Nicht nur die Verbreitung des Corona-Virus scheint gewohnte Ordnungen auf den Kopf zu stellen. Auch die Ergebnisse der Stadtratswahlen vom Sonntag. Weil sich die Auszählung verzögerte, wird das Endergebnis der Stadtratswahl voraussichtlich erst heute früh vorliegen. Dennoch hat sich ein deutlicher Trend bereits am Montag abgezeichnet. Sollte er halten, dann würden sich die Machtverhältnisse im Bamberger Rathaus ab Mai entscheidend verschieben.

Erstmals in der Geschichte Bambergs wäre nicht mehr die CSU die stärkste Fraktion. Die Führungsrolle würde künftig auf die Fraktion Grünes Bamberg übergehen. Unter Spitzenmann Jonas Glüsenkamp hat die grüne Fraktion Aussicht darauf, eine Mehrheit der Sitze abzuräumen. Stand 21 Uhr waren es bei 28,8 Prozent 13 Mandate.

Die CSU muss sich auf einen Bedeutungsverlust einstellen, der in einer ehemals schwarzen Stadt wie Bamberg einer Zäsur gleichkommt. Sie kam bis Montagabend nur auf zehn Sitze, das entspräche 21,3 Prozent. Bürgermeister Christian Lange, der sich bereits bei der OB-Wahl mit der Verlierer-Rolle abfinden musste, hat sein Ziel damit auch beim Stadtrat nicht erreicht. Für die CSU brechen schwere Zeiten an.

Der OB-Bonus ist verpufft

Ähnlich deutlich straften die Wähler aber auch die Bamberger SPD ab. 2014 eroberten die Sozialdemokraten noch zehn Sitze. Nun müssen sie sich den vorläufigen Zahlen zufolge mit sieben Stadtratsmandaten abfinden. Selbst der auf Platz 1 positionierte OB Andreas Starke konnte das Ergebnis der SPD offenbar nicht mehr retten.

Ein weiterer Trend ist nach der Auszählung von 21 Stimmbezirken ebenfalls unabweislich: Die Zersplitterung im Stadtrat nimmt noch einmal drastisch zu. So steht den drei "Großen" ein kaum noch überschaubares Feld von zehn, möglicherweise auch elf mittleren, kleinen und kleinsten Gruppierungen gegenüber.

Fraktionsstärke von drei Stadträten erreicht nach dem vorläufigen Stand um 21 Uhr nur eine einzige Partei - die AfD, die damit erstmals ins Bamberger Rathaus käme und gleich zur viertstärksten Kraft aufstiege.

Auch Tscherner verliert

Selbst der Bamberger Bürger-Block mit seinem Front-Mann Norbert Tscherner verliert gegenüber dem guten Ergebnis von vor sechs Jahren. Seine Gruppe käme demnach nur noch auf zwei Stadträte, was einer Halbierung gegenüber 2014 entspräche.

Zu den Verlierern dieser Stadtratswahl scheint aber auch die Bamberger Allianz zu gehören, die zuletzt über respektable sechs Sitze verfügte und nach dem Abschied von Alt-OB Herbert Lauer nun einen Schritt zurück zur Bedeutungslosigkeit macht. Sollte es bei dem Ergebnis vom Montagabend bleiben, schafft es nur noch die Spitzenkandidatin Ursula Redler ins Rathaus. Zugelegt haben dürfte gegenüber 2014 Bambergs Linke Liste. Die Linken könnten in der neuen Wahlperiode erstmals mit zwei Personen im Stadtrat vertreten sein. Hohe Chancen, dabei zu sein, darf sich Stadtrat Heinrich Schwimmbeck ausrechnen.

Wie schwer sich die so genannten bürgerlichen Gruppierungen das Leben machen, lässt sich auch am Beispiel von Bambergs Unabhängigen Bürgern ablesen. Die Gruppe um die Stadträtin Daniela Reinfelder kämpfte bei der Auszählung, die sich am Montag über Stunden hinzog, lange Zeit mit der 1,5- Prozent-Marke. Bleibt es bei diesem Ergebnis, wird es nichts aus der erhofften Fraktionsstärke. Daniela Reinfelder, die auch als OB-Kandidatin antrat, scheint wie bisher Einzelkämpferin zu bleiben.

Die Hoffnungen auf einen Kollegen oder eine Kollegin werden sich wohl auch die Freien Wähler aus dem Kopf schlagen müssen. Stand Montagabend, 19.30 Uhr, hat nur die Spitzenkandidatin und OB-Bewerberin Claudia John Aussicht auf einen Stadtratssitz. Folgenden vier weiteren Parteien und Gruppen geht es nicht anders, sollten sich die Verhältnisse nicht deutlich ändern. Drin sind mit nur einem Sitz "Die Partei", Volt, ÖDP und FDP. Knapp geschafft hat es, Stand Montagabend, auch ein Kandidat von "Bambergs Mitte".