Spaziergänger, obbachd! Der Weg über den Maxplatz kann in den nächsten Tagen zu ungewöhnlichen Begegnungen führen. Dort harren seit heute früh drei so genannte Enzis auf die fachmännische Begutachtung durch die Bamberger. Liegen oder Lümmeln? Sitzen oder Stehen? Alles ist möglich. Enzi nennt man nach der Österreicherin Daniela Enzi eine ganz besondere Art Freiluft-Sitzmöbel. Sie wurden schon 2002 für das Museumsquartier Wien entwickelt und sind dort zu einem Besuchermagneten geworden.


Zehn bis 15 Stück?

Bunt sind diese aus stabilem Kunststoff hergestellten Hohlkörper - und vor allem flexibel nutzbar. Sie laden die Passanten zum Verweilen in vielerlei Positionen ein - als Bank, Liege, Picknickplatz oder übereinander gestapelt sogar als Theke.

Auf dem leeren Maxplatz könnten die Enzis die seit Jahren anhaltende Debatte um eine Aufwertung der Freifläche in neue Bahnen lenken. Denn wenn der Stadtrat im Herbst sein Einverständnis erteilt, werden es deutlich mehr werden. Mindestens zehn bis 15 der Stadtmöbel könnten bei Kosten von 25 000 Euro schon bald die Bamberger Mitte bevölkern.

Voraussetzung ist natürlich, dass sich die Bamberger mit der Vorhut anfreunden, die heute früh aufgestellt wurden, um allen Interessierten eine Woche lang die Möglichkeiten der Möblierung am "lebenden Modell " vor Augen zu führen. Bei den Testsesseln handelt es sich um einen größeren roten Typen von drei Metern Länge namens Viena und zwei kleinere giftgrüne "Twins", die miteinander kombiniert werden können.

Erst im April dieses Jahres hatte der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, "Überlegungen zu einem flexiblen Mobiliar anzustellen". Heute ist man im Rathaus guter Dinge, einen wichtigen Schritt weitergekommen zu sein. "Ich finde, die sehen unheimlich toll aus", sagt Projektbeauftragter Christian Schmitt, wohlwissend, dass Material und Formgebung durchaus in einem gewissen Kontrast zur historischen Umgebung des Maxplatzes stehen.

Was die Mitarbeiter im Planungsamt überzeugt, sind neben "Form und Qualität der Elemente", vor allem deren Variabilität und praktischen Vorteile. Sie sind stapelbar und und könnten bei vielen Veranstaltungen als Sitzmöglichkeit oder Theke integriert werden. Und obwohl es Spezialanfertigungen sind, kosten sie nicht allzu viel: Ein "Viena" ist bei der Herstellerfirma für 1500 Euro zu haben. Das Paar "Twins" für 1750 Euro.

Doch noch gibt es eine Reihe von offenen Fragen. Wichtig sind vor allem die praktischen Eigenschaften der Möbel: Sind die Enzis robust genug, um den Stadteinsatz zu überdauern? Und: Sind sie schwer genug, um nicht gestohlen zu werden?

Spannend und keineswegs im Voraus zu beantworten ist die Frage der öffentlichen Resonanz. Werden die Bamberger die Hingucker mögen oder fühlen sie sich eher gestört vom klobigen Design? Wie vor allem steht es um die praktische Nutzbarkeit? Das Beispiel Röhrenbrunen zeigt: Schon in der Vergangenheit waren die Bamberger nicht zimperlich mit Neuankömmlingen in der Stadtlandschaft.

Jetzt also die Enzis. Eine erste Stellungnahme des Bürgervereins Bamberg-Mitte lässt erkennen, dass Viena und Co.als optisch auffällig, möglicherweise aber als etwas zu unpraktisch für ältere Bürger empfunden werden. So begrüßen die Bürgervertreter zwar die Idee, am Maxplatz mobiles Sitzmobiliar aufzustellen. Allerdings gibt es Bedenken, dass die Riesensessel für den Maxplatz wirklich gut geeignet sind. "Sie sind sehr modern und spannend. Mir gefallen sie privat sehr gut, aber ich fürchte auch, dass sie von älteren Bürgern nicht gerne angenommen werden", sagt Sabine Sauer vom Bürgerverein. Sie wünscht sich zudem mehr Auswahl.

Wie geht es weiter mit den Enzis und dem Maxplatz? Schon nächsten Mittwoch wird man im Bausenat eine erste Einschätzung über das Sitzmöbel hören. Auch die Frage eines mobilen Cafés auf dem Maxplatz soll an diesem Tag diskutiert werden.