Blicken Sie so richtig durch bei A+++, A+ oder gar C? Ursprünglich sollte die europaweite Kennzeichnungspflicht für "energieverbrauchsrelevante Produkte" dafür sorgen, dass Verbraucher besser vergleichen können. Doch viele sind eher verwirrt von den Angaben auf Waschmaschine, Fernseher und anderen Haushaltsgeräten. Deswegen möchte die EU-Kommission die Kennzeichnung der Energieeffizienz-Klassen vereinfachen.

Da ein Drittel der gesamten Energiekosten eines Haushalts der Stromverbrauch ausmacht, lohnt es sich, diesen genau unter die Lupe zu nehmen, wie Michael Merz sagt. Er ist seit zehn Jahren Energieberater in Bamberg für die Verbraucherzentrale Bayern und erklärt eine Tatsache, die so manchem nicht bewusst sein dürfte: "Die Energieeffizienzklassen dienen dem Vergleich von Geräten der gleichen Kategorie."

Heißt: Wer einen neuen Kühlschrank braucht, sollte in der jeweiligen Kategorie - zum Beispiel bei den 120 Liter-Geräten - auf den Energieverbrauch schauen. Welcher hat A++, welcher A? Der Vergleich unterschiedlicher Kategorien macht laut Merz keinen Sinn: "Ein großer Kühlschrank der Klasse A+++ kann deutlich mehr Strom verbrauchen als ein kleiner Kühlschrank der Klasse A+."

Ähnlich ist es beim Fernseher: Das Gerät mit kleinerer Diagonale hat zwar möglicherweise eine schlechtere Kennzeichnung, braucht aber weniger Strom als ein Gerät mit großer Diagonale und besserem Energielabel. Wer tatsächlich Geräte unterschiedliche Kategorien vergleichen will, dem rät der Fachmann: "Auf den Stromverbrauch achten, der in Kilowattstunden pro Jahr angegeben ist."

Allerdings: Gerade die Energiekosten geben Unternehmen nicht immer korrekt weiter, wie bei einer Untersuchung der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) herausgekommen ist.

Fast jedes fünfte getestete Produkt verbrauchte bei der Analyse mehr Energie als auf der Verpackung genannt. "Einige benötigten bis zu 30 Prozent mehr Strom als angegeben", sagte Johanna Kardel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv), der an der Untersuchung beteiligt war. Geprüft wurden 20 Gerätegruppen wie Kühlschränke, Lampen oder Fernseher. "Wir hatten eine Vorauswahl getroffen von Geräten, die im Vorfeld schon kritisch bewertet wurden", so Kardel. Man könne die Studie also nicht auf den gesamten Markt übertragen. Erhebliche Mängel wurden vor allem bei vernetzten Geräten mit WLAN-Funktion und beim Standby-Verbrauch festgestellt. Eines von drei Produkten hatte die WLAN-Funktion standardmäßig aktiviert.


Hersteller bessern wohl nach

Kardel betont, dass man nicht davon ausgehen könne, dass die Hersteller - so wie beim Pkw-Abgasskandal - ihre Produkte zurückrufen. "Sie sind informiert und haben oder werden nachbessern." Allerdings bleibe ein Schlupfloch: Eine EU-Überprüfungsstelle gibt es nicht. In einigen EU-Ländern werden die Geräte nach vzbv-Angaben gar nicht oder nur mangelhaft untersucht. Eine neue EU-Vorschrift sieht nun vor, umweltgerechte Mindeststandards für die Produkte festzulegen.

Doch was kann man jetzt tun, ganz aktuell im Haushalt? Michael Merz von der Verbraucherzentrale in Bamberg empfiehlt: "Leihen Sie sich bei uns ein Strommessgerät aus." Und: Obacht beim Standby-Modus. Da sind etwa Geräte in der Peripherie des Computers, wie Scanner, Drucker oder Faxgerät. Wer keine Lust hat, immer den Stecker zu ziehen, verwendet schaltbare Steckdosenleisten.

Versteckte Stromfresser sind laut Merz Akkurasierer, Elektrozahnbürsten oder: das vergessene Ladekabel des Mobiltelefons in der Steckdose - obwohl das Handy gar nicht mehr dranhängt.
Was sind eigentlich die größten Stromfresser im Haushalt? Mit 49 Prozent klar die elektrischen Haushaltsgeräte, genauer: "Alles, was warm oder kalt macht." So könne man etwa bis zu 50 Prozent Energie sparen, wenn man die Waschmaschine ans Warmwasser anschließt.

Konventionell beträgt ihr Anteil etwa vier Prozent des Energieverbrauchs, beim Trockner sind es schon zehn. Die gleiche Zahl gilt für die Beleuchtung, bei Computer und IT-Geräten sind es 14 Prozent. TV und Audio liegen mit 13 Prozent knapp darunter.

Ein großes Thema ist außerdem die Heizung. Da gebe es vor allem bei der Auswahl der Heizungsart laut Merz noch "viel Denkbedarf". Doch wie heizt man energiesparend, wenn die Technik bereits vorhanden ist? Allgemein gelte beim Beispiel "Berufstätige": Ist das Haus schlecht gedämmt, sollte man die Heizung tagsüber nur herunterdrehen und nicht ganz ausschalten, während man auf der Arbeit ist.

Bei guter Dämmung kann man dagegen morgens beim Verlassen der Wohnung die Heizung komplett auslassen und sie erst beim Heimkommen am Abend hochdrehen.Wer es noch genauer wissen will, kann sich direkt an Michael Merz wenden. Eine halbe Stunde Beratung kostet fünf Euro.

Tipps: Mit wenigen Handgriffen im Haushalt Strom und Geld sparen

Warum schluckt der Fernseher so viel Energie? Viele Verbraucher fragen sich, wo sie mit dem Stromsparen im Haushalt anfangen sollen. Mit einigen Hilfestellungen und Tipps lassen sich Kosten sparen. "Man muss aber auch der Typ sein, sich um all diese Vorkehrungen immer wieder zu kümmern", sagt Johanna Kardel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv).

1.Wattzahl: Ein Anhaltspunkt für den Verbrauch ist die Wattzahl. Sie gibt aber nur an, wie viel Strom ein Gerät maximal verbrauchen kann. Sonderlich präzise ist das nicht. Für eine Schätzung reicht es allemal. Hierzu rechnet man die Wattzahl des Gerätes (findet sich meist auf einem Schuld auf der Rückseite oder auf dem Netzteil), eine Schätzung der Nutzungsdauer und den Preis für eine Kilowattstunde Strom zusammen.

Beispielrechnung: Ein Gerät mit 100 Watt Leistung (z. B. ein größerer Fernseher) zieht maximal 100 Wattstunden pro Stunde. Ist es drei Stunden täglich im Einsatz, dann kostet es im Jahr bei maximaler Auslastung rund 30 Euro Strom.

2. Waschmaschine: Mit den heutigen Geräten reichen Waschtemperaturen von 30 bis 40 Grad - dank besserer Waschmittel und moderner Waschmaschinen. Auf die Sauberkeit der Textilien hat die Temperatur kaum noch Einfluss. Weil das Erhitzen von Wasser viel Energie verbraucht, sollte man also lieber weniger heiß waschen: Mit 40- statt mit 60-Grad-Wäsche sparen Verbraucher etwa die Hälfte an Strom - und schonen ihre Kleidung. Außerdem: das ECO-Programm nutzen!

Beispielrechnung: Bei 160 Waschgängen pro Jahr mit 40 statt 60 Grad sowie Verzicht auf Vorwäsche und Trockner kann man 110 Euro sparen.

3. Netzteile: Zu den größten Stromfressern im Haushalt zählten Geräte im Standby-Modus. So lange am Fernseher, DVD-Player, Kaffeemaschine oder der Stereoanlage noch ein Lämpchen leuchtet, verbrauchten sie Energie. Deshalb sollte der Stecker gezogen werden, wenn man sie nicht benutzt.
Auch eingesteckte Netzteile gehören zu den versteckten Stromfressern. Besser trennt man das Netzteil des Notebooks, Ladegeräte von Handys und andere Geräte nach Gebrauch von der Stromversorgung.

Beispielrechnung: Ein Smartphone-Netzteil zieht in der Regel rund fünf Watt. Wer es jeden Tag drei Stunden an der Steckdose hat und dann das Netzteil abzieht, zahlt im Jahr nur 1,53 Euro Strom dafür.

4. Geschirrspüler: Ist die Geschirrspülmaschine voll beladen, ist das Spülen damit tatsächlich sparsamer als mit der Hand abzuwaschen. Moderne Spülmaschinen arbeiten zudem umweltfreundlicher und hygienischer, da die Wassertemperatur höher ist und es Sparprogramme gibt. Aber aufgepasst: Unter 80 Teilen ist die Spülmaschine schlecht befüllt.
Beispielrechnung: Bei 160 Spülmaschinengängen im Sparprogramm statt Handwäschen spart man pro Jahr circa 35 Euro.

5. Wasserkocher: Ein Wasserkocher benötigt dafür gegenüber einem Elektroherd deutlich weniger Strom. Das gilt vor allem für Herde mit Gussplatten. Ein Wasserkocher erhitzt Wasser weitaus effizienter, weil weniger Abwärme freigesetzt wird. Modernste Induktions-Kochfelder dagegen können eine ähnliche Energieeffizienz erreichen wie Wasserkocher.

Beispielrechnung: Für zwei Liter Wasser pro Tag werden im Wasserkocher nur 100 statt 150 Wattstunden benötigt. Bei einem Strompreis von 30 Cent je kWh ergeben sich elf Euro pro Jahr.