"Es ist einfach der Wahnsinn!" Robert Neuberth fehlen die Worte für eine Dürre, die nun schon seit viereinhalb Monaten anhält. Als Chef des Bamberger Gartenamts ist er für rund 14000 Bäume in Parks und Anlagen, an Straßenrändern und auf Plätzen verantwortlich. Doch wenn Neuberth auf die Prognosen für die nächsten Tage sieht, wird ihm mulmig zumute. Erneut haben die Meteorologen die erwarteten Regenmengen reduziert.

Es ist deshalb ein seltener Hilferuf, der aus dem Rathaus kommt: Weil die 20 Mann des Gießtrupps das Bewässern so vieler Allee- und Parkbäume kaum noch schaffen, werden die Bürger gebeten, nach Möglichkeit selbst zum Wassereimer oder zum Gartenschlauch zu greifen, wenn ein sichtlich leidender Baum vor ihrer Haustüre oder im nächsten Umfeld steht. Dabei ist Klotzen besser als kleckern: "Wichtig ist es, lieber einmal viel zu gießen, als mehrfach wenig, weil nur so das Wasser bis zu den Wurzeln durchdringt. Es wäre eine tolle Unterstützung", sagt der Experte aus dem Rathaus.


Die Farben des Herbstes

Tatsächlich lassen immer mehr Büsche und Bäume in Bamberg die Blätter hängen. Wer auf voll besonnte Parkflächen blickt, fühlt sich am Kanalufer oder andernorts an die Farben des Herbstes erinnert - selbst tief verwurzelte Eichen und wärmliebende Arten wie Linden werfen mittlerweile Blätter ab. Was droht, wenn die Hitze so weitergeht, ist derzeit im Bamberger Friedhof zu besichtigen: Zwei große gut 70 Jahre alte Hainbuchen tragen kaum noch Blätter. Schon im Sommer erinnern sie an den Winter.Unsicher, ob und wie stark sie im nächsten Jahr wieder austreiben werden.

Eine Erfahrung nach den heißen Jahren im letzten Jahrzehnt: Welche Schäden der Sommer 2018 in der Bamberger Flora bewirkt hat, wird sich erst im nächsten Frühling oder noch später zeigen. Klar ist: Besonders junge Bäume sind gefährdet und besonders solche, die Feuchtigkeit mögen: Die Trockenkünstler unter den Pflanzen dagegen, zum Beispiel Platanen und Robinien, können den sommerlichen Hitzestress besser wegstecken. Andere Arten wie Birke und Ahorn werden sich langfristig aus der Stadt verabschieden. Für die Fichte ist es definitiv bereits heute zu heiß.


Vier Hitzeperioden seit 2000

Was den Straßenbäumen zu schaffen macht, sind nicht allein die hohen Temperaturen: 2018 wurden bereits 70 Sommertage und 27 Tropentage in Bamberg registriert. Als solche werden Tage mit einem Temperaturmaximum über 25 Grad bzw. einem Maximum über 30 Grad bezeichnet. Es ist die Kombination aus Sonnenschein, Niederschlag, Verdunstung und Bodenbeschaffenheit, die den Ausschlag für das Überleben gibt - und natürlich die Häufung von Extremereignissen.

Auch das zeigt der Rückblick: Außergewöhnliche Trockenlagen gab es in Bamberg allein seit dem Jahr 2000 mittlerweile vier: 2003, 2006, 2015 und 2018 werden Gärtnern länger in Erinnerung bleiben. Wobei die vorliegenden Daten zu belegen scheinen, dass 2018 sogar das als Jahrtausendsommer deklarierte Jahr 2003 in den Schatten stellt. So schien die Sonne in Bamberg in diesem Jahr von April bis Ende Juli an 1025 Stunden, während es nur 139 Liter auf den Quadratmeter regnete. 2003 kamen im gleichen Zeitraum 905 Stunden Sonne und 187 Liter Regen pro Quadratmeter in Bamberg zusammen.

Wie außergewöhnlich solche Werte sind, belegt der Blick auf das durchschnittlich temperierten Jahr 2013. Damals brachte es die Sonne in Bamberg auf 699 Stunden und 331 Liter Regen. Im Jahr 2013 schien die Sonne in Bamberg an 1389 Stunden. Diese Marke dürfte heuer bereits Mitte August erreicht sein.

Bamberg befindet sich im Sommer 2018 in einer illustren Reihe von deutschen Stationen, wo extreme Werte gemessen wurden. So berichtet der Deutschen Wetterdienst in seinem vorläufige Sommerrückblick, dass es sich bei der Zeitspanne von April bis heute um die heißeste Phase handelte, die jemals seit 1881 in Deutschland gemessen worden war. Die Abweichung beträgt 3,6 Grad gegenüber dem Referenzzeitraum von 1961 bis 1990. Über 120 Tage hinweg ist das ein bemerkenswertes Plus.


26 Grad warme Ostsee

Die Hitzewelle 2018 ist offensichtlich kein regionales Problem. Meteorologische Extremereignisse, Temperaturrekorde und intensive Starkniederschläge haben die erste Hälfte des Sommers an vielen Orten der Nordhalbkugel geprägt, teilt der Deutsche Wetterdienst mit. So wurde mit über 26 Grad bei Lettland ein neuer Rekord der Wassertemperatur in der Ostsee gemessen. An der Ostküste von Oman auf der Arabischen Halbinsel fiel die Temperatur 24 Stunden lang nicht unter 42 Grad - Experten gehen von einem neuen Weltrekord aus.

Zuletzt: Den bisher heißesten Juli gab es in Furnace Creek im Death Valley, Kalifornien, mit 42,2 Grad Monatsmitteltemperatur. Dagegen nehmen sich die 20,6 Grad im Bamberger Juli fast wie ein Eishauch aus.