Das Blaulicht auf dem Polizeiauto blinkt hell an diesem Montagmorgen auf der Staatsstraße durch Schlüsselfeld. Im Display steht in roter Leuchtschrift: "Schwertransport". Hauptkommissar Peter Krauß von der Polizei Bamberg-Land sitzt am Steuer, er ist sozusagen die Vorhut. "Da kommt gleich ein Rotorblatt, fahren Sie ganz rechts ran!", sagt er durchs offene Fenster zu einem Autofahrer, den er auf der Gegenfahrbahn angehalten hat. Der Mann nickt. Und fährt rechts ran. Im Hintergrund ist bereits das überdimensionierte "Schwert" über den Häusern zu sehen. Mit Tempo 8 bewegt es sich auf das Polizeiauto zu.

Es ist ein Spezialfahrzeug, das seit 30. November jede Woche durch die Straßen von Schlüsselfeld zum Windpark nach Aschbach rollt. Ein sogenannter Selbstfahrer mit acht beweglichen Achsen, den Thomas Rydzy mit einer Fernsteuerung lenkt - der Traum eines jeden Kindes.



Das Gefährt mit einem 500 PS starken Motor ist aber kein Spielzeug für den Nachwuchs, sondern erfordert Konzentration und Präzision. Jede Bewegung des Flügeltransporters muss passen. Vor allem, wenn dieser mit einem fast 60 Meter langen und zwischen 15 und 20 Tonnen schweren Rotorblatt eines Windrades beladen ist.

Der Clou: "Ich kann den Flügel im 60 Grad-Winkel aufstellen", erklärt Thomas Rydzy. Er fährt den Rotor in Schlüsselfeld immer wieder mal in die Höhe, um enge Kurven zu meistern und zwischen Häusern durchzukommen. Ein Eingriff in die Strecke kann so vermieden werden. Rydzy hat dabei alles im Blick: Auf dem Display wird ihm neben der Neigung des Rotors auch die Windgeschwindigkeit angezeigt: 15 Meter pro Sekunde darf diese nicht überschreiten. Sonst darf er nicht fahren.


Der Verkehr muss in Schlüsselfeld warten

Vom Gelände der Firma "Big" in Burghaslach an der A3, wo die Teile der Windräder zwischenlagern, geht es durch Schlüsselfeld, Rambach und Ziegelsambach nach Aschbach. Thomas Rydzy wird von Kollegen der Spezialfirma Bender aus Siegen mit zwei Fahrzeugen begleitet. Die Polizei fährt mit zwei Autos voraus. Hauptkommissar Krauß bekommt von Beamten der Ebracher Wache Unterstützung: "Wir müssen die Straße sperren - das darf nur die Polizei", erklärt Krauß, der den Transport schon mehrmals begleitet hat. Kein Auto darf fahren, wenn der Rotor über die Zehn-Kilometer-Strecke rollt.

Dort, wo der Schwertransporter entlang fährt, bleiben Schaulustige stehen: "So etwas habe ich noch nie gesehen", sagt Rolf Eberhardt. Der Aschbacher kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Mit seinem Roller fährt er dem Konvoi immer wieder ein paar Meter vorweg, stoppt, macht Bilder. Er habe das unbedingt sehen wollen. Auch die kleinen Zuschauer sind begeistert: Der Nachwuchs des Schlüsselfelder Kindergartens St. Johannes und des Aschbacher Kindergartens verfolgt gebannt was Thomas Rydzy mit seinem ferngesteuerten Fahrzeug anstellt.

Der Experte bringt es sicher ans Ziel: Gegen 10.35 Uhr ist am Montag der Rotor nach eineinhalb Stunden am Windpark angekommen. "Der wird immer schneller", sagt Polizist Krauß staunend. Noch am Dienstag und Mittwoch, dann sind die spektakulären Transporte in Schlüsselfeld beendet. Woanders gehen die Fahrten derweil weiter: Die Polizei ist auch beim Windrad-Transport in Trabelsdorf im Einsatz.