Mensch-Computer- Interaktion: So heißt ein zukunftsorientierter Lehrstuhl der Universität Bamberg im Unigebäude auf der Erba. Einmal im Semester stellen Mitarbeiter und Studenten ihre Arbeiten vor. Bei der letzten Präsentation erahnten die Besucher zum Beispiel, dass in Zukunft Maus und Tastatur eine immer geringere Rolle spielen werden. So reagierten die Bildschirme, an denen die Besucher vorbeiliefen, auf Bewegung und Hand-Gesten.

Der Schwerpunkt der Forschung des Lehrstuhls liegt im Bereich des sogenannten Human-Centered Computing. Grundsätzlich bezeichnet das die Verbesserung der Verbindung zwischen Mensch und Maschine. Natürlich ist diese Art der Steuerung nichts völlig neues auf diesem Gebiet. Moderne Handys verzichten schon lange auf die altbekannten Nummerntasten und Spielkonsolen lassen sich auch heute bereits mit Gesten bedienen. Man will am Lehrstuhl aber auch nicht das Rad neu erfinden, sondern möchte vor allem bereits existierende Technologien weiterentwickeln und deren Bedienung erleichtern, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter Mirko Fetter.

Roboter am Schreibtisch

An einem eher handelsüblich erscheinenden Computer sitzt Paul Birkenkampf. Er gibt einen Einblick, wie ein zukünftiger Schreibtisch aussehen könnte. In Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth hat er für seine Abschlussarbeit einen kleinen Roboterarm entwickelt. Dieser erkennt verschiedene Gegenstände, die vor ihm liegen, überträgt das Bild in Echtzeit auf den Bildschirm und der Benutzer erhält gleichzeitig nützliche, mit dem Gegenstand verbundene Informationen. Darunter kann man sich möglicherweise erstmal eher wenig vorstellen, doch Mirko Fetter verdeutlicht die Arbeitsweise durch einige Beispiele: "Wenn man eine Bahn Card einscannt, könnte der Computer etwa gleich die Abfahrtszeiten der Züge am nächsten Bahnhof anzeigen." Noch konkreter klingt seine zweite Anregung: Man könne auch verschiedene Zutaten die man gerade im Kühlschrank findet unter das Gerät legen. Der Roboter erkenne dann die verschiedenen Lebensmittel und könne ein passendes Rezept zum Kochen suchen.

So wie das von Paul Birkenkampf stammen viele der ausgestellten Projekte von Studenten aus deren Seminar- oder Abschlussarbeiten. Dafür hätten sie meistens gerade mal ein Semester - also etwa ein halbes Jahr - Zeit, in denen sie sich oft erst in die Materie einarbeiten und eigene Ideen entwickeln müssten, berichtet Fetter. Der Lehrstuhl arbeitet aber auch an eigenen Forschungsprojekten und externen Aufträgen. Im Usability Lab, zu Deutsch etwa Labor für Benutzerfreundlichkeit, befasst man sich mit Problemuntersuchungen und den Anforderungen der Anwender. Dazu werden Freiwillige gesucht, die dann im persönlichen Gespräch oder mittels Fragebögen Auskunft geben, damit Programme, Apps und dergleichen verbessert werden können. Im Testlabor werden ebenso neue Produkte für Unternehmen auf Herz und Nieren geprüft.

Ein Gerät, das dabei besonders hervorsticht ist der Eye Tracker. Dabei handelt es sich um eine kleine Kamera, die am Bildschirm befestigt wird. Sie registriert die Bewegungen des menschlichen Auges während man zum Beispiel auf ein Bild schaut oder einen Text liest. Dabei erfasst es genau wohin man blickt, wie lange das Auge auf einem Punkt stehen bleibt und wohin es dann weiter wandert. Für die Technik gebe es verschiedene Einsatzmöglichkeiten, etwa in der Werbung, damit man sehe worauf sich der Verbraucher am meisten Fokussiert oder auch zur Verbesserung von Webseiten, erklärt Mitarbeiter Sascha Herr während seiner Vorführung. Die Technologie gebe es zwar schon seit Jahren, allerdings musste man früher die ganze Apparatur am Kopf der Versuchsperson befestigen. Die moderne, kompaktere Ausführung sei daher für alle Beteiligten eine Erleichterung.

Reparaturen mit dem Drucker

Auch für die immer beliebter werdenden 3D-Drucker hat das Lehrstuhlteam bereits eine Neuerung auf Lager: Mittels einer speziellen Brille kann man das spätere Produkt bereits vor dem Ausdrucken virtuell in den Drucker platzieren. Man erhält sozusagen eine dreidimensionale Druckvorschau. "Die Herstellung kleinerer Gegenstände mit diesen Geräten benötigt bis zu sechs Stunden", erklärt Christoph Beckmann die Idee hinter der Brille. Dadurch ginge beim Ausprobieren neben dem Material auch viel Zeit verloren. Mit dieser Art Vorschau könne man sich aber einiges davon sparen. Der Benutzer muss dazu nur die Brille aufsetzen und sieht dann das am Computer erstellte Objekt in seiner finalen Form direkt im Drucker. Die Darstellung kann dabei sogar durch Gesten gesteuert werden, also das Produkt gedreht oder anders positioniert werden. Wieder gibt Mirko Fetter dazu ein alltägliches Beispiel: Wenn man den Henkel einer Kaffeetasse abbricht, könne man in Zukunft einfach die Tasse in den Drucker stellen und mit der Brille das zu ersetzende Stück genau einsetzen, sodass man es am Ende ausdrucken und wieder ankleben könne.

Manche der gezeigten Erfindungen mögen dem ein oder anderen etwas weit hergeholt erscheinen, aber dem Team am Lehrstuhl geht es hauptsächlich darum, einen Einblick in eine mögliche Zukunft zu gewähren. "Wir möchten die Möglichkeiten der Zukunft schon heute ausprobieren", fasst Mirko Fetter zusammen. "Es ist einfach gut, jetzt schon Ideen zu haben."