azubi von Metzgerei Güthlein aus Erlangen verabschiedete sich per WhatsApp