Das Gedenkjahr zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen geht zu Ende. Gelegenheit, daran zu erinnern, dass er als junger Mann auch einmal in Bamberg war. Sein Kurz-Besuch am 19./20. Juli 1730 ging zwar nicht in die große Geschichte ein, aber fränkische Chronisten hielten den Aufenthalt recht genau fest. Er kam als 18-jähriger Kronprinz in Begleitung seines strengen Vaters Friedrich Wilhelm I., der ob seiner Liebe zu allem Militärischen auch den Beinamen "Soldatenkönig" trug.

Auf den nur etwa zwölfstündigen Bamberg-Aufenthalt des späteren Preußenkönigs weist eine Gedenktafel am Anwesen Memmelsdorfer Straße 2c hin. An selber Stelle stand bis Ende des 19. Jahrhunderts jene Scheune, in der der Soldatenkönig und sein Sohn im Sommer 1730 übernachtet haben. Die Scheune fiel Ende des 20. Jahrhunderts der Umgestaltung der Memmelsdorfer Straße zum Opfer.


Wer in welchem Jahr die in Stein gemeißelte Erinnerung an das bescheidene Nachtquartier des hohen Besuchs anbringen ließ, wissen die heutigen Eigentümer des Anwesens Memmelsdorfer Straße 2c nicht. Norbert Köhler, der das Haus gemeinsam mit seinen Geschwistern in Erbengemeinschaft besitzt und verwaltet, besitzt aber alte Unterlagen und Zeitungsausschnitte über das Ereignis vor 282 Jahren. Aus ihnen geht hervor, dass Bauherr des heutigen Wohnhauses der Gärtnermeister und Ökonomierat Andreas Böhmer (1855-1935) war, ein Urahn mehrerer Bamberger Gärtnerfamilien. Für den Neubau Ende des 19. Jahrhunderts musste die Scheune weichen, obwohl die historische Stätte bis dahin einem Zeitungs-Chronisten zufolge "lange als besonderer Augapfel gehütet" worden war.

Vor 1939 geschaffen

Im Juli 1939 erschien ein anderer Zeitungsartikel mit einem Foto der Gedenktafel; sie muss irgendwann in den Jahren zuvor geschaffen worden sein. Der namentlich nicht genannte Autor erinnert unter der Überschrift "Als der Soldatenkönig in Bamberg übernachtete" an die Frankenreise Friedrich Wilhelms I. und seines Sohnes. Sie diente demnach auch der Besichtigung von Residenzen, Klöstern, Kirchen und Gärten, die Anfang des 18. Jahrhunderts überall in Deutschland und insbesondere in dessen Süden entstanden sind.

Was es mit der Übernachtung in einer Scheune auf sich hat, wird in dem Artikel so erklärt: "Diese Reise wurde mit größter Einfachheit durchgeführt. Der König liebte nicht die prunkvollen Empfängen, die man ihm bereiten wollte. So lehnte er es beispielsweise ab, im Schlosse zu Bamberg zu wohnen. Er schlief vielmehr mit seinem Sohne in seinem Zelt, das man in der Scheune des Gärtners Krüger-Michel in der Bamberger Gärtnerei errichtet hatte."

Dom, Orangerie und Kirche besucht

In Bamberg ließ sich der Soldatenkönig historischen Quellen zufolge den Dom samt Kirchenschatz und den Geyerswörthgarten zeigen, zu dem damals eine berühmte Orangerie gehört haben muss. Außerdem besichtigte er die gerade erbaute Jesuitenkirche, heute St. Martin.

Die Besichtigungstour mit mehreren Chaisen fand am Abend des 19. Juli 1730 statt, nachdem die hohen Gäste gegen 5 Uhr aus Coburg kommend in des Gärtners Scheune eingezogen waren. Auf dem Weg zum Dom machte der König in der damaligen Gaststätte "zum Großkopf" Halt, wo er "sämmtliche dort anwesende fremde wie einheimische Ministers und Cavaliers zum Handkuß zuließ und dabei vom Fenster aus die in Parade gestandenen Grenadier-Companie fleißig betrachtete."

Am nächsten Morgen war der König nach 5 Uhr schon wieder unterwegs. Er ließ sich erst die Hofhaltung zeigen, dann das Marschalk von Ostheimsche Haus am Fuß des Dombergs. Von dort aus schaute er sich noch eine große Prozession an, ehe er Bamberg in Richtung Schloss Pommersfelden verließ.