"Die Zunge an den Gaumen drücken, dabei viel Spucke im Mund haben, dann die Luft durch die rechte oder linke Backe pressen": Schon wird Peter Krause zum Enterich und quakt drauflos wie der gefiederte Weltstar, dem der gebürtige Niederbayer seit 1988 die Stimme leiht: Donald Duck, der im kommenden Jahr seinen 80. Geburtstag feiert. Lauschen können Franken dem Geschnatter des prominenten Erpels, wie man ihn aus zahllosen Filmen kennt, aber schon am 22. November. Dann kommt Donalds deutscher Synchronsprecher mit der Show "Er kam, sah und quakte" in den Club Kaulberg. Uns stand der Mann, der seit 25 Jahren in die Rolle des Vogels im Matrosenanzug schlüpft, vorab Rede und Antwort.

Als Siebenjähriger begannen Sie zu quaken wie Donald Duck, nachdem Ihnen Ihr Cousin die "Grundgeräusche" beigebracht hatte.
Warum schwärmten zwei Jungs in dem Alter für eine Ente statt Superhelden?
Peter Krause: Donald ist ein Superheld und bis heute auch die beliebteste Cartoonfigur. Aber er hebt nicht ab wie Superman mit seinen Superkräften. Ich kann nicht fliegen, also verbindet mich mehr mit Donald, der mit seinen Watschelfüßen fest auf dem Boden der Tatsachen steht (wenn er nicht gerade vor Wut in die Luft geht). Donald ist ein Mensch in Entenverpackung. Übrigens brauchte ich drei Jahre, um wie er sprechen zu lernen - mit Hilfe meines Cousins: Thomas Vinzelberg, der in Bad Rodach das Hotel Alte Molkerei führt.

Vor 1000 Rockfans gequakt

Wie reagierten Mitschüler auf die Ente in ihrer Klasse?
Der Effekt war großartig. Bald wussten alle, was ich kann. Allerdings nicht neue Lehrer, die damit überrascht wurden, was uns einen Riesenspaß machte. Das interessanteste Erlebnis bescherte mir Jahre später in einem Konzert von Amon Düül aber ein Freund, der nur quaken und nicht wie Donald sprechen konnte: Ein Quaker von ihm also in der Pause in einer Halle mit rund 1000 Rockfans - und alle brüllten vor Lachen. In diesem Moment erkannte ich, was man mit der Figur erreichen kann - und sei es über spontanen Blödsinn. Niemand außer Donald sorgt für solche Emotionen.

Als Walt Disney 1988 alle Filme nachzusynchronisieren begann, engagierte man Sie vom Fleck weg beim ersten Vorquaken. Wie viele Stunden waren Sie seither Donald? Was wurde zum anstrengendsten Schnattermarathon?
Ich war an fast 450 Filmen und um die 40 weiteren Produktionen beteiligt. 500 Stunden kamen auf diese Weise mittlerweile sicher zusammen. "Quack Pack" war eine Zeichentrickserie mit 39 Episoden à 25 Minuten, für die ich wahnsinnig viel quatschen, pardon quaken, musste: Jeden zweiten Tag ins Studio, die Stimme immer knapp vorm Zusammenbrechen. Eine andere Herausforderung: Die Produktion für ein Computerspiel mit den Disney-Stars. Das Schwierigste ist immer, die Stimme dauerhaft zu halten, die nicht nach Sandpapier klingen darf. Und man darf sich nicht verausgaben, was gerade bei Donald problematisch ist, der sich ständig verausgabt.


Der traurige Donald als Herausforderung

Wie gelingt es Ihnen, dem Pechvogel auf der Achterbahnfahrt der Gefühle zu folgen, die seiner labilen Psyche entspringen?
Es ist für mich kein Problem, in Donald zu schlüpfen, wenn er gerade krass wütet (nachdem er wieder Federn ließ), nörgelt oder vor Freude in die Luft springt. Schwieriger ist's, unseren Freund traurig darzustellen. Schließlich neigt Donald immer zur leisen Hysterie - und in dem Fall musst du plötzlich runter vom High-Speed-Level und in eine fast melancholische Stimmung eintauchen (für Entenhausener Verhältnisse).

Gibt's Parallelen zwischen Ihnen und Ihrem Star?
Ich gehe zuweilen wie unser gefiederter Held in die Luft. Die buddhistische Ruhe fehlt mir gänzlich. Und dann habe ich diese Vorliebe für rote Schuhe, die ich hege und pflege. Davon mal abgesehen, spüre ich keinen Hang, meinen Enkeln Geld aus den Sparbüchsen zu klauen. Könnten wir Hand in Hand durch meine oder seine Welt gehen, fänden Donald und ich aber sicher noch weitere Parallelen.



Auch mal Peking-Ente auf dem Teller

Zumal Ihre Beziehung nun schon 25 Jahre und somit länger als die meisten Ehen hält. Zum Fressen gern haben Sie Donald und seine Verwandten aber nicht, oder?
Klar habe ich schon Peking-Ente und anderes gegessen, was Donald sauer aufstoßen würde. Ihm zuliebe verzichte ich nicht generell darauf, die Verwandtschaft auf den Teller zu bringen. Ein wesentlicher Punkt sind Enten in meiner Nahrungskette aber nicht. Tolle Tiere übrigens, mit denen ich mich schon oft verständigen wollte. Nur herrscht bei den Vögeln das Missverständnis vor, dass es Essen gibt, sobald ich komme. Eifersüchtig habe ich auch schon manchen Erpel gemacht. Dabei stehen viele Enten auf Partnertausch.

Treffen Sie sich mit den anderen Synchronsprechern der Disney-Family, um hin und wieder privat zu schnattern?

Viel Kontakt habe ich zu Micky Maus (Mario von Jascheroff), Goofy (Walter Alich) und Kater Karlo alias Piet (Tilo Schmitz). Letzterer hat übrigens den gleichen Dreitagebart wie seine Figur. Getroffen habe ich mich auch schon mit dem amerikanischen, französischen - und hebräischen Synchronsprecher, mit dem ich beim Kaffee drauflosquakte. Nur war meine Stimme damals nach einer Zahn-OP grottig.

Am 22. November kommen Sie nach Bamberg. Ihr erster Besuch in der Domstadt?

Nein, schließlich wohnt auch mein Vater bis heute in der Nähe von Coburg. Mit ihm unternahm ich schon Ausflüge nach Bamberg, weil ich die urigen Lokale der Stadt so liebe. Bratwürste, ein Rauchbier aus dem Schlenkerla - die ganze Bandbreite haben wir genossen.


Donald & Co. im Krieg

Im Club Kaulberg plaudern Sie sicher aus dem Nähkästchen. Auf welche Schmankerl dürfen sich Donaldisten freuen?
Ich synchronisiere live und versuche, dem Publikum die Entensprache beizubringen. Besucher erleben Donald Duck als Sänger und Donald Duck auf Japanisch. Interessant ist auch der Part, der die Zeichentrickfiguren in Kriegszeiten zeigt. Nach Pearl Harbor wurde ja die halbe Disney-Produktion auf Propaganda-Zwecke ausgerichtet. Also bauten Donald und Konsorten Gewehre fürs Militär, übten Disziplin und wurden von japanischen Soldaten in Kampfeinsätze gezogen. "Der Fuehrer's Face" wurde 1943 als Zeichentrickfilm uraufgeführt, bei dem Publikumsliebling Donald die Hauptrolle spielte, gegen das Dritte Reich wetterte und damit einen Oscar für den besten animierten Kurzfilm gewann.

Zieht die Show "Er kam, sah und quakte" mehr Kinder oder Erwachsene an?
Sechsjährige kommen ebenso wie 80-Jährige. Dabei ist es immer ganz rührend, wenn sich Senioren an ihren ersten Zeichentrickfilm mit Donald erinnern. Ich genieße es nach all den Jahren als Synchronsprecher besonders, vor Publikum zu stehen. Das sind magische Moment. Danach aufzutreten und Menschen um den Finger zu wickeln, wird man süchtig wie nach einer Droge.

"Ich bin doch auch nur ein Mensch"

Überlassen wir Donald das Schlusswort: Was sind Ihre Lieblingszitate?
"Immer ist irgendwas", ist ein Satz, den ich liebe. Ganz typisch auch "Warum muss das immer mir passieren!" Über allem aber steht der Spruch, den Donald nur einmal losließ: "Ich bin doch auch nur ein Mensch."