Die Jugendfeuerwehr Bamberg finanziert ihr neues Ausbildungsfahrzeug komplett durch Spenden.
Die Idee ist schon ein paar Jahre alt, aber nun kommt sie offiziell zum Abschluss: Die Jugendfeuerwehr Bamberg hat nach der Sonntagsmesse in St. Otto das kirchliche Okay zur neusten Errungenschaft bekommen. "Florian Bamberg 11/11/1" nennt sich das Mehrzwckfahrzeug. Pfarrer Marcus Wolf segnete es mit einer guten Portion Weihwasser.
Das Gefährt ist bereits seit Sommer Teil des Fuhrparks und schon jetzt Mitglied der jungen Feuerwehrfamilie. Nach dem es sozusagen den Segen von der "obersten Einsatzleitstelle" gab, zogen gut 100 Feuerwehrfrauen und -männer in ihren dunkelblauen Uniformen zur Turnhalle der nahegelegenen Luitpoldschule zu Grußwort und Frühschoppen.
Das Besondere: Die 98 000 Euro für das Fahrzeug in nigelnagelneuem Feuerrot kamen nicht von der Stadt Bamberg oder einer anderen Institution. Alles ist aus Spenden erwachsen: "Vom Rentner, der vielleicht 20 Euro gespendet hat, bis zu großen Firmenspenden war alles dabei", schildert Wolfgang Pfeuffer, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr, den Einsatz der Stadtgesellschaft für das Projekt. Prominente Unterstützung bekam die junge Feuerwehr von der Firma Weyermann: "Wir sind sehr dankbar, wenn junge Menschen bereit sind, ihre Zeit für den Schutz anderer zu opfern", erklärt Thomas Kraus-Weyermann, welcher zusammen mit seiner Frau Sabine Weyermann nachträglich zum Ehrenmitglied der Bamberger Feuerwehr ernannt wurde.
Seit August steht das Fahrzeug bereits auf dem Hof. Und seit dem 5. Oktober 2018 hat die Jugendfeuerwehr mit ihren 42 Mitstreitern ihre Kampagne "Die Jugendfeuerwehr nimmt Fahrt auf" nach draußen getragen: Mit Social Media-Beiträgen, Aktionen wie "31 Tage, 31 Unterstützer" und weiteren Veranstaltungen in der Bamberger Innenstadt. Schneller als gedacht kam das Geld aus der Zivilgesellschaft zusammen.
Alexander Ohme, stellvertretender Jugendfeuerwehrwart beschreibt den Tag, als "Florian 11/11/1" ankam: "Ich denke, für alle die das erlebt haben, war das ein außergewöhnlicher Tag." Zusammen mit seinem Kameraden Alexander Wilhelm, dem Stadtjugendfeuerwehrwart, haben sie die Idee den "älteren Semestern" der Freiwilligen Feuerwehr schmackhaft gemacht. Die Firma Schulz in Kronach hat den neusten motorisierten Begleiter umgebaut und eingerichtet: Es gibt Platz für neun Leute inklusive Fahrer. Dazu kommt noch ordentlich Raum für einen Rollcontainer, welcher über eine Rampe mittels Seilwinde eingeladen werden kann. Notstromaggregat, Sprit, Schläuche, Pumpen, Ventile. Alles kann mit, wenn die Jugendfeuerwehr zur nächsten Übung oder dem Wettkampf ausrückt.
Viel Lob vom OB
"Das ist ein sehr interessantes Modell der Finanzierung", findet Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). So könne die Stadt Geld bei der Ausrüstung der Feuerwehr sparen, scherzt er. Klar ist: "Das Engagement der Feuerwehr muss natürlich durch eine Investitionsfreude bei der Stadt begleitet werden", versichert Starke. Damit der hohe Ausrüstungsstand gehalten werden könne, müsse sich das auch im kommenden Haushalt widerspiegeln. "Die Jugendfeuerwehr ist ein Vorbild für die Stadtgesellschaft, denn sie schafft Vertrauen im Kleinen", lobt der Oberbürgermeister die Aktion der jungen Menschen.
"Die Jugendlichen haben sich selbst organisiert und damit die Grundlage für eine gute Ausbildung geschaffen", schätzt Stadtbrandrat Matthias Moyano den Einsatz. Aber was sagt der Nachwuchs zur Neuanschaffung? "Das ist ein schickes Fahrzeug!", freut sich Jule Strobler. Die 17-Jährige war schon zweimal damit unterwegs. Die Ausstattung sei sehr hilfreich für die Übungen. "Echt klasse! Wir sind damit unabhängig von den anderen Löschgruppen", betont der dreizehnjährige Fin Plaha. Und sein Freund Paul Schwab ergänzt stolz: "Einen MAN kann sich nicht jede Jugendfeuerwehr leisten." Nur fahren dürfen sie den Wagen noch nicht: Dafür müssen dann doch noch die Erwachsenen mit einem Führerschein für LKW ran. Ein Grund mehr, später in die aktive Wehr zu wechseln.
Schämen sollten sich die Verantwortlichen. Spenden betteln für ein Auto der Feuerwehr...
Wie heißt es im Bayerischen Feuerwehrgesetz?
Art. 1
Aufgaben der Gemeinden
(1) Die Gemeinden haben als Pflichtaufgabe im eigenen Wirkungskreis dafür zu sorgen, daß drohende Brand- oder Explosionsgefahren beseitigt und Brände wirksam bekämpft werden (abwehrender Brandschutz) sowie ausreichende technische Hilfe bei sonstigen Unglücksfällen oder Notständen im öffentlichen Interesse geleistet wird (technischer Hilfsdienst).
(2) 1Zur Erfüllung dieser Aufgaben haben die Gemeinden in den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gemeindliche Feuerwehren (Art. 4 Abs. 1) aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten. 2Sie haben in diesen Grenzen außerdem die notwendigen Löschwasserversorgungsanlagen bereitzustellen und zu unterhalten.
Zum einen ist es natürlich sehr löblich das so viel Geld durch Spenden zusammen kam, zum anderen ist es für die Verantwortlichen der Stadt Bamberg aber ein echtes Armutszeugnis.
Die Worte des OB klingen für mich nicht wie ein Scherz, eher wie ein Vorgeschmack auf das was kommen wird, wenn die SPD an der Macht bleibt, nämlich an sinnvollen Investitionen sparen was nur geht.
Über viele Jahre sprudelten aufgrund der sehr guten Konjunktur die Steuergelder und wurden nicht sonderlich sinnvoll investiert, jetzt wo die Automobilindustrie und all ihre Zulieferer, politisch gewollt, den Bach runter gehen, wird es keine finanziellen Chancen mehr geben den gesamten Investitionsstau aufzuholen.
Joa, prinzipiell haben Sie damit recht, NeuFranke! Allerdings gehört es nicht zur Pflichtaufgabe der Gemeinde ein eigenes Fahrzeug für die Jugendfeuerwehr zu stellen und zu finanzieren - so viel Ehrlichkeit muss erlaubt sein!! Zur Pflichtaufgabe einer Gemeinde, und damit auch der Stadt Bamberg, gehört lediglich der Unterhalt, Aufrechterhaltung usw. einer Feuerwehr, Bereitstellung von Ausrüstung, Ermöglichung von Ausbildung usw. usw. Das ginge zur Not auch ohne eigenes Jugendfahrzeug.
Und knappe € 100000,- sind ja auch nicht gerade wenig Geld, die eine Gemeinde, auch in Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen, so einfach mal übrig hat.
Da es sich für die Stadt dann um eine freilwillige Leistung handeln würde - was sollten die dutzenden anderen Vereine, Organisationen, Verbände in BA dann dazu sagen bzw. jedem ca. €100000,- zukommen zu lassen ist sicher schlicht nicht nötig!
Ebenso darf erwähnt werden, dass die Jugendgruppe der Feuerwehr BA jetzt sicherlich eine der ganz wenigen Gruppen in der gesamten BRD ist, die ein eigenes Fahrzeug besitzen, und noch dazu ein Neufahrzeug!
Was aber sicherlich allerhöchsten Respekt und Anerkennung gebührt, ist die Leistung besonders der beiden Stadtjugendwarte, die mit unermüdlichem Einsatz stetig und über einen langen Zeitraum "ihr" Projekt vorangetrieben haben und schließlich zum Erfolg gebracht haben!!! Hierfür kann man auch von Herzen gratulieren!!! Hiervon wiederum kann sich manch einer vielleicht ein Scheibchen abschneiden... Denn die genannten €100000,- sind ja nicht gerade ein "Pappenstiel"...