So oder so: Der "Mauerstreit" wird für mindestens zwei weitere Jahre für eine Teilsperrung der B 22 in der Ortsdurchfahrt von Ebrach sorgen
Die guten Nachrichten sind: Noch ist die Straße auf Höhe der Kirche nicht abgerutscht und niemand ist bisher von der Mauer erschlagen worden oder sonst wie zu Schaden gekommen. Doch weil genau diese Gefahr droht - so zumindest haben es die Statiker des Straßenbauamtes berechnet - muss abgestützt, erneuert, begrenzt und gesperrt werden.
Nur einseitig befahrbar
Seit Mai vergangenen Jahres nun ist die B22 in
Ebrach auf knapp 80 Metern deshalb nur noch einseitig befahrbar. "Man gewöhnt sich ja an vieles", heißt es im "Achtziger". Das Café liegt, genau wie das Hotel Klosterbräu, direkt an der Ortsdurchfahrt. Eine Kundin nickt zustimmend: "Jetzt außerhalb der Saison geht es ja noch mit dem Verkehr, und wer sich auskennt, weiß auch, welche Schleichwege es gibt. Aber im Sommer dann, dann nervt es schon." Gleiches hört man im Klosterbräu. Von den Gästen genauso wie von den Angestellten, die für den täglichen Arbeitsweg nun schon seit acht Monaten mehr Zeit einplanen müssen.
"Eine schnelle Patentlösung gibt es einfach nicht. Vor allem nicht, so lange nicht klar ist, wer hier welche Kosten übernimmt", sagt Walter Hanslok. Der 60-jährige ist Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft und als solcher musste er am Montagabend bei der Gemeinderatssitzung schnell schreiben. Denn die Gemüter der Gemeinderatsmitglieder erhitzten sich, als der Tagesordnungspunkt Kirchenmauer besprochen wurde.
Wer zahlt was?
Zu beraten gab es den Vorschlag des Büros für Strukturmechanik aus Coburg, welches sich im Auftrag des Straßenbauamtes Gedanken über die Instandsetzung, die Bauzeit und den Ablauf gemacht hat. Ergebnis: Für circa eine Million Euro wird die Mauer nun auf Stützpfählen neu gebaut und mit Sandstein ummantelt, damit das historische Gesamtbild gewahrt bleibt. Diese Idee wurde vom Gemeinderat gestern Abend abgewählt. "Wir sollten erst einmal versuchen, die Tonnage in diesem Abschnitt auf 12 Tonnen zu begrenzen und klären, wer die Kosten trägt", war die einhellige Meinung unter den Räten.
Absage an Provisorien
Doch die Sache ist beschlossen: "Die statische Lösung für die Erneuerung des Stützbauwerkes ist gefunden. Wir als Auftragsverwaltung des Bundes gehen bei dieser Maßnahme in finanzielle Vorleistung. Der Kostenteilungsschlüssel zwischen den Beteiligten steht noch nicht fest", heißt es dazu von Ute Becker, der zuständigen Fachfrau im Straßenbauamt. Gleichzeitig wird allen anderen Ideen aus Ebrachs Rathaus eine ziemlich deutliche Absage erteilt: "Eine weitere provisorische Abstützung in diesem Bereich kommt nicht in Frage, da diese für einen unbestimmten Zeitraum weiterhin Verkehrseinschränkungen mit sich bringt, die dem Verkehr auf der Bundesstraße nicht zuzumuten sind."
Dass Eile geboten ist, scheint sich also bis nach Bamberg herum gesprochen zu haben. "Im Oktober sind Wahlen", sagt Hanslok und ihm schwant, dass der Wind auch aus dieser Richtung weht: "Das Amt will nun unbedingt etwas tun, damit die Bürger sehen: Hier geht was vorwärts."
Am Ende bleibt für alle Beteiligten: Abwarten, Geduld haben. Und ab und zu wird in der Baustelle, die irgendwie noch keine richtige ist, doch etwas getan. Die Batterien gewechselt zum Beispiel. Für die gelben Warnlampen auf den Baken.