Mit wenigen Habseligkeiten, die in ein paar Koffer und Plastiktüten passen, trafen gestern Mittag die vier Flüchtlingsfamilien aus Serbien und dem Kosovo ein, die der Stadt Bamberg von der Regierung zugewiesen worden sind. Eine Delegation mit Oberbürgermeister und Sozialreferent an der Spitze sowie zwei Vertreter des Caritasverbands erwarteten die Menschen an ihrem Zuhause auf Zeit in der Ludwigstraße 16. Sie sind zwischen 43 Jahre und zehn Monate alt.

Ein Reisebus brachte die Familien aus dem Auffanglager Zirndorf nach Bamberg; er fuhr anschließend weiter nach Scheßlitz-Demmelsdorf, wo der Landkreis seinerseits rund 20 Flüchtlinge unterbringen muss. Der anhaltende Strom von Asylbewerbern aus Balkanländern erreichte damit die Region.

Die Anträge der Serben und Kosovaren auf Asyl in Deutschland dürften kaum Aussicht auf Erfolg haben. Davon geht auch Vid Barisic von der Migrationserstberatung des Caritasverbands aus. Doch das dürfe für ihre Aufnahme in Bamberg keine Rolle spielen, findet der gebürtige Serbe: "Es sind Menschen, die da kommen." Gemeinsam mit seiner Kollegin Carolin Schneider stellte sich Barisic gestern den Familien als Ansprechpartner vor und half als Übersetzer aus.

Voll des Lobes sind die beiden Flüchtlingsbetreuer über die Unterkunft und ihre Ausstattung. "Die Räumlichkeiten sind beispielhaft", sagte Barisic und dankte OB Andreas Starke (SPD) und Sozialreferent Ralph Haupt dafür. Die gaben das Lob weiter an das städtische Immobilienmanagement und das Amt für soziale Angelegenheiten.


Bis kurz vorm Einzug gewerkelt



Mitarbeiter der beiden Behörden hätten binnen weniger Tage den Einbau von Duschen und Küche möglich gemacht, Möbel besorgt und Hausrat, so dass eine leer stehende ehemalige Büro-Etage zur Wohnung wurde.

Noch am Dienstag schleppten Ernst Mayer, der Leiter des Amts für soziale Angelegenheiten, und Richard Reiser, Leiter des Sachgebiets Sozialhilfe, eigenhändig Kühl-Gefrier-Kombinationen in den ersten Stock; eine für jedes der vier geräumigen Familienzimmer. Außerdem brachten sie noch eine zweite Waschmaschine in die Gemeinschaftsküche, in der es auch zwei Elektroherde gibt.

Platzsparende Stockbetten, Tische, Stühle und Spinde in den Zimmern stammen aus Bundeswehrbeständen. Einige Möbelstücke haben noch Aufkleber vom "Kampfhubschrauberregiment 26" Franken in der Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth.

Die beiden größten Zimmer verfügen zusätzlich noch über je ein Sofa. Es handelt sich um gut erhaltene Stücke vom Sperrmüll. Matratzen und Bettzeug sind dagegen aus hygienischen Gründen nagelneu.
Neben einer Erstausstattung mit Bettwäsche und Handtüchern aus Kleiderkammern fand jede Familie im Zimmer Duschgel, Zahnpasta, Müllbeutel und einen Stadtplan vor. Verpflegt werden die Flüchtlinge vom selben Unternehmen, das die Asylbewerber an der Breitenau mit Essen beliefert.


Richtige Verpflegung



Für's Erste hat ihnen das Amt für soziale Angelegenheiten Verpflegung nach islamischem Standard besorgt - ohne Schweinefleisch, dafür mit vegetarischer Pizza, Tiefkühl-Hähnchen oder Rinderhack. Ab nächster Woche sollen sie die selben Wahlmöglichkeiten haben, wie die Bewohner der Breitenau.

Die Stadt hat die 182 Quadratmeter möbliert an die Regierung vermietet. Diese zahlt 3000 Euro "Warmmiete".
Das ehemalige Bahn-Anwesen wechselte erst vor einem Jahr den Besitzer. Deshalb sei es im Sommer 2011, als die Regierung im Stadtgebiet schon einmal dringend eine Bleibe für 150 Asylbewerber suchte, noch nicht in Frage gekommen, beantwortete Ulrike Siebenhaar, die Pressesprecherin der Stadt, eine FT- Anfrage.

Wie OB Starke vor Ort erläuterte, erwarb die Kommune das Gebäude im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Bahnhofs-Umgebung und die Schaffung eines Regionalen Omnibus-Bahnhofs (ROB). Zur Unterkunft für Asylsuchende widmete es die Stadt kurzfristig um, nachdem die Regierung ihr am 12. Oktober die Zuweisung von Flüchtlingen angekündigt hatte.
Der Standort erfüllt laut Oberbürgermeister exakt die Bedingungen an eine Unterbringung von Asylbewerbern, auf die sich der Stadtrat im vergangenen Jahr festgelegt habe: dezentral, maximal 60 Plätze, stadtnah. Von der Ludwigstraße aus hätten die Menschen die Möglichkeit, am städtischen Leben teilzunehmen, so Starke.

Er geht davon aus, dass Bamberg möglicherweise schon bald weitere Flüchtlinge zugewiesen werden und dass sich Lösungen finden werden, wenn es nötig wird. Die Stadt habe 2011 gemeinsam mit Wohnungsbauträgern, Kirchen, Privatleuten usw. eine Analyse erarbeitet und sei auf 20 potenzielle Standorte gekommen.

Die Regierung muss derzeit pro Woche nach eigenen Angaben 35 bis 40 Personen in Oberfranken unterbringen, so groß ist der Zustrom armer Menschen aus den Balkanländern. Seit alle Gemeinschaftsunterkünfte belegt sind, bleibt "Bayreuth" keine andere Wahl, als den Städten und Landkreisen Flüchtlingskontingente zuzuweisen.