Bamberg
Gartenschau

Eine halbe Million besuchte die Gartenschau

Nur wenn die Besucher strömen, schrumpft das Defizit der Landesgartenschau. Deshalb freuten sich die Verantwortlichen über einen Meilenstein.
Beifall für einen Zufall: Alois und Maria Kohnle aus Unterschneidheim durchschritten die Drehkreuze zum Erba-Gelände um 13,24 Uhr.  Foto:  Ronald Rinklef
Beifall für einen Zufall: Alois und Maria Kohnle aus Unterschneidheim durchschritten die Drehkreuze zum Erba-Gelände um 13,24 Uhr. Foto: Ronald Rinklef
Maria Kohnle wusste am Anfang gar nicht, wie ihr geschieht. Kaum hatte sie das Drehkreuz am Haupteingang der Landesgartenschau passiert, da stürmten schon die Leute auf sie ein. Der freundliche Herr im beige-farbenenen Sakko entpuppte sich als Oberbürgermeister der Stadt Bamberg.

Bald schon hielt Maria Kohnle einen riesigen Blumenstrauß in Händen, während ihr Mann Alois einen Geschenkkorb vor sich balancierte. Es folgten Reporterfragen, Radio-Interviews, Filmaufnahmen. Maria und Alois Kohnle, die exakt um 13.24 Uhr das Drehkreuz durchschritten hatten, ertrugen die Laune des Zufalls mit Humor: Sie war die 500000ste Besuchern, er der 500 001ste Besucher der Landesgartenschau in Bamberg.

Zwei Tage vor der Halbzeit der 165 Tage dauernden Gartenschau in Bamberg zeichnet sich damit ab, dass die hoch gesteckten Erwartungen der Macher erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen werden. Durchschnittlich haben 6170 Menschen dem Hauptgelände in Bamberg am Tag einen Besuch abgestattet.

Sollte der Zustrom so anhalten oder sogar noch wachsen, dürften die anvisierte Million noch vor dem Oktober erreicht sein. Die Gartenschauverantwortlichen, aber auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) zeigten sich am Montag sehr zufrieden mit der Resonanz. Bekanntlich ist die Messlatte von Anfang an auch deshalb sehr hoch gelegt worden, damit die hohen Durchführungskosten von zwölf Millionen Euro mindestens bis zu neun Millionen Euro gedeckt werden. Die Tageskarte zur Schau kostet für Erwachsene 15 Euro.

Vor allem Claudia Knoll fühlt sich durch den Zustrom bestätigt, mit dem breit gesteckten Ausstellungskonzept den Geschmack vieler Besucher gut getroffen zu haben. "Mit unseren fünf Sams-Spielplätzen, dem
großen Sportbereich, dem facettenreichen Ausstellungsbeiträgen und den herrlichen Ausruhflächen wie der Pyramidenwiese oder dem Historischen Garten ist die Gartenschau zu einem tollen Ausflugsziel für alle Altergruppen geworden."

Die best besuchte Einzelveranstaltung war der Auftritt der Gruppe Revolverheld im Juni mit über 9000 Zuhörern. Die meisten Menschen kamen am Fronleichnam. 7. Juni - immerhin 14 200 Gäste. Glaubt man Roland Albert von der Fördergesellschaft der Landegartenschauen, zeigt sich im durchwachsenen Juli, dass es nicht die heißen Tage sind, die die meisten Besucher bringen, sondern die kühlen. "Für einen Rundgang über das Gelände ist das viel angenehmer."

Ein großer Teil des Publikumserfolges rührt sicher daher, dass die Landegartenschau gerade bei den Bambergern und den Bewohnern der Region sehr beliebt ist. Viele der mittlerwiele 16 000 Dauerkartenbesitzer nutzten in den vergangenen Wochen immer wieder die Gelegenheit, auf das Festgelände zu kommen, sei es nun zum Auftritt von Guildo Horn, zur Schöpfung mit dem Stephanschor oder um die Bayerischen Meisterschaft im Poetry Slam zu erleben. Immer noch hoch in der Gunst der Besucher steht der vielfach gewundene Erba-Bach. Vor allem Stadtbewohner sind von dem künstlichen Naturfluss regelrecht entzückt.

Bei den Machern der Schau besteht nach dem guten Zuspruch seit Ende April die Hoffnung, dass die zweiten 80 Tage mindestens so gut besucht sind wie die ersten: "Die Ferien und die gute Zeit des Stadtetourismus liegen ja noch vor uns", sagt Roland Albert. Außerdem weiß er, dass die Tage im September, wenn die Gartenschau den bunten Herbstflor aufgelegt hat, traditionell zu den besten gehören. Auch ein Endspurt von hartnäckigen Gartenschauverweigerern (auch die gibt es in Bamberg) könnte dann noch drin sein.

Um den Besuch in Bamberg zu ermöglichen, haben Maria und Alois Kohnle ihren Bauernhof in Unterschneidheim im Ostalbkreis in Baden-Württemberg am Montag für einen Tag allein gelassen. "Bei dem Wetter lässt sich in der Landwirtschaft nicht viel machen", sagten die beiden den Journalisten, ehe sie sich auf den Weg machten, um die Erba-Insel zu erkunden : "Wir interessieren uns für alles, was blüht."