Es ist eine der seltenen guten Wirtschaftsnachrichten in der Corona-Zeit. Auch das Virus kann den Wandel neben dem Bahnhof nicht aufhalten. Wo im Moment das Gebäudeinnere entkernt wird, soll nach jahrelanger Stagnation eine völlig neue Immobilie entstehen - und für das unter Mangel an Gewerbeflächen leidende Bamberg Entlastung schaffen.

Deshalb ist es nicht unerheblich, dass das stark wachsende Bamberger Unternehmen Computop im neuen Atrium erkleckliche Flächen belegen will. Computop platzt in seinem bestehenden Hauptquartier in der Schwarzenbergstraße gleich gegenüber aus allen Nähten. "Für uns ist die Nähe zum Bahnhof entscheidend, ebenso die Tatsache, dass im Haus viele Parkplätze vorhanden sind. Damit sind wir für Mitarbeiter und Besucher bestens erreichbar", erklärt Henning Brandt, ein Sprecher des Unternehmens.

Die 1997 gegründete Firma erfreut sich als IT-Dienstleister für digitale Zahlungsströme starker Wachstumszahlen und beschäftigt heute rund 140 Mitarbeiter. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht: Gerade in Corona-Zeiten sind die Angebote des Zahlungs-Providers noch gefragter als bisher.

Das neue Atrium soll nicht nur eine Neuauflage des alten sein. Sichtbares Zeichen dafür sind die Büroflächen für das IT-Unternehmen, die auf dem Parkdeck in Leichtbauweise wenige Meter neben dem Multiplexkino errichtet werden. Aber auch grundsätzlich erfährt die Handelsimmobilie eine Neuausrichtung. Das bedeutet: Investor Eyemaxx will die vordem 18 000 Quadratmeter große Einkaufsmeile zugunsten eines 160-Zimmer-Hotels auf die Erdgeschossflächen und damit auf weniger als die Hälfte eindampfen.

Welche Läden und welche Gastronomie hier einmal entstehen werden, ist derzeit aber noch offen. Wegen des Lockdowns lagen die Verhandlungen mit künftigen Mietern lange auf Eis. Fest steht heute lediglich, dass Kino und Parkplätze erhalten bleiben - allerdings mit neuem Konzept und einem zweiten Fahrradparkhaus am Bahnhof. Rund 220 Fahrräder sollen hier trocken und sicher abgestellt werden können.

Es verspricht spektakuläre Bilder, wenn die Abbruchbagger anrücken, um das Atrium, wie es vielen Menschen vertraut war, dem Erdboden gleichzumachen. Der Abrissplan sieht vor, dass das vordere Gebäudedrittel auf einer Länge von immerhin 125 und einer Breite von 55 Meter verschwinden soll, so dass ein lange nicht gesehener Durchblick auf die Bahngleise möglich sein wird. Wann wird das sein? Wie Projektleiter Heiko Tost dazu mitteilt, soll die heiße Phase des Abbruchs in etwa zwei Wochen beginnen.

Vom vorderen Teil des Atrium wird vermutlich nicht mehr viel übrig sein, wenn der Stadtrat nach der Sommerpause im September zusammentritt, um über den Satzungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu beraten. Ein Ja zu diesem letzten Schritt wäre gleichbedeutend mit einer Baugenehmigung. Eyemaxx-Geschäftsführerin Christine Rumpf hofft, dass die Abbrucharbeiten letzte Zweifel im Gremium ausräumen. "Wir meinen es wirklich ernst mit der Revitalisierung. Hier entsteht eine gemischte Immobilie in prominenter Lage der Welterbestadt Bamberg." Laut Rumpf will Eyemaxx für Abriss und Neubau zwischen 40 und 50 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Der Bamberger Baureferent Thomas Beese will der Politik in ihrer Entscheidung nicht vorgreifen, ist aber guter Dinge, dass auch der neu gewählte Stadtrat dem Projekt so aufgeschlossen gegenübersteht wie der alte. Aus Sicht der Verwaltung entstehe mit dem Hotel, dem Handel und der Gewerbefläche ein vielversprechendes Vorhaben, das neben dem Bahnhof große Entwicklungschancen für alle Beteiligten bietet. Die Kubatur verkleinere sich, die Fassade werde pfiffiger. Zumindest architektonisch weint Beese dem alten Atrium keine Träne nach: "Was jetzt verschwindet, war ein Kind seiner Zeit. Und diese Zeit ist mit Sichtbeton sehr großzügig umgegangen."

Von einem Glücksfall spricht der Wirtschaftsreferent Stefan Goller. Nach so vielen Jahren stehe nun ein Investor bereit, der für diese Stelle der Stadt eine inhaltliche und städtebauliche Verbesserung verspricht. "Das wird für das ganze Bahnhofsareal eine Aufwertung bringen."