Bei einer weiteren Mutter, mit der wir sprechen, ist das bereits zur Regel geworden. Sie möchte lieber anonym bleiben. Mit dem Bus lasse sie ihre Tochter allerdings nicht mehr fahren.
Mutter war als Schülerin selbst Mobbing-Opfer - nun erlebt ihre Tochter das Gleiche
Denn auch diese wurde von den Realschülern im Bus gemobbt, erzählt sie. Ihre persönlichen Gegenstände seien aus ihrer Büchertasche gerissen und durch den Bus geworfen worden und auch geschubst wurde die Tochter regelmäßig.
"Es war noch nie besser - ich weiß, wie es ist", sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie selbst sei in ihrer Schulzeit Schülerin der Giechburgschule gewesen - und habe damals in den Bussen die gleichen Erfahrungen gemacht. "Ich wurde geschlagen und gerupft", erzählt sie.
Sie habe der Schule ebenfalls gemeldet, was ihrer Tochter widerfährt - geändert habe das nichts. "Es ist eine Katastrophe", sagt sie.
"Keine Anhaltspunkte für Mobbing": Giechburgschule Scheßlitz weist Vorwürfe zurück
Eine weitere Mutter wendet sich im Laufe der Recherche anonym an unsere Redaktion, berichtet Ähnliches: Mit PET-Flaschen und anderen Gegenständen beworfen zu werden, oder ein Bein gestellt zu bekommen - das kenne auch ihre Tochter gut.
Die Liste der Betroffenen scheint lang zu sein. Fast alle Gesprächspartnerinnen erzählen: Nachbarinnen und Freundinnen, deren Schüler auf die Giechburgschule gehen, hätten bereits Ähnliches berichtet. Meist sei die Linie 953 des OVF Richtung Breitengüßbach betroffen. Die Mobbing-Vorfälle seien außerdem Dauerthema im Elternbeirat.
Doch warum tut sich dann nichts? Wir fragen bei der Schule nach und werden an das Landratsamt als Ansprechpartner verwiesen. Dort heißt es: "Wir müssen bitte unterscheiden zwischen Mobbing (absichtliche, gezielte und wiederholte Angriffe auf Personen oder Gruppen über einen längeren Zeitraum) und Konflikten bzw. Streitereien, die sich aus unterschiedlichen Situationen und Verhalten ergeben können. Bei den Verantwortlichen vor Ort gibt es nach den uns vorliegenden Informationen keine Anhaltspunkte für Mobbing."
Busaufsichten, Busbegleiter und enger Austausch sollen solche Fälle verhindern
Einzelne Fälle seien bekannt, viele der genannten Vorkommnisse jedoch nie gemeldet worden - dann könne die Schule auch nicht handeln. In den bekannten Fällen habe man jedoch vermittelt, sei zudem in Gesprächen mit der Realschule.
Die Konsequenz: Verantwortliche Schüler müssen sich bei den geärgerten Kindern entschuldigen, die Schulen besprechen, wie sie künftig zu einer konfliktfreien Schülerbeförderung beitragen können.
Zudem gebe es Busaufsichten an den Schulhaltestellen, Busbegleiter, Austausch mit Schülern, Busfahrern und den Verkehrsunternehmen sowie den konkreten Austausch der Schulverantwortlichen, um solchen Fällen vorzubeugen.
Eltern fordern separaten Bus für Sonderschüler
Ausreichend finden das viele Eltern nicht. Sie fordern einen separaten Bus für die Sonderschüler. Unmöglich sei das nicht, schließlich gebe es für die Schulvorbereitende Einrichtung (SVE) und die Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) auch einen privaten Bus, den Baselbus. Die Giechburgschule verweise bei dem Vorschlag jedoch regelmäßig auf die zu hohen Kosten.
Auch Manfred Rupp, Pressesprecher des VGN, äußert sich auf Anfrage von inFranken.de zu den Erfahrungsberichten. Die Fahrer, die auf der entsprechenden Linie eingesetzt werden, seien befragt worden.
"Diesen ist keine außergewöhnliche Mobbingsituation bekannt. Dass die Kinder insbesondere nach einem langen Unterricht bis 16 Uhr zuweilen lebhaft sind, wäre aber nicht außergewöhnlich", berichtet er. Der OVF kommuniziere zudem oft mit den Schulen und nehme wahr, dass auch die beiden betreffenden Schulen untereinander in einem häufigen und engen Austausch sind.
Fahrpersonal trage die Verantwortung für Sicherheit und Ordnung
Auch zu den Aufgaben der Fahrer äußert sich Rupp: "Im Fahrbetrieb müssen die Sicherheit und Ordnung des Betriebs gewährleistet sein, Fahrgäste dürfen nicht gefährdet oder belästigt werden. Ist das nicht der Fall, hat der Fahrer oder die Fahrerin einzuschreiten. In diesem Sinne trägt das Fahrpersonal Verantwortung."
Für die Eltern ist klar: Es muss sich etwas ändern. Die Suche nach Lösungen laufe deshalb weiter.