Offiziell hin, offiziell her. Was heute bekanntgegeben wird, ist längst kein Geheimnis mehr. Die sogenannte EEG-Umlage, die Stromkunden zur Förderung erneuerbarer Energien zahlen, wird 2014 erneut steigen - von 5,277 auf 6,3 Cent je Kilowattstunde.

Der Preis für Strom wird Jahr für Jahr höher, nicht nur für den Privatmann, sondern auch für die Unternehmen. Die IHK für Oberfranken in Bayreuth warnt schon lange vor den Folgen eines weiteren Anstiegs der EEG-Umlage. "Die Belastungen für den Mittelstand erreichen die Schmerzgrenze", sagt IHK-Präsident Heribert Trunk. Besonders für die Industrieregion Oberfranken, wo zahlreiche stromintensive Unternehmen ansässig sind, sei diese Entwicklung dramatisch.

Eines dieser stromintensiven Unternehmen ist die Firma Wiegand in Steinbach am Wald (Landkreis Kronach). Wiegand gilt als einer der großen Hersteller von Glasflaschen in Deutschland.
Millionen Flaschen entstehen täglich in den Schmelzöfen. Vieles läuft hier mit Gas. Aber ein Teil der Öfen, vor allem aber Kompressoren und Kühlungen benötigen Strom. Enorm viel Strom. Alfons Greser, bei Wiegand für Energiefragen verantwortlich, spricht von 190 Gigawatt-Stunden Strom - das sind 190 Millionen Kilowatt.

Glasproduzent Wiegand profitiert von der "Besonderen Ausgleichsregelung für stromintensive Unternehmen", die der Gesetzgeber im EEG vorgesehen hat. Längst nicht alle Industrieunternehmen fallen darunter. In ganz Franken sind es etwas mehr als 100 Betriebe. Die Ausgleichsregelung sieht vor, dass die EEG-Umlage ab einer bestimmten Menge an Strom sinkt: Für den Stromanteil über einer Gigawattstunde zahlen Wiegand und die anderen stromintensiven Unternehmen nur zehn Prozent der EEG-Umlage, ab zehn Gigawattstunden sind es noch ein Prozent. "In der Öffentlichkeit geistert immer der Gedanke: Die Unternehmen zahlen gar nichts. Aber das stimmt nicht", gibt Greser zu bedenken.


Brose zahlt die EEG-Umlage in vollem Umfang

Infolge der höheren EEG-Umlage muss also auch Wiegand im nächsten Jahr mehr für Strom ausgeben. Gleichwohl wäre dies für die Firma noch zu verschmerzen. Die Angst geht jedoch um, dass irgendjemand in Berlin auf die Idee kommt, die Ausgleichsregelung zu streichen. "Dann würden bei vielen in der Branche sofort die Lichter ausgehen", sagt Greser. Wiegand müsste beim derzeitigen Stromverbrauch knapp zwölf Millionen Euro zahlen - nur für die EEG-Umlage.

Einer der größten Stromverbraucher in der Region ist auch der Autozulieferer Brose mit Standorten in Coburg, Hallstadt (Landkreis Bamberg) und Würzburg. Allerdings zählt Brose rechtlich nicht zu den energieintensiven Betrieben, die eine Befreiung nach dem EEG in Anspruch nehmen können. Denn Voraussetzung ist laut EEG auch noch ein bestimmtes Verhältnis der Stromkosten zur Bruttowertschöpfung des Unternehmens. Brose zahlt daher die EEG-Umlage in vollem Umfang. Beim Autozulieferer sieht man die Entwicklung der Strompreise mit Sorge. "Weitere Steigerungen, die insbesondere durch die Dynamik der EEG-Umlage zu befürchten sind, verschlechtern die Rahmenbedingungen in Deutschland zusätzlich", heißt es bei Brose.

"Die französischen Wettbewerber zahlen 40 Prozent weniger und die Konkurrenten in den USA noch nicht einmal die Hälfte des deutschen Strompreises. Ohne schnellstes Handeln bereiten wir den Boden für die Deindustrialisierung unseres Landes", mahnt deshalb auch Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

Entspannter sieht man die Situation beim Reifenhersteller Michelin in Hallstadt, der hier ein eigenes Kraftwerk betreibt. "Wir versorgen uns selbst, und die Umlage betrifft uns nicht", berichtet Pressesprecherin Tanja Franzke.