Der Kunststoffhersteller Rauschert mit Zentrale in Scheßlitz hat ein Schwesterwerk in ukrainischen Lwiw (Lemberg). Sechs Kollegen aus der Ukraine seien derzeit am Standort Steinbach am Wald zum Anlernen, erklärt Dennis Klinger, Leiter der Fertigung an diesem Standort. Aufgrund der lebensbedrohlichen Lage in der Ukraine, habe sich das Unternehmen entschlossen, die Familien der Ukrainer mit dem Auto nachzuholen. 

So seien ein Mitarbeiter aus der deutschen Produktion und einer der Ukrainer zu einer viertägigen Fahrt (3. bis 6. März) mit zwei Autos aufgebrochen, um sechs Frauen und vier Kinder unter zehn Jahren in Sicherheit zu bringen. Viel Energie und Durchhaltevermögen sei gefordert gewesen, denn die Reise sei nicht reibungslos verlaufen, so Klinger. Es könnte auch nicht die letzte gewesen sein. 

Rauschert will Frauen und Kinder aus Ukraine holen und trifft sie zunächst nicht an

"Am Donnerstag um 13.30 Uhr sind meine Kollegen weggefahren und waren am Sonntag wieder da", schildert Klinger. Die rumänische Grenze sei das Ziel gewesen. "Da war der eigentliche Treffpunkt. Aber in Rumänien wurden die Frauen und Kinder noch einmal umgesetzt." Dies sei eine logistische Maßnahme gewesen, um "die ganzen Menschenmassen zu bewältigen. Meine Kollegen sind also zum Grenzpunkt gefahren, um dann festzustellen, dass sie nicht da sind", fasst Klinger zusammen.

In Rumänien hätten sie daher noch einmal 600 Kilometer zu einem anderen Ort fahren müssen, wo die Familienangehörigen untergebracht waren. "Sie waren dementsprechend mitgenommen, körperlich sehr angestrengt, aber sehr froh, dass man sie abholt." Nur ein bis zwei kleinere Taschen habe jede Familie bei sich gehabt, um das Nötigste zu transportieren. Der ukrainische Mitarbeiter habe seine Familie in sein Auto geladen, der andere Mitarbeiter die restlichen Leute mit dem Kleinbus transportiert.

Nun gehe es darum, "ihnen eine möglichst angenehme Zukunft zu bereiten. Wohl wissend, dass wir den Trennungsschmerz von der Familie, den Freunden und der Heimat nicht abstellen können", schreibt das Unternehmen auf Facebook.

Großvater wird mit Familie vereint - Sohn muss in Ukraine bleiben

Laut Klinger wurden für die Unterbringungen diverse Ferienwohnungen in Steinbach am Wald und der näheren Umgebung angemietet. "Die Leute haben wir dann so verteilt, dass sie mit ihren Familien wohnen können." Die größte Familie bestehe aus sieben Personen. Ein ukrainischer Mitarbeiter sei der Großvater dieser Familie, der mit Frau, Schwiegertochter und den Enkelkindern vereint wurde. "Der eigene Sohn musste leider in der Ukraine bleiben."

Zwei der angelernten Ukrainer hätten gesagt, ihre Familie möchte nicht nachkommen, weil der Sohn in den Krieg ziehen müsse. Ihn haben sie nicht verlassen wollen. "Wir haben ihnen angeboten, dass sie es sich überlegen können. Wenn sich die Situation ändert, würden wir sie auch noch irgendwie rausholen."

Wie geht es für die Ankömmlinge nun weiter? Man merke, dass die Menschen gerne wieder nach Hause möchten, "wenn alles vorbei ist", so Klinger. Kollegen aus Pressig versuchten, mit der Ausländerbehörde Unterstützungsmöglichkeiten zu klären. "Es ist noch in der Schwebe, ob die Frauen hier arbeiten dürfen."

Mehr zum Ukraine-Krieg: In diesem Artikel verfolgt inFranken.de Ereignisse zum Krieg. Russland soll nun kurz vor der Pleite stehen.