Die Studenten einer Wohngemeinschaft in der Concordia-Straße gehören noch zu jenen, die in den saueren Apfel beißen sollen: Mietpreiserhöhung um volle 20 Prozent!

Schon ab nächster Woche sind Preissteigerungen in diesem Umfang nicht mehr möglich. Denn bereits im August greift eine Verordnung der Bayerischen Staatsregierung, die in Bamberg und 88 weiteren Städten des Freistaats eine Preisbremse vorsieht. Sie begrenzt die maximalen Mietpreissteigerungen binnen drei Jahren von 20 auf 15 Prozent.

Die Erhöhung für die Studenten wäre in diesem Falle ein paar Euro niedriger ausgefallen. Nicht zu unterschätzen, sollte man meinen - angesichts der für Geringverdiener nicht gerade niedrigen Wohnkosten in Bamberg. Dies war auch im Stadtrat Konsens, der im Juni beantragte, die Regelung für München auch in Bamberg anzuwenden.
Tenor damals: Es müsse alles getan werden, um die Preise nicht noch weiter steigen zu lassen.
Dennoch löst die sechs Wochen vor der Landtagswahl eingeführte Neuerung in Bamberg wenig Begeisterung aus. Nicht einmal der oberste Mieterschützer in der Stadt, Thomas Kliemann vom Mieterverein, glaubt daran, dass die Mietpreisbremse das von Justizministerin Beate Merk (CSU) formulierte Ziel erreicht, die rasanten Preissteigerungen zu bremsen. "Das ist nur der Tropfen auf den heißen Stein - und die wahren Preistreiber bleiben verschont", sagt der Anwalt für Mietrecht.

Der Grund, den jeder bestätigen kann, der sich auf dem Immobilienmarkt nur ein bisschen auskennt: Die Mietpreisbremse wirkt sich nur auf Mieten im Bestand aus. Doch genau solche langjährigen Mietverhältnisse sind nicht die Ursache für das explodierende Preisniveau im Bamberg. Im Gegenteil. Weil Mieterhöhungsverfahren an hohe Hürden gebunden sind, spiegeln Bestandsmieten vielfach das niedrigere Preisniveau der vergangenen Jahre wider. Sie tragen laut Kliemann dazu bei, Wohnungskosten zu dämpfen.

Völlig unberührt bleibt durch die so genannte Mietpreisbremse dagegen die Neuvermietungen, bei denen die Gesetze des Marktes mit voller Härte greifen. Sobald ein Mieter kündigt, oder wenn eine neue Wohnung fertig gestellt ist, kann der Vermieter den Mietzins frei festlegen, im Klartext, er kann verlangen, was der Markt hergibt.
Ein Preisbeispiel: Viele Bestandsmieten in Bamberg liegen immer noch bei fünf Euro pro Quadratmeter. Eine Mieterhöhung von zwanzig Prozent würde die Miete auf sechs Euro, eine Erhöhung von 15 Prozent auf 5,75 Euro hinaufschrauben. Die Ersparnis per Verordnung läge bei nur 0,25 Euro pro Quadratmeter. Verlässt der Mieter dagegen seine angestammte Wohnung, um sich eine neue zu suchen, sieht der Fall anders aus. Dann steigen die Mieten in der Regel auf Marktniveau, in guten Lagen Bambergs nicht selten auf 8,50 Euro. Dies käme in unserem Fall einer Anhebung von 70 Prozent (!) gleich.

Was für viele in Bamberg zum Problem geworden ist, ist wirtschaftlich betrachtet verständlich: Im extremen Preisniveau bei Neuvermietungen spiegelt sich die Knappheit von Wohnungen wider, der Preis ihrer Herstellung und die Attraktivität der Lage. Martina Bauernschmitt vom Verein der Hausbesitzer Bamberg hält deshalb nichts davon, die Bestandsmieten noch stärker zu regulieren, ohne gleichzeitig etwas dafür zu tun, dass der Wohnungsbau angekurbelt wird. "Diese Verordnung geht ins Leere. Sie beseitigt nicht die Ursache des Problems."
Für Thomas Kliemann hat die Mietpreisbremse noch einen anderen Nachteil: Sie könnte Vermieter dazu verführen, in den Genuss einer Neuvermietung zu kommen, indem man Mieter aus der Wohnung mobbt. Auch der umstrittene Modernisierungsparagraph 559 ist eine scharfe Waffe in der Hand von Eigentümern, die ihre Mieter loswerden wollen. Er erlaubt es, elf Prozent der Modernisierungskosten pro Jahr auf den Mieter umzulegen.
Hier können schnell ein paar Hundert Euro pro Monat zusammenkommen, wie der Bamberger Maler Michael Cleff vor einem Jahr erfuhr. Seine Miete sollte sich vervierfachen.