Heiligenstadt würdigte das Lebenswerk des beliebten Seelsorgers Anton Otte aus Anlass seines 50-jährigen Priesterjubiläums mit einem Empfang im Rathaus und mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Marktgemeinde. Neben Familienmitgliedern waren auch zahlreiche geistliche Mitbrüder aus beiden christlichen Kirchen vor Ort, um diesen Anlass gebührend zu feiern.

Bürgermeister Helmut Krämer (CSU/Einigkeit) charakterisierte den Jubilar als "einen Mann, der immer auf Menschen zugeht", als einen engagierten und beliebten Seelsorger und einen Priester, der die Ökumene schon praktiziert hat, als andere noch darüber nachgedacht haben. Der Bürgermeister konnte sich an viele Begegnungen erinnern und auch noch an zahlreiche schöne Feste in Heiligenstadt, an denen beide teilgenommen haben.

Anton Otte bedankte sich für die Würdigung und sprach allen Heiligenstadtern seinen Dank aus, die ihn "ein halbes Jahrhundert ertragen und geprägt haben". Ist er doch auch seit 50 Jahren nebenamtlicher Pfarrverweser in Burggrub. Er hat sich in Heiligenstadt schon immer zu Hause und mit der Gemeinde eng verbunden gefühlt. In das Goldene Buch schrieb er seinen Primizspruch: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens." (Joh. 6, 68) und überreichte dem Bürgermeister eines seiner letzten Primizbildchen.

Der in Weidenau in Schlesien, dem heutigen Vidnava, geborene Anton Otte stammt aus einer sehr religiösen sudetendeutschen Familie. Nach vielen staatlichen Restriktionen verließ er 1960 seine Heimat, um Theologie in Königsstein, Wien und Bamberg zu studieren. Dort wurde er am 29. Juni 1967 zum Priester geweiht. Nach Stationen im Schuldienst und in der Gefängnisseelsorge wurde er 1977 Geistlicher Beirat der Ackermann-Gemeinde in Bamberg. Seit 1992 ist er auch deren Geistlicher Beirat auf Bundesebene.


Seelsorger für die Deutschen in Prag

1991 wurde er vom Staatsdienst beurlaubt und für Seelsorgeaufgaben in der Tschechischen Republik berufen. In dieser Zeit des Um- und Aufbruchs war er als Seelsorger für die Deutschen in der Erzdiözese Prag zuständig. Unermüdlich war er im Land unterwegs, um die Seelsorge aufzubauen und für das Verständnis zwischen den Völkern zu werben. Von Kritikern auf beiden Seiten ließ er sich nicht beirren. Für Kardinal Duka, amtierende Erzbischof von Prag, gehört Anton Otte zu einer Generation, "welche die geschichtlichen Ereignisse und deren Folgen zutiefst und schmerzlich getroffen haben. Aber er sieht die Versöhnung als den einzigen Ausweg für eine unbelastete Zukunft".

Zahlreiche kirchliche und weltliche Auszeichnungen haben sein Lebenswerk gewürdigt. So ist er u.a. 1996 mit dem Masaryk-Orden, 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und 2013 mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet worden.

Noch immer ist Monsignore Otte viel mit dem Auto unterwegs und pendelt zwischen Heiligenstadt und Prag. Die Aussöhnung und die Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen ist ihm nach wie vor ein wichtiges Anliegen.

Nach der Ehrung im Rathaus feierte der Jubilar Gottesdienst in der St. Pauls Kirche in Heiligenstadt. Im Anschluss daran konnten die Gläubigen im Pfarrsaal Anton Otte persönlich zu seinem 50-jährigen Priesterjubiläum gratulieren.