Mitten in den Trubel platzte am Rosenmontag die Nachricht: Der Faschingszug in Hallstadt wurde abgesagt, genau wie in den Karnevalshochburgen Düsseldorf und Mainz. Die Unsicherheiten, ob nicht doch ein Sturm aufziehen könnte, war für die Veranstalter zu groß. Dass der Gaudiwurm in Bamberg nicht stattfinden könnte, hält Stadtmarketingchef Klaus Stieringer am Montag dagegen für unwahrscheinlich.

Denn am Faschingsdienstag soll das Wetter zwar nicht gemütlicher, aber weniger stürmisch werden: Es ist Regen vorhergesagt - ausgerechnet zur Mittagszeit, wenn der Zug ab 13.30 Uhr durch die Innenstadt von Bamberg zieht.


Regenponchos liegen bereit

Auf das nasse Wetter hat sich der Stadtmarketingverein schon eingestellt. So wurden tausend Regenponchos besorgt, die heute verteilt werden sollen. "Wir hatte in den letzten Jahren schon alles: Schneefall, Eis, Dauerregen, Sonnenschein." Zwar gehe Sicherheit immer vor - abgeblasen wurde der Umzug laut Stieringer aber bisher noch nie. "Wir sehen auch aktuell keinen Grund, den Zug abzusagen. Wir erwarten einen feucht-fröhlichen Umzug - von innen und von außen", sagt der Stadtmarketingchef mit einem Augenzwinkern. Dennoch rechnet er aufgrund der schlechten Wetteraussichten mit etwas weniger Andrang. Tausende Zuschauer wollen jedes Jahr den Gaudiwurm sehen.

Die am Umzug beteiligten Gruppen bereiten sich auf das ungemütliche Wetter vor: Beispielsweise wird der Wagen von "Bambergs Unabhängigen Bürgern" noch kurzerhand mit einem Dach versehen. Beim Umzug in der Gartenstadt war der Wagen noch "oben ohne" unterwegs. Sollte es unerwartet zu größeren Wetterkapriolen kommen, müssten als erstes die am Zug beteiligten Pferde im Stall bleiben. Das werde alles kurzfristig im Organisationsteam entschieden, so Stieringer.


Grenzen der Motivwahl

Auch geben die Sicherheitskräfte für den Gaudiwurm generell Entwarnung: "Wir erwarten keine Vorkommnisse, wie sie in Köln passiert sind", sagt Bambergs Polizeivizechef Klaus Linsner. Vielmehr seien Situationen in Großstädten auf eine Kleinstadt wie Bamberg nicht übertragbar. "Man sollte die Hysterie herausnehmen", rät Linsner. Die Polizei begleite den Zug - wie immer. Nur nach dem Gaudiwurm werde man mit leicht verstärkten Kräften auf Streife im Stadtgebiet unterwegs sein, wo Narren noch bis zum Abend feiern wollen.

Politische Motive werden beim diesjährigen Faschingszug diverse Stadtthemen aufgreifen. Wie immer ein beliebter Stoff: die Konversion. Vor allem die geplante Polizeiakademie wird thematisiert.

Der Phantasie sind bei der Gestaltung fast keine Grenzen gesetzt: Bei einem Faschingsumzug im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm wurde am Wochenende diese Grenze allerdings überschritten. Ein Wagen war als Panzer mit der Aufschrift "Asylabwehr" dekoriert. Der oberbayerische Faschingsverein hat sich inzwischen für die Fahrzeuggestaltung offiziell entschuldigt.


Kein Panzer in Bamberg

Beim Bamberger Gaudiwurm gab es laut Stieringer eine solche Grenzüberschreitung noch nie. Dennoch wird der Stadtmarketingchef kurz vor Beginn des Umzugs am Markusplatz, wo sich die einzelnen Gruppen mit mehreren hundert Teilnehmern aufstellen, wie immer die Wagen ablaufen und die Motive in Augenschein nehmen.

Stieringer macht deutlich: "Ein solcher Panzer rollt nicht durch Bambergs Straßen!" Das zentrale Thema des diesjährigen Faschings in der Domstadt ist ohnehin ein völlig anderes: "Route 66 - Wild West Faschingsfest".

Passend dazu geht der Stadtmarketingchef als "großer Cowboy" auf die Straße. Auch bei befürchtetem Regenwetter: "Um 13.33 Uhr ist Abfahrt!", versichert Stieringer.