Es ist gerade mal vier Jahre her, da führte die monatelange und gefühlt handstreichartige Sperrung der Oberen Brücke zu einem Aufschrei der Gastronomen und Händler am Obstmarkt. Für den demnächst anstehenden dritten und letzten Bauabschnitt der Brückensanierung ist das Auftauchen neuer Bürgerinitiativen wohl nicht zu erwarten. Es handelt sich um die denkmalpflegerische Tragwerkssanierung der Brücke von unten aus und dürfte höchstens die Durchfahrt des Gondoliere behindern.

Insofern war es eine unumschränkt gute Nachricht, die Bamberg am Donnerstag im trüben Grau des Lockdown-Modus erreichte. Wenn es stimmt, was man hört, war es MdB Andreas Schwarz (SPD) , der im Haushaltsausschuss des Bundestags seine Kollegen davon überzeugen konnte, Bundesgelder für drei Bamberger Wahrzeichen zu genehmigen. Eine Kleinigkeit ist das nicht. Schwarz bezifferte die Summe, die aus dem Bundeshaushalt nach Bamberg fließen soll, mit 16,67 Millionen Euro.

Dabei profitiert nicht nur die aus dem 15. Jahrhundert stammende Obere Brücke von der Geldspritze aus Berlin. Auch das weltbekannte Bamberger Brückenrathaus mit seinen Anwander-Fresken soll durch die nun in Aussicht gestellte Generalsanierung gesichert werden.

Insgesamt 8,7 Millionen Euro sollen laut Schwarz in die Sanierung der Brücke und der Nepomuk-Figur sowie die umfassende Instandsetzung des Alten Rathauses fließen. Bei letzterem geht es vor allem um die Erneuerung der veralteten Haustechnik, die Renovierung der Fassade und eine barrierefreie Gestaltung des Rathauses, wo sich neben dem Rokoko-Saal bekanntlich die Porzellan-Sammlung Ludwig befindet.

Fränkische Wieskirche

Doch das ist noch nicht alles: Weitere acht Millionen Euro sollen für die Generalsanierung der ehemaligen Propstei-Kirche St. Getreu auf dem Michaelsberg aufgewendet werden. Auch hier hat der Zahn der Zeit wie beinahe an allen Bamberger Kirchen genagt. "Durch Setzungen am gesamten Bauwerk ist die St.-Getreu-Kirche einsturzgefährdet und seit 2015 nicht mehr zugänglich", teilte Judith Weingart von der Pressestelle der Stadt auf Anfrage mit. Die auch in Bamberg wenig bekannte Kirche ist vom Äußeren eher unscheinbar, verfügt aber über eine der kostbarsten barocken Innenausstattungen in Bayern, weshalb das Gotteshaus auch als fränkische Wieskirche bezeichnet wird.

Im Rathaus Maxplatz war die Freude am Donnerstag groß. "Toll, dass es geklappt hat. Unser Altes Rathaus ist ein Wahrzeichen mitten im Welterbe und eine herausragende kulturelle Einrichtung", wird Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) zitiert. Freilich steht der Mannschaft von Starke und seinem Hochbaureferenten Bertram Felix noch eine Menge Arbeit bevor. Die 16,7 Millionen Euro vom Bund decken nämlich erst 50 Prozent der Kosten von allen drei Projekten. Nun folgen Finanzierungsgespräche mit weiteren Fördermittelgebern, die laut Rathaus das gesamte Jahr 2021 andauern werden. Judith Weingart von der Pressestelle ist zuversichtlich, dass die leere Bamberger Stadtkasse durch die teueren Generalsanierungen nicht übermäßig beansprucht werden wird. "Mit Blick auf die erreichten Förderquoten, zum Beispiel beim Quartier am Maxplatz mit rund 90 Prozent, besteht Hoffnung, dass wir für die beiden Projekte im Unesco-Welterbe eine ähnlich hohe Förderung erreichen."

Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn lobte am Donnerstag die großzügige Unterstützung seiner Heimatstadt durch den Bund. Mit Blick auf die nächste Woche anstehenden Haushaltsberatungen der Stadt Bamberg sagte er: "Der Bund leistet signifikante Beiträge für Bamberg, um die Stadt in einer angespannten Haushaltslage zu entlasten. Dies sollte es dem Stadtrat erleichtern, die vorgesehenen Kürzungen für die Kulturschaffenden noch einmal zu überdenken."