Die Nummernschilder abgeschraubt, die Radios herausmontiert, die Fahrer verschwunden: So rosten derzeit zwei Autos an der Forchheimer Straße in Bamberg vor sich hin. Die Polizei hat die Fahrzeuge mit den typischen roten Aufklebern versehen, die Halter beziehungsweise Eigentümer auffordern, die Schrottwagen "unverzüglich zu entfernen". Damit ist ein Verfahren gestartet, an dessen Anfang ein Verantwortlicher ausfindig gemacht werden muss - und an dessen Ende nicht selten der Steuerzahler für die Entsorgung aufkommt.

"In beiden Fällen hat die Polizei die Halter der Fahrzeuge ermitteln können", berichtet deren Sprecher Thomas Fischer. Wer auch immer die Fahrzeuge am Straßenrand abgestellt hat - sie haben sich nicht die Mühe gemacht, die Fahrgestellnummern herauszufeilen. Als Halter des roten Polo ist ein älterer Mann aus dem Landkreis Bamberg eingetragen. Der grüne Audi ist auf eine Frau aus dem Landkreis Ansbach zugelassen.

Ermittlungen laufen

Ob die beiden die Autos selbst illegal in Bamberg abgestellt haben? Es gilt die Unschuldsvermutung.

"In den meisten Fällen haben die Halter die Autos vorher an eine andere Person verkauft, die mit den Kennzeichen noch ein bisschen herumgefahren ist und dann das Auto einfach abgestellt hat", berichtet Fischer aus der Erfahrung der Polizeibeamten.

Eine gängige Masche unseriöser Schrotthändler ist es laut dem Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC) auch, alte Fahrzeuge ausgeschlachtet stehen zu lassen, wenn der Transport nach Osteuropa nicht mehr lohnenswert erscheint. Der letzte eingetragene Halter müsse sich dann rechtfertigen, wenn solche Autos herumstehen, warnt Wolfgang Lieberth vom ADAC und gibt auch ein paar Tipps (siehe Kasten).

Bußgeld bis zu 5000 Euro

Im Fall der beiden Schrottautos an der Forchheimer Straße werden beide Halter nun von der Polizei kontaktiert und befragt. "Das Abstellen nicht zugelassener Kraftfahrzeuge oder Anhänger ohne gültiges amtliches Kennzeichen auf öffentlichen Verkehrsflächen stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro geahndet werden", steht auf dem Warnzettel.

Doch das behördliche Prozedere ist langwierig. "Die Polizei zeigt zunächst die Ordnungswidrigkeit an. Daraufhin überprüft die Straßenverkehrsbehörde die Daten des letzten eingetragenen Fahrzeughalters. Dieser bekommt per Zustellungsurkunde die Aufforderung, das Fahrzeug zu entfernen", erklärt Anna Lienhardt, Pressesprecherin der Stadt. Nach einer Frist von 14 bis 20 Tagen überprüft demnach die Straßenverkehrsbehörde, ob das Fahrzeug noch auf öffentlichem Grund steht. "Falls ja, erhält ein Abschleppunternehmen aus der Region den Auftrag, das Auto abzuschleppen." Dort werde das Auto entweder entsorgt, sofern es sich um ein Schrottfahrzeug handelt oder bereits ausgeschlachtet ist. "Ist das Fahrzeug in besserem Zustand, bleibt es circa ein halbes Jahr auf dem Gelände des Unternehmens stehen, damit der Halter noch die Möglichkeit hat, das Fahrzeug abzuholen."

Steigende Fallzahlen

Allein im laufenden Jahr 2020 hat die Stadt Bamberg bereits mit 70 solcher Fälle zu tun gehabt. "Bisher gab es jedes Jahr eine Steigerung der Fallzahlen, eine offizielle Statistik existiert nicht", erklärt Sprecherin Lienhardt.

Auch im Landratsamt steigen die Zahlen. "In den zurückliegenden Jahren ist die Zahl der wirklich verwerteten Fahrzeuge auf zuletzt rund zehn im vergangenen Jahr leicht angestiegen", berichtet Sprecher Frank Förtsch. Zu klären hatten seine Kollegen in den vergangenen Jahren stets um die 30 solcher Fälle. "Wenn der Verursacher nicht ermittelt wird, zahlt am Ende die Allgemeinheit."

Nicht nur deshalb sind die Rostlauben am Straßenrand ein Ärgernis. "Diese Fahrzeuge sind eine Gefahr für die Umwelt, für Mensch und Tier. Eingeschlagene Scheiben, verteilte Scherben, Öl, Benzin und so weiter treten aus, und dann muss ich hören, dass diese Wracks bis zu sechs Monate da herumstehen", mahnt unser Leser Manuel Brand, der sich mit seinem Ärger sogar an den Bayerischen Innenminister gewandt hat. Er fordert allgemein eine schnellere Entsorgung und ein härteres Vorgehen gegen die Verursacher. Brand denkt sogar darüber nach, eine Bürgerinitiative dafür zu gründen. "Bayern ist keine öffentliche Müllhalde an Schrottautos, und wenn sich die Politik nicht dafür interessiert, dann eben die Bürger des Freistaats, die ein saubereres Bayern wollen."